Johann Rist

Seine Kirchenlieder werden bis heute gesungen.

„Brich an, du schönes Morgenlicht, und lass den Himmel tagen.“ Dass Johann Sebastian Bach Text und Melodie in sein Weihnachtsoratorium übernommen hat, wissen viele Menschen. Aber wer weiß, dass Johann Rist den Text verfasst und insgesamt etwa 600 Kirchenlieder geschrieben hat?

Doch selbst in Hamburg ist Rist kaum mehr bekannt, obwohl er 1607 in Ottensen geboren wurde und bis zu seinem Tod in Wedel als Pastor und angesehener Dichter arbeitete.

In unser Gesangbuch haben jedenfalls viele seiner Lieder Eingang gefunden und werden bis heute gesungen: „Auf, auf, ihr Christen alle“, „Hilf, Herr Jesu, lass gelingen“, „Man lobt dich in der Stille“, „Werde munter, mein Gemüte“, „Ermuntre dich, mein schwacher Geist“. Neben Paul Gerhardt und Angelus Silesius gilt Johann Rist als der bedeutendste protestantische Dichter des 17. Jahrhunderts.

Die Reformation war nicht zuletzt eine Singbewegung. Luther erklärte einmal, wäre er nicht Theologe geworden, hätte er sich ganz der Musik gewidmet. So ist es nicht verwunderlich, dass er das deutschsprachige Lied in den Mittelpunkt des protestantischen Gottesdienstes stellte. Nicht nur eine begrenzte Schar von Mönchen sollte vor dem Altar psalmodieren, alle Gemeindeglieder sollten einstimmen können in das Lob Gottes.

Noch viele Jahre nach dem Beginn der Reformation war der Bedarf an Kirchenliedern daher groß. In den Verwüstungen und Verwirrungen des Dreißigjährigen Krieges war es besonders wichtig, dass hier die Hoffnungen und Ängste der Menschen ausgedrückt und, oft auf Psalmen gestützt, Trostworte gefunden wurden. Johann Rist, seit 1635 Pastor in Wedel, war dabei nicht nur so fleißig, dass er „der rüstige Rist“ genannt wurde.

Er war zugleich so erfolgreich, dass er schnell zu Adelskreisen Kontakt bekam. Das hätte ihm eine glänzende Karriere ermöglicht, aber seine Aufgaben als Pastor waren ihm wichtiger als ein Leben bei Hofe. Auf dem Kirchengrundstück, das sich bis zur Pinneberger Straße erstreckte, befindet sich heute der Schulhof des Johann- Rist-Gymnasiums, und vor seiner ehemaligen Kirche steht seit 1905 ein Denkmal, das an das umfangreiche Wirken des Pastors erinnert.

Am 31. August 1667 starb Johann Rist in Wedel. Seine eigenen Kirchenlieder hat er übrigens nie in seiner Gemeinde singen lassen.

Boike Jacobs