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St. Petri und Pauli Bergedorf
St. Petri und Pauli Bergedorf
Pastorin und Seelsorgerin Angelika Schmidt

Ende September dieses Jahres verabschiede ich mich aus meiner Arbeit als aktive Pastorin im Kirchspiel Bergedorf und gehe in den Ruhestand, der am 1.11.beginnt.

2011 bin ich nach Bergedorf gekommen und habe zunächst auf der Projektpfarrstelle „Förderung der Ehrenamtlichenarbeit“ angefangen. Mit neu gewonnenen Ehrenamtlichen konnte z. B. die „Offene Erlöserkirche“, das Biografieprojekt „Was ist für mich Heimat?“ und „Besuch mit Buch“ gestaltet werden. Im Mittelpunkt standen für mich die Werbung und Vorbereitung der Ehrenamtlichen sowie deren Begleitung bei ihren Aufgaben. Als Vertreterin des Kirchspiels war ich seit 2012 in der AG Gedenken des Rathausbündnisses gegen Rechtsextremismus, in der wir die Gedenkwochen an die Zeit von 1933-45 im November organisieren, eine interessante Aufgabe.

2014 begann der Kirchenkreis sein Konzept für die Heimseelsorge zu reformieren. Eine Pfarrstelle pro Bezirk sollte in Zukunft anders als bisher auch die Menschen mehr in den Blick nehmen, die zuhause alt werden. Mir hat dieses Konzept gefallen und ich war bereit, nach den Jahren der Projektarbeit zurückzukehren zu einer Kernaufgabe der pastoralen Arbeit, der Seelsorge. Ich hatte gute Erfahrungen im Kirchspiel gemacht mit KollegInnen, die offen waren für einen neuen Ansatz, und mit neuen Ehrenamtlichen, die sich gewinnen ließen. So konnte ich meine Akzente setzen und zusammen mit meinem Beirat, der Kirchspielkonferenz, den KGRen, meinem Pfarrteam und der Fachkonferenz im Kirchenkreis die Arbeitsstrukturen entwickeln.

Nach und nach bin ich in die Seelsorgearbeit hineingewachsen und habe viele Fäden neu geknüpft. Wunderbar war es, als eine Mitarbeiterin der Seniorenberatung den Kontakt zu mir gesucht hat, um meine Flyer „Besuch mit Buch“ an Menschen, die zuhause alt werden, weiterzugeben.

Gefreut habe ich mich, als die damalige Leiterin des Besuchsdienstes vom Haus im Park mir vorschlug, ein Besuchsdienstnetzwerk zu gründen. Zeit hat es gebraucht, bis ich mit den MitarbeiterInnen der sozialen Betreuung in der Cura so weit vertraut war, dass sie bereit waren, mit mir und den Ehrenamtlichen zusammenzuarbeiten und Projekte wie den Vergissmeinnicht-Gottesdienst zu begleiten. „Zeit zu zweit“ und „Besuch mit Buch“ sind meine Besuchsdienstformate. Unter diesen Überschriften habe ich mehr als 80 Ehrenamtliche geworben, vorbereitet und an Menschen vermittelt, die sich mehr Kontakt und Gespräch wünschten. Im Team mit Astrid Hildebrandt, Gabriela Glombik oder Brigitte Büttner habe ich die Kurse über Gesprächsführung, Trauerbegleitung oder Kommunikation mit Menschen mit Demenz überlegt, durchgeführt und neue Menschen für diese Aufgabe interessiert und vorbereitet.

Sehr persönliche und intensive Gespräche haben uns zusammengebracht, Vertrautheit entstehen lassen und das Zutrauen zu der Aufgabe, einen Menschen regelmäßig zu besuchen, gestärkt. Allen meinen Ehrenamtlichen möchte ich herzlich danken für die vertrauensvolle und intensive Mitarbeit und die hohe Verbindlichkeit.

Von außen gesehen scheint es, als seien ab der Rente die großen Lebensaufgaben geschafft. Aus dem Kontakt zu vielen älteren Menschen heraus sehe ich das anders. Zuerst ist die Lebensphase des Älterwerdens heute viel länger als noch vor 80 Jahren. Viele Menschen erleben nach der Rente eine aktive Lebensphase, in der sie ehrenamtlich Kirche und Gesellschaft mitgestalten. Zum anderen werden mehr Menschen als früher hochaltrig und müssen sich den Herausforderungen durch Veränderungen im eigenen Körper, in dem Beziehungsnetz, das sie sich geknüpft haben, in dem Grad der Hilfsbedürftigkeit, der Frage nach Teilhabe und der Vorbereitung auf das Sterben stellen.

Diese Menschen zu begleiten, mit ihnen einen Lebensrückblick zu halten, zuzuhören, sie zu ermutigen und zu trösten, ist eine Aufgabe, die ich gern getan habe und die mir auch viel gegeben hat. Manchmal habe ich gestaunt über den Lebensmut und die Beherztheit, mit der ältere Menschen ihr Leben in die Hand genommen und Verluste hingenommen und bewältigt haben. All denjenigen, die ich begleitet habe, bin ich dankbar für ihr Vertrauen. Ich danke auch allen, die meine Arbeit unterstützt haben und bereit waren zur Zusammenarbeit in den verschiedenen Senioreneinrichtungen und Kirchengemeinden und nicht zuletzt meinem Beirat und der Kirchspielkonferenz. Mit meinem Biografieprojekt „ Mein Beruf-Meine Berufung“ habe ich mein Abschlussjahr eingeleitet. Daraus ist ein Buch entstanden, „45 Berufe geträumt, gelebt, verwirklicht“, von dem es noch einige Exemplare zu kaufen gibt.

Meine Zeit in Bergedorf geht zu Ende. Am Freitag, dem 27. September um 18 Uhr werde ich in der Gnadenkirche, Schulenburgring 168, verabschiedet. Ich lade Sie herzlich zum Gottesdienst und dem anschließenden Empfang ein.

Was kommt dann? Ich werde Bergedorf verbunden bleiben und auch ab und zu weiterhin aktiv sein, aber vor allem Zeit haben für meine Familie, FreundInnen, Kultur und Musik, Walken und Wandern und für etwas Neues, das ich beginnen werde.

Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Diese Zusage Gottes hört nicht mit dem Berufsende auf. Darauf verlasse ich mich auch im Übergang in einen neuen Lebensabschnitt.

Ihre Pastorin Angelika Schmidt