... lautet der Titel des neuen Buches von Herman van Veen, das ich in diesem Sommer entdeckt habe. Darin erzählt er Geschichten übers Älterwerden.

Über das Älterwerden wird seit einigen Jahren mehr gesprochen in unserer Gesellschaft und inzwischen auch in unseren Kirchen. Zum einen geht es um die Rente, aber auch um das Wohnen im Alter und ganz oft auch ums Gebrauchtwerden und das Alleinsein. Und so bin ich mit verschiedenen Menschen darüber ins Gespräch gekommen, was für sie das Älterwerden bedeutet. „Ich genieße es, dass ich viel freier bin in dem, was ich wage im Leben.“ „Ich muss mich nicht mehr rechtfertigen und mich nicht mehr nach anderen ausrichten.“ „Ich bin dankbar, dass ich nicht mehr den Stress einer jungen Familie aushalten muss.“ „Es ist wertvoll für mich, dass ich im Alter den Ratschluss Gottes für mein Leben erkenne.“ „Ich bin ich und nicht mehr die, die ich für andere sein sollte.“

Ja, solange es leicht ist, schreibt Hermann van Veen. Er spricht davon, dass eine neue Ruhe ins Leben kommt. Er genießt es, endlich Zeit zu haben, um dem Leben nachzusinnen und seine Reisen in Gedanken nachzureisen. Er blickt auf fast 75 Lebensjahre zurück, auf interessante Zeiten als Künstler, als Verfechter für den Frieden, als Vater und Großvater, als Freund und Wegbegleiter. In seinem Buch lese ich von der Liebe und vom Glücklichsein, aber auch Geschichten über den Verlust nahestehender Menschen, von Vergänglichkeit, Sehnsucht und der Suche nach Sinn. Und er verrät uns, was ihn jung hält und ihm Kraft verleiht.

Kraftvoll ist auch das Bild vom Älterwerden in der Bibel. In Psalm 92,15 lesen wir: „Und wenn sie auch alt werden, werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein.“ Ein hoffnungsvolles Bild, finde ich, alles wie in jungen Jahren, nur eben ein bisschen ruhiger und bedachter, vielleicht auch weiser, aber vor allem lebendig. Wir unterliegen dem Wandel, dem Werden und Vergehen, so ist das Leben. In der Bibel werden Menschen mit alten Bäumen verglichen und erreichen zuweilen ein biblisches Alter. Aber auch die Bürde des Alters und das Schwinden der Sinne und Kräfte wird nicht verschwiegen.

Und dennoch gibt es viele Möglichkeiten, am Leben teilzuhaben. Z. B. Jüngere auf dem Weg ins Leben zu begleiten, wertvolles Wissen an andere weiterzugeben, in der Not für andere da zu sein, Zeit zum Zuhören zu haben, einfach gebraucht zu werden.

Doch wie ist es, wenn es im Alter mal nicht mehr leicht sein sollte, habe ich mich gefragt: wenn das Geld nicht reicht, die Krankheit so schwer ist oder ich allein bin. Dann ist es wunderbar, wenn jemand da ist, der mir die Hand reicht und mir Mut zuspricht. Dies kann durch den Menschen von nebenan und auch durch Gott geschehen.

Diakonin Astrid Hildebrandt