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St. Petri und Pauli Bergedorf
St. Petri und Pauli Bergedorf

Den Reisebericht können Sie sich auch als PDF-Datei ansehen und hier herunterladen.

teilnehmer


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Tag 1

Peter ist ein Experte. Nicht nur für Komponist Hans von Bülow sondern auch für die Organisation einer Reise mit 60 Personen. Die Reisegruppe sind Chor, Orchester, Zuhörer*innen und Maskottchen. Alle sind pünktlich. 6:58 Uhr am Bergedorfer Bahnhof. Und auch die Schweizer Bahn ist pünktlich. Um 7:44 Uhr startet das Abenteuer. Kurze Aufregung, ob wir wohl in Frankfurt a.M. unseren Anschluss bekommen werden. Aber Peter überlässt nichts dem Zufall. Ein kurzes Gespräch mit dem Zugchef und dann ist klar, Peter bringt viel in Bewegung und wenn es sein muss einen Zug zum Warten. Aber alle Reisende und Instrumente sind 12:53 Uhr im TGV nach Paris verstaut, die Plätze sind gefunden und die Stimmung ist gut.

In Paris Metrofahrt gemeistert und einen ersten Verlust zu beklagen: ein Mobiltelefon. Später führt Peter durchs Viertel. Ein Gebäude von Frank Gehry, der auch in Weil am Rhein das Vitra gebaut hat, sowie ein erster Blick hinunter zur Seine sind die Highlights auf dem Spaziergang. Später sitzen wir am Ufer und beobachten die Sonne bei ihrem täglichen Untergang, trinken auf das Wohl der Musiker*innen und auf Viva la France gegen Marokko.


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Dazu passend singen hunderte Franzosen an der Seine die Marseillaise.

Fazit des Tages: Auch in einer großen Reisegruppe entsteht Nähe, wenn der Tag lang ist.

Ausblick: 38 Grad im Schatten

Nicole Knaack

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Tag 2

Nach einem engagierten Fußballabend im Innenhof des Hotels mit fulminantem Jubel bei den französischen Toren und einer tropischen Nacht im gut klimatisierten Hotel heute morgen schönes Frühstück im Außenbereich des Hotels, welches im Stadtteil Bercy liegt. Bei angenehmen Temperaturen beginnen wir unsere heutige Städtetour unter Führung von Peter, beginnend mit den Großbauten des früheren Präsidenten Mitterand: er ließ die riesige Pariser Bibliothek bauen, die sich in einer Sichtachse mit der Pyramide des Louvre im Zentrum und mit dem Triumphbogen im Westen von Paris befindet. („Ausdruck demokratischer Architektur“)

Dann ging’s weiter mit dem Regionalzug (RER) ins Quatier Latin, wo uns unser „Professeur de Paris“ Peter E. anschaulich, wie immer, die historisch – gesellschaftliche Aufteilung des Zentrums von Paris erklärt: Notre-Dame ist das geistliche Zentrum, während des Machtzentrum im westlichen Teil der Seine Insel liegt und das zumindest ursprüngliche, wissenschaftliche Zentrum südlich der Seine, wo die Sorbonne die erste große Universität war.

In der Antike siedelte in Lutetia auf der Seine Insel ein von den Römern Parisii genannter Keltenstamm. Auf die Römer folgte der Frankenkönig Chlodwig, circa 200 Jahre später kam Karl der Große.Durch ihn verschob sich das Machtzentrum des heiligen römischen Reiches von Paris nach Aachen.

An der Sorbonne lehrte auch Padre Abaelard, wobei die Erwähnung seiner Liebesbriefe bei uns besonderes Interesse erfuhr. Dann Besuch der wohl ältesten Kirche von Paris: Eglise St. Severin, anschließend kleine Kaffe- oder Wasserpause. Inzwischen ist es schon ordentlich warm so um 34 Grad. Alle sind aber fit und interessiert dabei. Es geht weiter in die rückseitigen Gassen von Notre Dame, wo uns Peter die Legende von Theophilus erzählt. Als weiterer Höhepunkt folgt die Besichtigung der Concergerie und der Gefängnisse, wo die Opfer der Revolution gefangen gehalten wurden bis zu ihrer Hinrichtung. Hier wartete auch die Königin Marie Antoinette auf ihren Transport zur Guillotine. Abschliessend erfolgte Eingang durch Les Halles, wo sich dann einige, leicht erschöpft, ein Lokal für ein leckeres Mittagessen suchten.

