„Dass ich mitten in dieser Ausweg- und Hoffnungslosigkeit des Krieges geboren worden bin, war wie ein Wunder.“

Im Juli 1943, während der schlimmsten Bombennächte, wurde Gudrun Hoffmann geboren – die erste Nacht ihres Lebens verbrachte sie im Bunker des Bergedorfer Krankenhauses. Da die Kirche auf Grund der Schutzmaßnahmen nicht nutzbar war (der Altar war eingemauert), wurde Gudrun am ersten Weihnachtstag 1945 mit vielen anderen Bergedorfern getauft. Und es blieb nicht bei Taufe und Konfirmation, Gudrun ist bis heute tief verbunden mit unserer Gemeinde. Nur einiges kann hervorgehoben werden: Gudrun war Mitglied bei den von Pastor Raabe betreuten Evangelischen Mädchen Pfadfinderinnen, hat eine Mutter-Kind-Gruppe in der Gemeinde gegründet und in dem Ende der 70er-Jahre gegründeten Gemeindekonvent mitgearbeitet. Sie war viele Jahre lang Mitglied der Gemeindebriefredaktion und ist nach wie vor Lektorin.

Von 1980-1991 war sie KGR-Mitglied. Bis zur letzten KGR-Wahl war kirchenrechtlich geregelt, dass nicht zwei Familienmitglieder gleichzeitig im KGR sein konnten – durch ihre Heirat mit Pastor Helmut Hoffmann 1991 trat sie demnach aus dem KGR aus. Als Pastorsfrau begann für Gudrun ein völlig neuer Lebensabschnitt. Wichtig für das Pastoren-Ehepaar war immer die Partnerschaft mit Mbigili, Gudrun nahm an fünf Gemeindereisen nach Tansania teil, hatte viele, viele Gäste bei sich im Haus und pflegte den Kontakt nach Mbigili. Es haben sich Freundschaften entwickelt, die bis heute gehegt werden, jetzt vereinfacht durch Mail und WhatsApp.

Neben ihrer Berufstätigkeit und drei Töchtern blieb Gudrun immer aktiv in der Gemeinde. Die Ökotrophologin hat in verschiedenen Lehr- und Versuchsküchen gearbeitet und übernahm die Leitung der Seniorenwohnanlage Kellinghusenheim in Bergedorf. Auch bei der anschließenden Organisation und Ausstattung einer ganz neuen Seniorenwohnanlage zeigte sich: Wenn Gudrun etwas anpackt, geht es nicht um Gewinnoptimierung, sondern um den Menschen. Die Nächstenliebe und der Glaube ziehen sich bei ihr durch das ganze Leben. Ebenso wie die Musik! Gudrun spielt Klavier und sang im Bergedorfer Kammerchor. 1999 suchte sie nach einer neuen Herausforderung und lernte das Trompetenspiel, sie musiziert nun schon seit 22 Jahren im Posaunenchor. Abgesehen davon beschäftigt sie sich mit Ahnenforschung. Das liegt ihr im Blut: Aufgewachsen ist sie mit ihren zwei älteren Schwestern in einem Drei-Generationen-Haus an der Bille und wohnt auch heute noch mit Helmut in diesem. Gemeinsam mit Helmut kommen sie auf stolze 18 Enkelkinder. Die Dankbarkeit gegenüber ihrem Schöpfer, die sich bei Gudrun durch ihr Leben zieht, ist im Gespräch mit ihr zu spüren. Dankbar für die Familie, für die glücklichen Umstände ihres Lebens und immer noch das Wunder ihrer Geburt inmitten des Krieges.

Johanna Kilzer