Reformation in St. Petri und Pauli

Das Luther-Jahr ist der Anlass, auf Ausstattungsteile unserer Kirche aufmerksam zu machen, deren Gestaltung wohl auf die Reformation zurückzuführen ist. In Bergedorf wurde die Reformation 1542 eingeführt. Zehn Jahre später als in Hamburg.

Lesen Sie an dieser Stelle Beiträge von Frau Dr. Charlotte Klack-Eitzen zu Spuren der Reformation in unserer Kirche.

1. Teil

Zur Zeit der Reformation wurde die Stadt abwechselnd von Hamburg und Lübeck regiert. Die Amtsverwalter, später auch Landherren genannt, nutzten das Bergedorfer Schloss als ihren Amtssitz. Sie bestimmten, wer Pastor in St. Petri und Pauli wurde. Als erster evangelischer Prediger wurde Andreas Falckenberg bestimmt, dessen Portrait unter der Brauthausempore hängt.

Das Kirchengebäude war zu dieser Zeit deutlich kleiner als heute: Das Schiff reichte im Westen etwa bis zu dem dicken Pfeiler unter der Orgelempore. Der Turm muss ungefähr da gestanden haben, wo sich heute das Hasse-Haus befindet. Es gab kein Brauthaus und keine Logen auf der Nordseite.

Im Osten stand der alte Altar, den man aus der Vorgängerkirche übernommen hatte, und drei Nebenaltäre. Der Raumeindruck war bestimmt von zahlreichen farbigen Glasfenstern, die der Kirche beim Neubau 1502 gestiftet worden waren. Leider hat sich kein einziges erhalten.

Erst ab 1580 wissen wir von größeren Veränderungen. Die Kirche wurde nach Westen erweitert und der Turm mit dem Schiff verbunden. Eine Inschrift am Balken ganz im Westen weist darauf hin. Eine Orgel konnte gebraucht gekauft werden und die Kanzel wurde gestiftet.

Bergedorf 1593
Ausschnitt aus der Darstellung Bergedorfs
von Hans Frese (um 1593).


Himmelfahrtsrelief an unserer Kanzel, die 1586 von Magdalena von Stiten gestiftet wurde.

2. Teil

„Sola Scriptura“, nur die Heilige Schrift sollte die Grundlage für den neuen Glauben sein. Und die Schrift wurde in der Predigt auf der Kanzel ausgelegt. Martin Luther hielt es durchaus für sinnvoll die Kirchenräume mit Bildern zu schmücken oder die alten Altarretabel beizubehalten, aber die Darstellungen sollten nicht zur Anbetung von Heiligen anregen, sie sollten die biblischen Geschichten in Erinnerung rufen und möglichst von Bibelversen begleitet sein. So steht unter dem Kreuzigungsrelief an unserer Kanzel:

„Christus am Crutz vorgut syn blodt und stervet uns minschen to godt vordelgt den todt wascht aff de sünd vorstort der hellen portn to grund. MAT.XXVIII.“

In dem hier genannten Kapitel 28 des Matthäusevangeliums wird von der Auferstehung erzählt, die Thema des nächsten Bildes ist. Das dritte Relief stellt Christi Himmelfahrt dar. Als Quelle für den darunter stehenden Spruch wird ACTOR genannt. Damit ist die Apostelgeschichte gemeint, in deren erstem Kapitel von der Himmelfahrt berichtet wird.

Bibelverse in niederdeutscher Sprache am Schalldeckel, der 1602 von Gerhard Gransin, einem Amtmann aus Lübeck, gestiftet wurde, beziehen sich auf die Aufgabe der Predigt: „Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jacob seine Sünden.“ (Jesaja 58, 1) Und: „Predige das Wort, stehe dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre.“ (2. Timotheus 4, 2).

Zu unserer Kanzel gehörte eine Kanzeluhr mit vier „Gläschen“. Auf alten Aufnahmen ist sie noch zu erkennen. Solche Sanduhren wurden seitlich der Kanzeln angebracht, damit sowohl der Prediger als auch die Gemeinde die Länge der Predigt kontrollieren konnten. Legendär ist der Ausspruch eines Pastors, der mit folgenden Worten eine der vier Sanduhren noch einmal umdrehte: „Wir nehmen noch ein Gläschen“.

Wer eine lange Predigt mit Gewinn anhören will, sollte einen Sitzplatz haben. Das war vor der Reformation durchaus nicht selbstverständlich. Gemälde aus der Zeit zeigen meist leere Kirchenräume, manchmal Zuhörer auf Klappstühlen. In Bergedorf sind vermutlich im Jahr 1591 siebzig „Gestühle“, wohl Bänke angeschafft worden.


3. Teil

Ein zentrales Thema in der Auseinandersetzung zwischen Katholiken und Protestanten war das Abendmahl. Martin Luther kam zu der Erkenntnis, dass es zwischen Gott und den Menschen nur einen Vermittler gebe, Jesus Christus. Es könne also nicht richtig sein, wenn der Priester während des Abendmahls den Wein genieße, die Gemeinde aber nur das Brot erhalte. In allen Kirchen, in denen die Reformation eingeführt worden war, wurde von da an das Abendmahl in beiderlei Gestalt gefeiert. Alle empfangen seitdem im evangelischen Gottesdienst sowohl die Oblate als auch den Wein.

Diese veränderte Praxis spiegelt sich auch in den Geräten, die beim Abendmahl benutzt wurden. Bis zur Reformation waren Kelche in der Größe eines normalen Weinglases gebräuchlich. Die vorhandenen Vasa Sacra, der Fachbegriff für Abendmahlsgerät, konnten natürlich weiter verwendet werden. Aber für eine ganze Gemeinde sollte der Kelch deutlich größer sein. Um 1640 stifteten "SCHWEDER VRBROCK/ILSEBE VRBROCKS", so die eingravierte Inschrift, einen großen silbernen Kelch. Das Meisterzeichen WK weist auf Wichmann Kordes hin, der 1636 bis 1680 Meister in Hamburg war. Das Beschauzeichen des Goldschmiedeamtes zeigt das Hamburger Wappen der Zeit von 1628-1643/44. In dieser Zeit muss der Kelch angefertigt worden sein.

oblatendose Konfi
Oblatendose, der Urbrock-Kelch, unser jetziger Abendmahlskelch und die Weinkanne der Familie Schuldorff

Zum Nachfüllen des Weines dient eine Abendmahlskanne, die mit dem Wappen der Familie Schuldorff geschmückt ist. Es ist auch auf der Grabplatte Hermann Schuldorffs an der Chornordseite zu sehen. Er war der erste Bergedorfer Amtsverwalter auf Lebenszeit. Auf dem Deckel der silbernen Oblatendose ist nicht nur der Name der Stifter, Margareta Dithmers und M. Daniel Arnoldi, eingraviert, sondern auch eine lateinische Inschrift, die nicht mehr vollständig lesbar ist. Sie kann etwa so verstanden werden: „Dem heiligen Bergedorfer Altar diene ich in Christus, möge das ... sichere Heil kommen (zu denen), denen ich hier diene.“

In katholischer Zeit wurden Stiftungen vor allem getätigt, um damit das eigene Seelenheil zu befördern und um die Zeit im Fegefeuer zu verkürzen. Die Inschrift auf der Oblatendose lässt die neue Haltung der Protestanten zu Stiftungen erkennen: Der Gemeinde sollte ein Dienst erwiesen werden, gleichzeitig kann die Erinnerung an die Stifter wach gehalten werden.