In der Zeit vom 16. August bis 6. September 2017 waren 10 Frauen und Männer aus unserer Partnergemeinde in Mbigili / Tanzania bei uns zu Gast.

Die Zeit mit den Gästen war eine Folge von Sternstunden! Wir haben wunderbare, vertrauensvolle und inspirierende Begegnungen erlebt. Wir haben viel gelernt über deren Lebenswirklichkeit und ihnen zeigen können, „wie unser Leben tickt“. Wir haben in vielen Gesprächen gespürt, wie der Heilige Geist uns zusammenführt und uns gegenseitig befruchten lässt: theologisch, menschlich, spirituell. Wir haben uns hinlänglich verständigen können – trotz der großen Abstände zwischen unseren Sprachen und Kulturen.

Wir haben eine Menge Freude und Spaß miteinander gehabt; das Lachen verbindet uns tief. Wir haben einander sogar ein Stück weit lieben gelernt. Wir haben gesehen, wie wichtig es ist, voneinander zu wissen, damit wir gemeinsam an einer gerechteren, friedlicheren und gesünderen Welt arbeiten können. Wir haben es ausgehalten, dass viele Fragen und Zweifel nicht beantwortet werden konnten und sind fest entschlossen, weiter dran zu bleiben. Wir haben sinnvolle Absprachen gefunden für die Kommunikation und Vernetzung im Alltag, jenseits unserer 2-jährlichen Begegnungen. Wir haben, im Spiegel der Wahrnehmungen der Gäste, vieles über uns selbst gelernt, das uns sonst verborgen geblieben wäre.

Es ist gelungen, über die „üblichen Verdächtigen“ hinaus Begegnungen mit Menschen dieser Gemeinde zu ermöglichen. Wir bleiben voll Hoffnung und Tatendrang zurück, da sie zurückgekehrt sind in ihre Heimat.


Blog zum Besuch aus Mbigili

Donnerstag, 24. August 2017 (Andreas Baldenius)

Garten Garten
Fragerunden im Garten

Das Kostbarste sind die „Frage-Runden“: „was wolltest Du uns schon immer mal fragen – dürfen wir dich fragen, warum …?“ Und dann trauen wir uns, gegenseitig „den Puls zu fühlen“, hin und her:

„Warum betet ihr so schnell? Ist das Extase? Ist das auswendig gelernt? Ist das eine fromme Olympiade?“
„Wie kann eine Pastorentochter ihren Vater mit Vornamen anreden? Wo bleibt der Respekt?“
„Warum sagt ihr immer Ja, auch wenn ihr offensichtlich nicht verstanden habt, was ich gesagt habe?“
„Wie kann es im Land der Sozial- und Krankenversicherungen arme Menschen geben?“
„Warum seid ihr nie pünktlich, auch wenn wir die Zeiten noch so sorgfältig abgesprochen haben?“
„Ihr seid so unbeschreiblich reich – warum ist das so?“

Das ist interkultureller Austausch vom Allerfeinsten. Und dafür mache ich diese Arbeit. Im Spiegel der Fragen der Anderen stellen sich Selbstverständlichkeiten plötzlich als Skandal heraus. Oder Probleme werden als Chancen sichtbar. Die Auswirkungen des lokalen Handelns auf den Partner, der 10.000 Kilometer entfernt lebt, werden mit Händen greifbar. Und spürbar wird: in der einen Welt sind wir verbunden und können voran kommen.



Mittwoch, 23. August 2017 (Lisa Querner)

Wir waren in der Bramfelder Laterne und haben über Globale Sachverhalte gesprochen. Auf flächengetreuen Weltkarten haben wir in spielerischer Weise erfahren, auf welchen Kontinenten wie viele Menschen leben und welche Menge an Geld sie zur Verfügung haben. Dabei wurden gravierende Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten in bildhafter Weise sehr deutlich. Daraus ergaben sich Gespräche über weltweiten Handel und Fairtrade, auch in der Nähe der Gemeinde Mbigili.