Fotos

Zum Betrachten die Bilder bitte anklicken!

So, gleich geht’s zur Generalprobe für unser Konzert am Sonntag.

Henning Seevers

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Tag 3

Während wir den „ goldenen Brunnen des Apollo“ erreichen und Peter seine wirklich kurzweiligen und interessanten Erzählungen startet, hält ein kleiner Wagen vor uns. Manfred Voigt hat zu einer Spritztour durch 800 Hektar Garten eingeladen. Die Freude ist groß, dass wir uns gerade beim Sonnengott treffen. Der Tag im Park mit dem ausgedachten Blick in die Unendlichkeit vergeht schnell, dicke Füße und Blasen inklusive. Einen dieser kleinen Wagen zu mieten ist bei 38 Grad in der Sonne eine gute Idee. Als die kleine Gruppe im Miniauto davon braust, führt uns Peter weiter in die Geheimnisse der opulenten königlichen Gartenanlage ein.

Viele Symbole begegnen uns: herrschen, absolutistisches Machtspiel, Sucht nach Genuss und Zerstreuung und Narzissmus. Parallelen zur heutigen Zeit sind sicher nicht zufällig. Aber 1000 kg Blattgold auf Zäunen, Dächern, Brunnenfiguren und an Fenstergiebeln ist so schnell nicht zu überbieten. Alles erinnert an eine Opernarie, vielleicht von Puccini oder Mozart. Opulent trifft für alles zu, was hier geschaffen wurde.

Als wir inzwischen erschöpft vom Sehen, Hören und Laufen den Neptunbrunnen erreichen, nehmen für eine Erholungspause vor einer Bretterwand Platz. Die Stimmung bleibt gut, auch wenn dieser Höhepunkt gerade renoviert wird. Tröstlich ist ein Wasserspiel zu Musik, dass die Vorstellung von der perfekten Ingenieurskunst aus dem 17. Jahrhundert abrundet.Ein komplexes System von Pumpen und Kanälen war nötig, um die Wasserlust des Sonnenkönigs zu befriedigen.

Mit der Wasserflasche in der Hand geht es weiter durch die weitläufigen Alleen und verborgenen Wege. Sie führen in immer neue Gärten und verborgene Plätze. Ich persönlich konnte mir gut vorstellen, wie sich hier geheim und doch beobachtet Liebespaare ewige Treue schworen und Intrigen ihren Anfang nahmen. Am1,5 km langen Kanal finden wir die passende Kulisse für unser Picknick. Wahrhaft gut organisiert von Peter.

Im Café freuen wir uns über das Leben und putzen mit verschüttetem Kaffee einen Tisch. Das ist quasi für diesen Ort angemessen luxuriös.

Nahe dem Petit Trianon, einem intimen Schloss der Königin Marie Antoinette, befindet sich ein malerischer und wahrhaft königlicher Spielplatz. Opulent und groß wie alles hier wurde eine dörfliche Atmosphäre nachgebildet. Hier erfüllte sich für die Königin mit ihren geliebten Kindern die Sehnsucht nach einem ländlichen Leben.

Tempel der Liebe, Tempel der Gespräche, der vielfältigen Natur sind Gärten sind Orte, die eine breite Spiritualität ansprechen. Zum Schluss - quasi als Höhepunkt - gibt es einen Blick ins Schloss. Der Rundgang führt durch verschiedene Prunkräume. Wir können die höfische Strenge erahnen. Eng muss das Korsett gewesen sein, dass die Menschen trotz des Reichtums einzwängte. Die Einrichtung mit riesigen Gemälden der Bewohner, Jagd- und Kampfszenen ziehen uns in eine Welt voller Gegensätze. In der königlichen Kapelle begegnen wir dann dem Kitsch und Kunst erneut. Ein Mix aus gotischer Nachahmung und barocker Dekoration ist beeindruckend und etwas schräg zugleich. Orgel und Gesang verzaubern uns dann und leiten über zu französischem Spektakel.

Der Spiegelsaal, der größte seiner Art, empfängt uns und beendet den Rundgang mit Musik und Tanz.

