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St. Petri und Pauli Bergedorf
St. Petri und Pauli Bergedorf
Darstellung in unserer Kirche: Der Kämmerer aus Afrika

...dass die afrikanische Skulptur auf der Brauthausempore einen Schlips trägt? Auf der Ecke der Brauthausempore ist auf der Brüstung eine moderne Skulptur angebracht. Sie wurde uns vor einigen Jahren von den Mitgliedern unserer Partnergemeinde in Mbigili, Tansania, geschenkt. Sie ist aus Holz geschnitzt und zeigt vier Männerköpfe, die aus einem Oberkörper herauswachsen, der tatsächlich mit einem Hemd mit Schlips und Kragen bekleidet ist.

Skulptur

Was hat das zu bedeuten? In unserer Gemeinde wird die Figur vor dem Hintergrund von Lukas 13,29 gedeutet: „Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“ Das Wort aus dem Lukas-Evangelium knüpft an an die große prophetische Tradition des Ersten Testaments, wo mit dem Bild der „Völkerwallfahrt zum Zion“ der Ausbruch des göttlichen Friedens erhofft wird (z.B. Micha 4; Jesaja 2: „Schwerter zu Pflugscharen“!) Deswegen waren im Tempel in Jerusalem immer schon Menschen aus anderen Völkern und Religionen willkommen.


Eines der Bilder an der Nordempore gleich am Hinterausgang der Kirche, an dem man fast immer achtlos vorübergeht, erzählt von so einem „Proselyten“. Es zeigt die Taufe des Kämmerers aus Äthiopien.

Die Bibel erzählt seine Geschichte so (vgl. Apostelgeschichte 8, 26-40): Ein mächtiger Schatzmeister vom Hof der Königin von Äthiopien war nach Jerusalem gekommen, um anzubeten. Nun war er wieder auf dem Rückweg und las in seinem Wagen den Propheten Jesaja. Er kannte also die biblischen Schriften. Man nimmt an, dass dieser Hofbeamte ein Eunuch war, der als solcher nicht Jude sein konnte, sich aber dem Judentum verbunden fühlte.

Ein Engel hatte den Apostel Philippus aufgefordert auf diese Straße zu gehen und auf den Wagen zu achten. Er hörte, wie der Äthiopier Jesaja las und fragte ihn: “Verstehst du auch, was du liest?“ Er antwortet: „Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet?“ Er las diese Stelle: »Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt, so tut er seinen Mund nicht auf. In seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben. Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen. « Diese Vorhersage Jesajas bietet einen wunderbarer Einstieg für Philippus, um von Jesus zu erzählen und damit die Mission auch auf die Nichtjuden auszudehnen. Als sie an einem Wasser vorbeikommen, fordert der Kämmerer Philippus auf ihn zu taufen. Dieser Moment ist auf unserem Bild geschildert. Die gemalte Szene fasst die Geschichte sozusagen zusammen: Vor zwei großen Eichen, die ihre belaubten Äste in den blauen Himmel recken, verläuft ein glatter Weg, auf dem eine Kutsche mit einer Person, vielleicht dem Kutscher, wartet. Neben ihm liegt wohl die abgelegte Kleidung des Mannes, der sich gerade taufen lässt. Die beiden weißen Pferde davor scharren ungeduldig mit den Hufen. Der dunkelhäutige Mann steht mit einem weißen Tuch um die Hüften im Wasser. Philippus ist durch sein rotes Gewand als Hauptperson zu erkennen, die gerade Wasser auf den Kämmerer tropfen lässt.

Dieses Bild erzählt also auf andere Weise von der Hoffnung, dass durch den Glauben die Menschheit eins wird. Während die Skulptur aus Mbigili „den großen Bogen schlägt“, beleuchtet das Bild von der Taufe des Kämmerers ein Einzelbeispiel. Unterschiedliche Kunst aus unterschiedlichen Zeiten und unterschiedlichen Weltgegenden mit unterschiedlichen Ansätzen – und doch die gleiche Hoffnung.

Dr. Charlotte Klack-Eitzen
Pastor Andreas Baldenius