Sonntag, 20. August 2017 (Thomas Hoffmann)

"Unsere Gäste aus Tansania werden im Gottesdienst begrüßt

Was für ein Gottesdienst, den wir da in unserer wunderschönen Kirche St. Petri und Pauli gefeiert haben. Neben einem ganz normalen Gottesdienst mit Abendmahl stand eine Taufe an und natürlich die offizielle Begrüßung der Gäste aus Tansania. Pastor Baldenius taufte gemeinsam mit Pastor Aswile Mwasandungila aus Mbigili die kleine Klara, die ihre Taufe mit einem freundlichen Gesichtsausdruck in aller Stille erlebte. Nur ihr Stirnband verrutschte etwas. Das schien sie aber nicht sehr zu stören.

Im Gottesdienst wurden die Gäste durch den Kirchengemeinderat persönlich und namentlich begrüßt. Eine Dolmetscherin, übersetzte in Swahili. Die Gemeinde sparte nicht mit Applaus - besonders als Samson Kapwela Mwasakifwa aufgerufen wurde. Er hat sich mit 83 Jahren auf den weiten Weg zu uns gemacht und ist mit Abstand der älteste Teilnehmer an diesem Besuchsprogramm. Gemeinsam wurde das Vaterunser gesprochen. Jeder in seiner Sprache. Da konnte man schon ein bisschen durcheinander kommen.

Ein Tuch mit den eingestickten Namen der Projektteilnehmer/innen als Gastgeschenk
Nach dem Gottesdienst nahmen viele Gemeindemitglieder am Kirchen-Café teil. Hier wurden Gastgeschenke ausgetauscht. Wir erhielten ein Tuch mit bunt bestickten Namen und Kleider bzw. Hemden aus Tansania. Okay, bei den Hemden half es in einigen Fällen nicht, den Bauch einzuziehen. Da kann nur eine Nähmaschine helfen. Das Anprobieren hat umso mehr Spaß gemacht.



Donnerstag bis Sonnabend, 17. bis 19. August 2017

Gleich zu Beginn, direkt vom Flughafen, fuhren wir zunächst nach Breklum (in der Nähe von Husum) ins Christian- Jensen-Kolleg. Die Tage dort dienten der Akklimatisierung unserer Gäste und dem gemeinsamen Kennenlernen. Und natürlich musste die nicht ganz einfache Kommunikation untereinander geübt werden. Nicht alle unserer Gäste sprechen Englisch, daher ist die Aufgabe der Übersetzerin, die Swahili spricht, sehr wichtig.



Begrüssung am Flughafen

Mittwoch, 16. August 2017

Abfahrt mit der S-Bahn in Bergedorf Richtung Flughafen. Wir wollen unsere Gäste aus Mbigili / Tansania abholen. Und natürlich waren wir pünktlich vor Ort. Aber was ist das? Der Flug aus Amsterdam: "cancelt". Die Weiterreise unserer Gäste stockte also. Unser Pastor Andreas Baldenius telefonierte mit der Fluggesellschaft und erreichte unsere Gäste. Ankunft etwa zwei Stunden später mit einer anderen Maschine. Warten, Kaffee trinken und das gebastelte Begrüßungsplakat pflegen. Einige aufgeklebte Blätter lösten sich an den Kanten. Dann war es endlich soweit. 10 Frauen und Männer aus unserer Partnergemeinde kamen durch die Tür und auf beiden Seiten waren strahlende Gesichter. Mit Gesang und herzlicher Umarmung war die sehr anstrengende Anreise unserer Gäste, die insgesamt etwa 80 Stunden dauerte, geschafft. In Tansania sind die Straßen nur schlecht ausgebaut und allein der Weg zum Flughafen in Daressalam hat lange gedauert und war beschwerlich. Vom Flughafen machte sich die nun gemeinsame Gruppe mit Mitgliedern aus unserer Gemeinde und aus Mbigili auf den Weg nach Breklum bei Husum.