Fotos

Fazit des Tages: Mit Marie Antoinette will keiner tauschen. Auftauchen aus dieser Parallelwelt in einer der vom Schloss weg führenden Alleen ist beeindruckend auch ohne Guillotine.

Ausblick: Das Bergedorfer Schloss mit einem Minipark - vielleicht mit Picknick auf der Minischlosswiese.

Nicole Knaack

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Tag 4

„Singet dem Herren ein neues Lied“.

Als die ersten Gäste in die Eglise Saint Louis en l’Ile kommen ist die Probe von Orchester und Chor noch im Gange. Obwohl es noch gar nicht richtig losgegangen ist, scheinen sich einige Menschen bei der Musik zu entspannen. Selbst vor der Kirche hören Menschen zu.

Plakat

Das Sonnenlicht fällt direkt auf den Chor und dann beginnt das Konzert, das Klaus Singer als gesungenen Gottesdienst zusammengestellt hat.

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Die Eröffnung ist mehr als Vorspiel. Johann Sebastian Bach BWV 99. „Was Gott tut, das ist wohlgetan.“ Nicht kleingläubig sorgen, sondern Gott machen lassen. Die Aufforderung zu vertrauen, ist ein guter Einstieg und am liebsten würde man mitsingen. Mit Kyrie und Gloria von Rheinberger entsteht eine ernste aber tröstliche Gottesdienststimmung. Und warum sollte nicht geklatscht werden - Freude ist willkommen. Danach folgt für das Orchester eine technische Herausforderung. Gustav Holst „Brook Green Suite“: Prelude, Air, Dance. Mit dieser Suite gibt Kantor Klaus Singer den Streichern Raum und erzeugt Kammerkonzertathmosphäre. Der Dance-Satz betont das Sommerliche und erinnert an den ländlichen Garten in Versailles. Wie bei einem Tanz braucht es keine Worte. Musik verbindet.

Und dieser Gedanke wird aufgegriffen im „Ubi caritas“ von Ola Gjeilo. Wo Güte und Liebe ist, da ist Gott. Nächstenliebe verbindet über Grenzen hinweg. Klaus Singer hat hier auf faszinierende Weise Liturgie und Konzert ineinander verwoben. Die Melodie plätschert, sprudelt und fließt wie in einem Bach. Auch die Nächstenliebe braucht diese Bewegung. Wiederkehrend, tiefgründig.

Tobias Brommann: Singet dem Herrn ein neues Lied. Wahrhaftig das erfüllt die Kantorei von St. Petri und Pauli. Diese Melodie dürfte auch jüngeres Publikum ansprechen.

Schliesslich mündet der musikalische Gottesdienst in Gebet und Trost. Licht im Dunkel; das ist unsere Hoffnung und ist das, was die Kantorei nach Paris gebracht hat und was am Ende alle trägt. Der Pianist schlägt die Akkorde und es klingt wie Kirchenglocken beim Gebet. „Jubilate deo“ - nach all der Anstrengung gibt es viel Grund zum Jubel.

Ausschnitt aus dem Rheinberger Kyrie

Lange applaudieren die Gäste. Aber an diesem heißen Tag gibt es keine Zugaben.

Nach dem Konzert Eis essen und „Französisch Speisen“ und nochmal singen: diesmal fröhlich zum Akkordeon von Artur, „non je ne regrette rien“. So sollten wir alle leben. Nichts bereuen. Nichts bereuen müssen.

Erstes Bild
After-Show-Party…
Zweites Bild
…bei Jeannette

Und damit ist der Kreis geschlossen. Auf diesem Konzert lag ein Segen und „Was Gott tut das ist wohlgetan“.

Fazit des Tages: Gott lebt in Frankreich. Ausblick: Wir treffen Gott heute im Viertel der Künstler Montmartre

Nicole Knaack

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Tag 5

Für heute Vormittag steht ein Spaziergang über Montmartre auf dem Programm. Der Spaziergang beginnt mit einem steilen Aufstieg aus der Metro Station Lamark Caulaincourt weiter in die Treppen des Montmartre. Sein Name wird unterschiedlich erklärt: eventuell ursprünglich als Mons Mercore ( Merkur Hügel) bezeichnet, eventuell aber auch als Mons Martis (Marshügel) oder auch Mons Martyrium (Bezug auf die Hinrichtung des französischen Nationalheiligen Dionysos von Paris im 3. Jahrhundert durch den römischen Statthalter. Er soll nach der Enthauptung seinen Kopf noch kilometerweit nach Norden getragen haben, wo später die Basilika St. Denis erbaut wurde.)

