Wir trauern mit unseren PartnerInnen! Tansania galt einst als ein „Vorzeige- Land“ Ostafrikas und bis heute flieht „niemand“ aus Tansania. Wenn unsere FreundInnen hier zu Besuch sind, wollen sie regelmäßig TansanierInnen treffen, die hier leben. Das, so erfahren wir immer wieder, ist gar nicht einfach. Weil TansanierInnen in der Regel gern in ihrem Land bleiben.
Das könnte sich ändern. Gegenwärtig steigern sich Spannungen. Insbesondere im Zusammenhang der Wahl vor wenigen Wochen kam es regelrecht zu Unruhen. Viele Tote gab es und Verletzte und die Angst geht um.
Aus Sicht eines Menschen wie mir, der im Kontext „funktionierender“ Demokratie aufgewachsen ist – aber wie sehr wird das auch hier und in der europäischen Nachbarschaft, ja: der westlichen „Wertegemeinschaft“ fraglich – ist das Besorgnis erregend. Es hört sich so sehr „immer gleich“ an – auch wenn es das sicher nicht ist: Vermehrt sind AnführerInnen oppositioneller Parteien verschwunden, aber auch „ganz normale BürgerInnen“, die sich kritisch äußerten. Die beiden größten Oppositionsparteien wurden gleich ganz verboten und ihre Führungspersonen vor Gericht gestellt oder einfach eingesperrt. Die Berichterstattung wird massiv beeinflusst, schließlich das Internet ganz gekappt. Unmittelbar vor und während der Wahl kam es zu Ausgangssperren und der Schließung insbesondere von Tankstellen und Supermärkten. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen äußert sich sehr besorgt …
In Mbigili, dem Dorf, in dem unsere Partnergemeinde liegt, wird das alles offenbar nicht so heiß gegessen. „We do well“, schreibt Ezechiel Nyondo beruhigend, der neue Vorsitzende des dortigen Partnerschafts- Ausschusses. Und doch: jetzt ist Pastor Gwamaka Mwakisunga direkt betroffen. Viele haben ihn beim Besuch 2023 kennengelernt. Einer seiner Söhne ist erschossen worden, weil er in Kyala, wo er mit seiner Familie lebt, zu spät von der Arbeit nach Hause kam und damit die Ausgangssperre verletzt hatte.
So trauern wir mit der Familie und der ganzen Gemeinde und machen uns große Sorgen. Wir bitten Euch alle darum, euch zu informieren – wie immer kommt Afrika in unseren Nachrichten kaum vor – und mit uns zu beten um Frieden in Tansania und der ganzen Welt und darum, dass Menschen in Freiheit und selbstbestimmt leben können.
Pastor Andreas Baldenius
für den Partnerschaftsausschuss