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St. Petri und Pauli Bergedorf
St. Petri und Pauli Bergedorf
Unser Trio im Glockenturm

... dass zwei der drei Glocken in unserem Turm uns gar nicht gehören? Unser Geläut setzt sich aus drei Glocken zusammen. Sie sind auf H, E und G gestimmt, klingen allerdings nicht ganz harmonisch zusammen, weil sie nicht als zusammengehörige Gruppe hergestellt wurden.

Die H- und die G-Glocke wurden im Jahre 1598 angeschafft. Beide wurden 1876 umgegossen, weil sie gesprungen waren. Die E-Glocke, die das Trio vervollständigte, wurde 1803 gegossen und musste 1861 und erneut 1899 umgegossen werden. Auch die beiden anderen Glocken waren gesprungen und wurden 1876 umgegossen.

Die G-Glocke und die E-Glocke wurden im Ersten Weltkrieg eingezogen. 1925 konnte die E-Glocke durch eine Glocke ersetzt werden, die ursprünglich 1839 für eine Kirche in Sonneberg gegossen worden war. 1926 konnte durch Spenden der Gemeinde und H. Richard Meyer, New York, eine neue G-Glocke angeschafft werden. Sie trägt folgende Inschrift:
"In schwerer Zeit soll mein Geläut Dich, Christenherz zum Himmel weisen.
In Leid und Not vertrau auf Gott: den sollst Du mit mir gläubig preisen."
Damit war das Geläut wieder vollständig.

Auch im Zweiten Weltkrieg mussten Glocken abgegeben werden. Nur die G-Glocke blieb in unserer Kirche, die beiden anderen wurden abtransportiert und wohl in Munitionsfabriken eingeschmolzen. Etwa 16.000 von 96.000 gesammelten Glocken überstanden den Krieg und wurden wenn möglich an ihre Besitzer zurückgegeben. 1.300 Glocken stammten aus den Gebieten jenseits der Oder-Neiße- Grenze. Die britische Militärregierung verbot jedoch ihre Auslieferung an die polnische Verwaltung und so wurden sie als Leihgaben an nicht zerstörte Kirchen gegeben. St. Petri und Pauli erhielt 1951 eine H-Glocke aus Rengersdorf, die 1785 oder 1789 von Friedrich Gotthold Körner in Lauban gegossen worden war, und eine E-Glocke aus Goldberg. Ihre Inschrift lautet:
"In Gloriam et Ecclesiae Ornamentum Consilium Jehovae stabit 1616.
Durchs Feuer floss ich mit Gottes Hilf
Sergius Hofmann zur Lignitz gos mich."

1998 stellte sich die Frage nach den Besitzverhältnissen als der Rat der Stadt Zlotoryja (Goldberg) die Rückgabe der Glocke aus der inzwischen katholisch gewordenen Marienkirche forderte. Da die Frage jedoch nicht abschließend geklärt werden konnte und die Beteiligten kein Interesse haben, mögliche Ansprüche durchzusetzen, werden die beiden Leihglocken noch lange im Turm von St. Petri und Pauli ertönen.

Dr. Charlotte Klack-Eitzen