Montmartre war bis 1860 ein Dorf für sich. Die Benediktiner hatten auf Montmartre eine Klosteranlage mit der heutigen Pfarrkirche Sankt Pierre, die eine der ältesten Kirchen von Paris ist. Im 18. Jahrhundert wurde eine neue Stadtmauer um Paris herum gebaut, mit der Funktion einer Zollmauer. Auf Montmartre gab es zahlreiche Biergärten (Guinguette) wie auch im berühmten „Ball im Moulin de la Galette“ von Renoir dargestellt.

Die Zoll Mauer wurde später abgebaut und 1860 begann die Umgestaltung von Paris durch den Architekten Hausmann. Die Dörfer wurden eingemeindet, und es wurden mehrstöckige Wohnhäuser errichtet.

Schon 1860 entwickelte sich Montmartre aber zum Zentrum für moderne Kunst. Impressionisten wie Degas und Franz Marc begannen ihr Schaffen und trafen sich in der Stammkneipe Lapin Agile. Später auch Picasso. Der wohnte zunächst in einer kleinen Wohngemeinschaft.

Unser Spaziergang führte uns zunächst weiter zum ehemaligen Wohnhaus des Komponisten Erik Satie. Dieser komponierte die „Quälereien“, ein Musikstück von wenigen Minuten Dauer, welches jedoch 840 mal nacheinander gespielt werden soll. Weiter ging es zur Kirche Sacré-Cœur. Diese wurde nach dem verlorenen deutsch-französischen Krieg 1870/71 erbaut. Der Bau wurde finanziert aus Spendenmitteln, die die katholische Kirche sammeln konnte mit der Motivation, die Nation besser verteidigen zu können. Die Kirche wurde erst 1919 geweiht. Dann erfolgte auch die Trennung von Kirche und Staat. 1912 zogen die Künstler in komfortablere Ateliers um nach Montparnasse. Die Motive wurden erweitert durch Darstellung sozialer Realitäten wie Prostituierte und Gauner. Die Malweise erfasste gleiche Szenerien, jedoch in anderer Darstellung. Insbesondere Picasso entwickelte gegenüber Cezanne die Teilung von Motiven in verschiedene Perspektiven. Das war der Anfang des Kubismus. Ein historischer Ort ist der Nachbau des Bateau Lavoir (ursprünglich eine Lagerhalle, die vom Bau her an die Boote auf der Seine erinnerte, auf denen die Waschfrauen ihre Arbeit verrichteten).Der Bau wurde ab 1893 in kleine Zimmer aufgeteilt , als Wohnmöglichkeit für junge Künstler. 1904 kam Picasso dazu, wobei die jungen Leute durchaus bis nachts um drei munter blieben und Picasso mit einem Revolverschuss zum Schlafengehen aufgerufen haben soll. Unser Weg führte uns weiter hinunter vom Montmartre vorbei am Café des 2 Moulins, dem Schauplatz im Film Amelies Welt und dann weiter zum Moulin Rouge, wo wir unseren Gang abschließen. Es war wieder eine sehr interessante und lehrreiche Tour unter Peters Führung und Vortrag.

Fotos

Nachmittags Zeit zur freien Verfügung und abends gegebenenfalls zum Concert de Paris auf dem Champ de Mars am Eiffelturm mit anschließendem Feuerwerk.

Henning Seevers

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Tag 6

Vormittag: Auf den Spuren der Revolution

Heute am 14. Juli wird in Frankreich der Nationalfeiertag gefeiert. Er ist auch bekannt als „Bastille-Tag". Die Trikolore weht für nationale Einheit und den Triumph der Freiheit und Demokratie. Die Sturm auf die Bastille wird nicht nur in der französischen Kultur und Geschichte als ein zentrales Symbol für den Kampf gegen Unterdrückung des Volkes betrachtet, sondern gilt als Symbol für die gesamte Zeit der Aufklärung.

