Der Petri-Saal war voll, als wir zum Bericht eingeladen hatten. „Auf in eine bessere Zukunft“ war der Titel, den wir ausgewählt hatten, um mitzuteilen, was wir in Mbigili – unserer Partnergemeinde in Süd-Tansania – erlebt haben und was wir daraus zu lernen hoffen.

Es war ein ungewöhnlicher Reise-Bericht. Zwar gab es schöne Fotos, wie sich das gehört. Begleitet waren sie aber weniger von Erzählungen über Erlebtes, als von Reflexionen, was das für uns bedeuten könnte und was wir – wir! – daraus für uns – uns! – lernen könnten.

Gemäß unserem „Konzept für die Partnerschaft“ geht es nämlich nicht so sehr darum, den Tansaniern zu helfen, sondern gemeinsam mit ihnen zu lernen – und zwar jeder für den je eigenen Kontext. Klar ist ja jedenfalls: Durch die Wirtschafts- und Lebensweise der sogenannten „1. Welt“ entstehen die Phänomene, die den Erdball bedrohen. Entwicklungshilfe kann also nicht bedeuten, dass sie es mehr und mehr so machen wie wir.

Dieses gemeinsame Lernen geht am besten interkulturell. Im Spiegel des anderen, dem wir begegnen – Menschen oder auch die Art und Weise, wie sie leben – werden die eigenen Selbstverständlichkeiten sichtbar, bewusst und überprüfbar. Das regt zum Nachdenken über sich selber an. Wenn im Austausch darüber die Partner etwas von uns lernen, was uns wichtig ist, können wir uns freuen. Wenn wir auch von ihnen zu lernen bereit sind, ist es eine Partnerschaft „auf Augenhöhe“. Besonders wichtig aber ist, dass wir für unseren eigenen Kontext lernen, wie das gehen kann: Auf in eine bessere Zukunft!

Diesmal waren besonders wichtige Themen dabei: die Rolle von Geld in der Partnerschaft und in der je eigenen Gemeinde; die Gleichberechtigung von Frauen und Männern: Situation hüben und drüben und „offene Baustellen“; die Tee-Kooperation und „fair trade“; unterschiedliche Prioritäten bei Infrastruktur-Projekten; Pflege bestehender Beziehungen und Erschließung neuer – und manches mehr.

Bisher war es ein treuer, aber begrenzter Kreis von Menschen, die diese Partnerschaft mit ihrem Interesse, Engagement und ihren Spenden begleiten. Jetzt waren wir nicht nur viel mehr als sonst: Vor allem kamen Menschen, die wir noch nicht einmal sonst aus der Gemeinde kennen. Das ist spannend. Denn es könnte bedeuten, dass nicht nur in der Gemeinde die Partnerschaft neues Gewicht bekommt, sondern auch, dass Menschen über dieses Thema „andocken“.

Das hatten wir immer vermutet, denn es gibt viele „Verbündete“ – inhaltlich. Wirklich begegnen tun wir uns aber selten. Dabei könnten wir gemeinsam viel mehr erreichen.

Pastor Andreas Baldenius
für den „Ausschuss Partnerschaft und Ökumene“
des Kirchengemeinderates