..dass Petrus und Paulus, die Patrone unserer Kirche, nur auf einer der Bibeln im Brauthaus zu sehen sind?
Im Brauthaus unserer Kirche steht eine Vitrine mit drei Bibeln. Der Band rechts zeigt die Apostel Petrus und Paulus auf seinem Buchdeckel. Die Bibel ist aufwendig in Leder gebunden. Das Rechteck, von dem sich die beiden Apostel im flachen Relief abheben, ist von einem Ornamentband umgeben. Zu ihren Füßen sieht man links das Hamburger und rechts das Bergedorfer Wappen. Die Ecken werden von gemusterten Quadraten hervorgehoben, in deren Mitte Ziernägel eine Beschädigung beim Aufschlagen der Bibel verhindern sollen.
Wenn man das Buch aufschlägt, steht auf dem Titelblatt:
Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments nach der deutschen Übersetzung Dr. Martin Luthers. 16. Auflage. Halle a. S., Druck und Verlag der v. Canstein’schen Bibel- Anstalt. 1887.
Nachträglich ist ein Schmuckblatt eingefügt worden, das besagt, dass die Bibel wohl kurz nach dem Tod von Pastor Holm 1890 von seinem Schwiegersohn Dr. Carl Kellinghusen gestiftet wurde. Der Name Carl Kellinghusen hat in Bergedorf noch heute einen guten Klang, u.a. weil er als verwaltender Kirchenvorsteher wesentlich dazu beigetragen hat, dass sich die Kirchengemeinde dazu entschloss, ein evangelisch-lutherisches Seniorenheim zu gründen.1938 kaufte die Gemeinde das Grundstück an der Wentorfer Straße mit der Villa von Familie Wenck, in der das Seniorenheim bis in die 90er Jahre betrieben wurde. 1995 musste das Gebäude für einen Neubau Platz machen, in dem das Seniorenzentrum Dr. Carl Kellinghusen 1998/99 eröffnet wurde.
Wahrscheinlich hat Dr. Carl Kellinghusen den Auftrag für den Ledereinband der Bibel erteilt, der wohl in der Werkstatt von Georg Hulbe ausgeführt wurde. Georg Ernst Friedrich Hulbe (1851-1917) war Buchbinder und Leder-Kunsthandwerker. Er führte große Aufträge für das Hamburger Rathaus und den Berliner Reichstag aus und betrieb mehrere Werkstätten und Ladengeschäfte in Hamburg. Das Hulbe- Haus, sein Kunstgewerbehaus neben der Petri-Kirche an der Mönckebergstraße 21, wurde bekrönt von einer vergoldeten Kogge, dem Signet Hulbes, das man auch als Meisterstempel auf vielen seiner Werke findet, allerdings nicht auf unserer Bibel. An der Fassade ist sein Portrait zu sehen. Noch heute erinnert der Hulbepark, eine Straße im Bergedorfer Villengebiet daran, dass Hulbe hier die „Villa Waldheim“ bewohnte, die 1959 abgerissen wurde.
Dr. Charlotte Klack-Eitzen