Unsere heutige Tour startet Peter auf dem Platz Royale. Geschickt zieht er uns in jene Zeit, die als Wiege der Demokratie gilt. Viel Geschichtsunterricht von Peter frei vorgetragen. Wir erhalten Informationen, mit denen wir den Abi Leistungskurs bestehen könnten. Aber wie immer unterhält uns Peter auch mit netten Anekdoten und Legenden.

Da gibt es z.B. die berühmte Legende von Marie Antoinette und dem „Brot“. Als sie erfuhr, dass das Volk kein Brot hatte, soll sie gesagt haben: „Wenn sie kein Brot haben, sollen sie Kuchen essen.“ Für diese Äußerung gibt es zwar keine Beweise aber sie ist bis heute geeignet, die Königin und vielleicht sogar den ganzen Adelstand zu diffamieren.

Die Guillotine, ein wichtiges Symbol der Revolution, wurde als „Instrument der Gerechtigkeit“ eingeführt, das für Gleichheit und Fairness im Tod sorgen sollte. Eine Anekdote besagt, dass die erste Person, die mit der Guillotine hingerichtet wurde, ein verurteilter Mörder namens Nicolas Jacques Pelletier war. Interessanterweise wurde der Einsatz der Guillotine ursprünglich von Dr. Joseph-Ignace Guillotin propagiert, der eine humane und weniger grausame Methode der Tötung als das Hängen anpries. Ironischerweise wurde sein Name zum Synonym für die Hinrichtungsmaschine selbst. Armer Doktor. Welcher Nachkomme will diesen Namen tragen?

Eine andere berühmte Geschichte erzählt von der Situation, als die Abgeordneten des Dritten Standes im Jeu de Paume eingeschlossen waren und den Schwur leisteten, nicht auseinanderzugehen, bis eine neue Verfassung geschaffen sei. Es wird gesagt, dass der Abgeordnete Jean-Sylvain Bailly, der ein Anführer der Nationalversammlung war, auf die Barrikaden drängte: „Wir werden unser Leben riskieren für die Freiheit und für die Rechte unserer Bürger!“ Patriotischen Eiferern und dieser Entschlossenheit zur Revolution würden wir wohl heute mit Skepsis begegnen.

Kurios ist auch die Geschichte über die gescheiterte Flucht von König Ludwig XVI. im Juni 1791. Er plante, nach Montmédy zu fliehen, um die Kontrolle über die Revolution zurückzugewinnen. Auf der Reise wurde der König jedoch erkannt und gefasst. Als er an der Grenze „verhaftet“ wurde, soll ein aufmerksamer Posten dem König gesagt haben: „Verehrter Herr, es scheint, dass Sie das Königreich sehr weit verlassen wollen.“

Der Sturm auf die Bastille wurde mit dem Mythos umgeben, dass viele politische Gefangene und Schätze dort verborgen waren. Es gab zwar nur sieben Gefangene im Gefängnis, aber die Idee eines mysteriösen Geheimnisses in der Bastille führte zur Legendenbildung. Dazu trug insbesondere die Vorstellung des Volkes bei, das gegen seine Unterdrücker kämpfte. Der Chef der Bastille wurde jedoch „zu früh geköpft“ und konnte das Geheimnis, wo sich die Schüssel zum Kerker befinden, nicht mehr preis geben. Dumm gelaufen!

An all diesen Schauplätzen zu sein, war wirklich spannend. Als wir dann in der Nähe vom Louvre das Spektakel der Luftwaffe anlässlich der Nationalfeierlichkeiten erleben, gehen die Meinungen auseinander. Es bleibt die Hoffnung, dass es bei Paraden bleibt und wir die europäische Demokratie nicht gegen Angriffe von Diktatoren verteidigen müssen.

Peter zeigt uns im Marais-Viertel seine Lieblingsplätze. Das Viertel ist bekannt für seine charmanten, historischen Straßen und seine bunte Atmosphäre. Der älteste Platz in Paris ist umgeben von eleganten Ziegelhäusern mit Arkaden. Wir laufen vorbei an Boutiquen und Galerien und immer wieder netten Cafés. So langsam sind auch unsere Seelen vom Geist dieser Stadt erfüllt, lediglich die Wärme bremst ein wenig unseren Entdeckungsdrang.

