In der vergangenen Woche war das Wetter einfach phänomenal. Der Himmel noch nie so blau, die Luft noch nie so klar und die Sterne noch nie so funkelnd. Mein kleiner Hund Poppy und ich haben unsere Spaziergänge zu jeder Tageszeit genossen. Und bei diesen Gängen hat in mir das Lied "Zieh aus, mein Herz , und suche Freud" von Paul Gerhardt angefangen zu klingen. Mit Recht ist es eins der beliebtesten Kirchenlieder. Es fordert einen auf, die Schönheit der Schöpfung mit allen Sinnen zu erfassen. Der Gärten Zier (vor allem für mich eine Freude), das fliegende Täublein (sehr interessant für Poppy), die Bienen, die Bäume, der Weizen… Einfach die Üppigkeit der Natur. Und wegen dieser Üppigkeit kann man selbst nicht ruhen. Man singt mit, wenn alles singt. Das Herz läuft mir quasi über Und genau dieses Gefühl beschreibt Paul Gerhardt so wunderbar in seinem Lied. Doch dann stockt es und ich merke, dass es zurzeit in mir auch viel Düsternis gibt, die mich am Jubilieren hindert. Die mir eher Angst macht und mich zum Schweigen bringt. Was ist mit der Pandemie, kommt wirklich noch das dicke Ende? Wie lange müssen wir soziale Distanz halten? Sorgen über Sorgen. Aber trotzdem, dieses Lied hat mich gepackt und ist nun in meinem Kopf. Wie bei so vielen Kirchenliedern, kann ich nur die ersten Strophen. Ich wusste aber, dass Gerhardt nicht nur die Schöpfung in dem Lied beschreibt, sondern auch unsere Beziehung zum Schöpfer dieser großartigen Natur. Also habe ich das ganze Lied zuhause gelesen.

Und da hat mich die 13. Strophe besonders berührt:

"Hilf mir und segne meinen Geist
Mit Segen, der vom Himmel fleußt,
dass ich dir stetig blühe;
gib, dass der Sommer deiner Gnad
in meiner Seele früh und spat,
viel Glaubensfrüchte ziehe".

Diese Bitte an Gott schwingt jetzt auch bei meinen Gängen mit Poppy durch die Natur mit. Gott möge sich nicht nur in den schönen Blumen, in der Fruchtbarkeit der Pflanzen und der Tiere zeigen, sondern sich auch meiner annehmen, meinen ach so kleinen Glauben wachsen lassen und mir Zuversicht geben. So gerüstet, kann ich diese schwere Zeit besser überstehen. Und wer weiß, vielleicht werden Sie Poppy und mich einmal singend antreffen. Denn ich habe mir vorgenommen, dieses Lied nicht nur im Herzen zu haben.

Agnete Mauruschat