Zum Marais gehört eine jüdische Gemeinde, dessen geistiges Zentrum von jenem Architekten erbaut wurde, der auch die Metroeingänge im Jugendstil gestaltet hat. In der Rue des Rosiers gibt es koschere Bäckereien und Restaurants. Ein Besuch in dieser Straße bietet einen kleinen Einblick in die zerstörte jüdische Kultur und Geschichte von Paris. Dazu gehört auch eine Gedenktafel für Kinder, die während der Shoa deportiert wurden. Insgesamt wurden 9000 jüdische Kinder im Alter von 11 Monaten und 12 Jahren aus Paris nach Auschwitz verschleppt und dort vergast. Wir laufen durch einen schönen Garten und bleiben schließlich traurig vor der Gedenktafel stehen.

Fotos

Nachmittag: Notre Dame und Saint Germain

Am Nachmittag reihen wir uns in die Schlange der Wartenden vor der Kathedrale Notre Dame de Paris ein. Die Wartezeit nutzt Peter, um uns die majestätische Fassade zu erläutern.

Am Eingang der Kathedrale befinden sich Skulpturen, die verschiedene Heilige und biblische Figuren darstellen. Eine besonders faszinierende und tragische Geschichte rankt sich um die geköpften Königsskulpturen.

Ursprünglich gab es 28 Skulpturen von Königen des alten Israel (Erstes Testament) an der Fassade. Diese Königsskulpturen sollten eine theologische Verbindung zwischen tatsächlicher Geschichte und Glaubenslehre herstellen. Sie repräsentieren die Vorfahren Jesu, was ich persönlich noch an keiner Kirche zuvor so gesehen habe.

Während der Französischen Revolution im späten 18. Jahrhundert wurden viele religiöse Symbole und Statuen angegriffen, da sie als Symbole der Monarchie angesehen wurden. Im Jahr 1793, während des revolutionären Terrors, wurden die meisten der Königsskulpturen zerstört oder stark beschädigt. Insbesondere die Köpfe der Figuren wurden abgetrennt – selbst Steinfiguren waren somit Ziel des Widerstands gegen die Monarchie und Auflehnung gegen die herrschende religiöse und politische Ordnung.

Einige der geköpften Skulpturen wurden fälschlicherweise für die Darstellungen von tatsächlichen französischen Königen gehalten, wie z. B. Ludwig XVI. und die Königin Marie Antoinette.

Im Zuge späterer Restaurierungsarbeiten wurden die geköpften Figuren und deren Köpfe gefunden und teilweise wieder an ihren Ort zurückgebracht oder durch Repliken ersetzt. Aber die geköpften Königsskulpturen stehen eindrücklich für die Radikalität der Veränderungen, die das Land in dieser turbulenten Zeit erlebte. Erst musste Altes zerstört werden, damit Neues entstehen konnte,

Unser Besuch stand insgesamt unter einem günstigen Stern. Als wir uns in die lange Schlange einreihen, läuten die Glocken zum Gottesdienst. Kurz darauf betreten wir die Kathedrale und erleben einen „wow-Moment“ . Gesang und Orgelspiel empfängt uns. Ich hatte einen düsteren Innenraum erwartet. Aber das Licht, das durch die bunten Kirchenfenster strömt, malt lebendige Farben auf den Steinboden. Zusätzlich tauchen die Kronleuchter das gotische Gewölbe in ein warmes, nahezu goldenes Licht.

Die Orgel von Notre Dame gilt als eine der monumentalsten und beeindruckendsten ihrer Art. Sie wurde ursprünglich im Jahr 1733 erbaut und im Laufe der Jahre erheblich erweitert. Sie verfügt über mehr als 7.000 Pfeifen.

Als die Orgel erklingt, erfüllt sich der Raum mit kraftvollen Klängen, die mich persönlich davon abgehalten haben, den Innenraum kunstgeschichtlich zu erfassen. Der Klang der Orgel hat die Kathedrale zu einem lebendigen, spirituellen Ort gemacht, der meine Aufmerksamkeit sofort in eine erlebende und weniger betrachtende Richtung bündelte.

Der Gesang hatte die Kraft, tief in die Seele einzudringen und die Gedanken zu beruhigen. Einige aus unserer Gruppe setzen sich auf die Bänke, um die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen.

Schliesslich verlasse ich die Kathedrale mit einem Gefühl der Dankbarkeit für diese Reise. Der Besuch in Notre-Dame de Paris war mehr als nur eine touristische Attraktion. In diesem Moment empfand ich einen tiefen Respekt vor den Bemühungen, diesen Ort nach dem großen Brand wieder glänzen zu lassen.

Peter führt uns zum Abschluss des Tages durch Saint Germain. Es ist ein bezauberndes Viertel. Bekannt ist das Café Flora, in dem Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir philosophierten, Juliette Greco die Garderobe der Gäste versorgte und die „ Exis“ sich über das Absurde im Leben einig wurden. Die Kirche Saint-Germain des Prés, in der unsere heutige Stadtführung endet, gehört zu den ältesten in Paris. Gegründet wurde sie im 6. Jahrhundert. Die Romanik-Gotik Architektur beeindruckt sofort. Die wunderschönen Fresken hätten es verdient, dass wir noch länger verweilen. Aber die Zeit drängt, denn Frankreich spielt Fußball und verliert gegen Spanien, was wir aber noch nicht wissen als wir aus der Kirche kommen.

Fazit des Tages: Wer das liest, beweist so viel Durchhaltevermögen wie wir auf diesen Rundgängen.

Ausblick: Ein weiterer heißer Tag, ein Opernbesuch und Abschied von Paris.

Nicole Knaack

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Tag 7

An unserem letzten Tag in Paris stehen ein Spaziergang zum Thema „Paris der Herrscher“ und Besuch der Opera Garnier auf dem Programm. Wir starten am 56 m hohen Arche de Triomphe, der mit der Champs Élysées und der Place de la Concorde bis zu den Tuilerien die so genannte Königsachse nach Osten hin bildet. Nach Westen richtet sich unser Blick bis hin zum Triumphbogen François Mitterand im modernen Stadtteil La Defense. sein offener Durchgang symbolisiert den freien Zutritt der normalen Bevölkerung (im Gegensatz zum damals ständig begrenzten Zugang in Versailles). Für die Architektur der Kaiser und Könige war das alte Rom Vorbild. Der Bau des großen Triumphbogens wurde nach dem erfolgreichen Feldzug gegen Österreich bei Austerlitz 1806 angefangen zu bauen, der Bau wurde jedoch unterbrochen durch die Niederlage von Napoleon bei Waterloo 1815. Napoleon wurde als Kriegsgefangener der Britten nach Sankt Helena gebracht. Der Triumphbogen wurde erst in den dreißiger Jahren fertig. Immerhin konnten dann die sterblichen Überreste von Napoleon durch den Triumphbogen hindurch nach Paris zur Krypta unter dem Invalidendom gebracht werden.

Wir schlendern weiter, die Champs Élysées hinunter. Diese war bis ins 19. Jahrhundert ein Waldweg. Es wurde davor gewarnt, dort hineinzugehen, da durchaus mit Räubern zu rechnen gewesen sei. Man schlug dann eine Schneise hindurch, so dass dann später die Prachtstraße entstehen konnte. Die Architektur stammt im Wesentlichen erst aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Die „Architekture parlante“, wohl wesentlich mitbegründet durch den Architekten Ledoux kam zur Anwendung. Dies bedeutet, dass die Architektur ihre eigene Funktion oder Identität erklärt. Der riesige Koffer, der vor dem Bau des Louis Vuitton Haus 2024 installiert wurde, sorgte für Diskussionen.

Wir wagen dann einen Blick in die Avenue Montaigne, wo die Galerie Dior zu finden wäre, sowie das Theater des Champs-Élysées. Dort fand 1913 die Uraufführung von Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ mit Nijinskys Ballettgruppe statt. Dieses verursachte einen Skandal beim dem damals dafür unverständigen Publikum. Etwas weiter können wir das Grand Palais sehen, welches für die Weltausstellung 1990 errichtet wurde und jetzt Kunstausstellungen beherbergt.

Über die Alexander Brücke können wir in der Ferne das Invaliden Hotel sehen. Dieses liess Ludwig IV. errichten. Hier wurden die zahlreichen verwundeten Soldaten mehr oder weniger notdürftig versorgt. Dahinter können wir den Invalidendom erkennen, der an den Petersdom in Rom erinnert. Ludwig XIV. wollte sich durch diesen pompösen Bau möglichst vom Papst loslösen, um eine gleichwertige Institution darstellen zu können. Die Idee, dort beigesetzt werden, musste 1715 aufgegeben werden. Er wurde wie die anderen französischen Könige in der Basilika Saint-Denis beigesetzt.

Es geht weiter zur Place de la Concorde, dem größten Pariser Platz. Ludwig XV. ließ den Platz bauen und er erhielt bis zur französischen Revolution seinen Namen. Der Name Concorde wurde dann ausgewählt, um die Versöhnung der Franzosen nach dem Terror der Revolution zu dokumentieren. In der Mitte steht ein großer Obelisk, der als Geschenk des osmanischen Reiches auf dem See- und Flussweg nach Paris transportiert worden war.

Auf diesem Platz stand die Guillotine, wo die Massenhinrichtugen spektakulär stattfanden, auch die Köpfung von Ludwig XVI. und Marie Antoinette.

Wir gehen weiter zur Kirche La Madeleine.. Der Bau wurde unter Ludwig XV. begonnen. Die Arbeiten wurden während der französischen Revolution unterbrochen. 1806 wollte Napoleon I. zunächst einen Ruhmes-Tempel für seine Soldaten bauen. Er kehrte jedoch zum Projekt einer Kirche zurück. Nach dem Fall Napoleons beschloss Ludwig XVIII., das Gebäude als Kirche fertig zu stellen. Bemerkenswert fanden wir, dass Theodor Dubois , dessen Agnus Dei wir gerade gesungen hatten, dort 1877-1926 Kantor war. Sein Vorgänger war Saint-Saens und sein Nachfolger Fauré.

Peter unterrichtet uns an dieser Stelle über eine sprachliche Kuriosität: die Franzosen hatten Kriege gegen die Niederlande gewonnen. Dabei spielten geschleifte Stadtmauern eine Rolle, auf deren Fläche Bollwerke (niederländisch „bulwerk“ ) errichtet wurden. So verwendete man den Begriff, leicht abgewandelt, für die großen Boulevards in Paris, auch als sprachlichen Ausdruck der Unterjochung.

Es geht weiter zur Place Vendome, welche einer der 5 königlichen Plätze von Paris ist. Die königliche Bauweise drückt sich aus in Halbsäulen (keine freistehenden Säulen), die die königliche Etage über der Etage des Volkes (Rustica) verzieren. Charakteristisch ist die achteckige Form des Platzes und die einheitliche Bebauung, wobei nur die Fassade der Häuser diese Einheitlichkeit erfüllen musste.

Die in der Mitte stehende Säule wurde nach römischen Vorbild nach Napoleons Sieg in der Schlacht bei Austerlitz aus österreichischen Kanonen gegossen.

Auf der einen Seite des Platzes befinden sich im Erdgeschoss weltbekannte berühmte Juweliergeschäfte, wobei wohl kaum jemand aus unserer Reisegruppe dort entsprechende Geschäfte getätigt hat. Wir erreichen dann die Place d’Opera, wo das Grand Hotel liegt, welches als erstes Luxushotel in Europa Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet wurde. In der Nähe finden wir das Theatre des Bouffes-Parisiens, welches vom Komponisten Jaques Offenbach in der Zeit unter Napoleon III. gegründet wurde. Mit der Eröffnung seines eigenen Theaters wurde er während der Weltausstellung in Paris zum Star. Dort fand die Uraufführung von Orpheus in der Unterwelt, komponiert von Jacques Offenbach, statt. Die Oper stellte eine Kritik der damaligen gesellschaftlichen Situation dar.

Nach einem schnellen Mittags-Imbiss treffen wir uns vor der Opera Garnier, in die wir nach ausführlicher Sicherheitskontrolle einen Blick werfen. Wir lernen, dass der eklektizistische Bau wesentlich auch für „Sehen und gesehen werden“ beim Opernbesuch funktionierte. Eindrucksvoll ist immerhin das Deckengemälde, welches von Marc Chagall entworfen wurde.

Fotos

Anschließend Zeit zur freien Verfügung, welche einige auch zum Besuch der Matisse Ausstellung im Grand Palais nutzten. Am frühen Abend treffen wir uns zum feierlichen Abschiedsessen mit Dank an Klaus Singer für unser schönes gelungenes Konzert in der Kirche auf der kleinen Seine Insel und an Peter Eckerlin für seine grandiose Paris Führung.

Henning Seevers

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