Am 6. Juli 2019 sind 30 Menschen – nicht nur Gemeindeglieder – mit dem Bus nach Friedrichstadt gefahren. Nicole Knaack und Georg Liedtke hatten zum Gemeindeausflug eingeladen. Ich kannte Gemeindeausflüge nur aus meiner Kindheit und war gespannt. Um es vorweg zu nehmen, es wurde ein rundum schöner Tag. Die Organisation und die inhaltliche Gestaltung waren perfekt. Schon die Busfahrt war ein Erlebnis. Nicole hat uns nämlich aufs Vortrefflichste schon während der Fahrt auf das Thema und die Stadt eingestimmt.

Ihr Vortrag über die Zeit um 1600 und die Stadtgründung wurde durch kleine Aufmerksamkeiten abgerundet. Es gab z.B. Käsehappen für Holland, Kuhbonbons für Milchwirtschaft und scharfe Pfefferminze für freies Atmen für die Religionen.

Friedrichstadt wurde 1621 von holländischen Religionsflüchtigen, den Remonstranten, auf Einladung von Herzog Friedrich III. gegründet. Sie waren gekommen, weil Friedrich III. ihnen, aber auch allen anderen Religionen, Freiheit in ihrem Glauben garantierte. Eine solche Toleranz ist heute nur schwer vorstellbar. Unterschiedliche Religionen, die friedlich nebeneinander leben und sich sogar noch unterstützen. So gestatteten die Remonstranten den Katholiken, als deren Friedhof belegt war, ihre Toten auf ihrem eigenen zu bestatten. Unkomplizierte Nachbarschaftshilfe – ein Vorbild auch für die heutige Zeit!

In Friedrichstadt angekommen haben wir zunächst in der Kirche der Remonstranten, die einzige außerhalb der Niederlande, eine Andacht gefeiert. Obwohl Georg nicht dabei war und so die Orgelbegleitung fehlte, haben wir wunderbar gesungen. Nach der Andacht hat uns der Kirchenälteste der Remonstranten von ihrem Gemeindeleben berichtet. Wir konnten Fragen stellen und es entspannte sich eine lebhafte Diskussion. Nach diesem Gespräch hatte ich den Eindruck, Friedrichstadt ist immer noch ein Ort der Toleranz. Jetzt konnte ich mir gut vorstellen, wie im Laufe der Zeit remonstrantische, evangelisch- lutherische, katholische, mennonitische und eine jüdische Gemeinde ortsansässig werden konnten. Und alle bauten sich ein Gotteshaus. Aber keiner am Marktplatz. Denn keine Religion sollte dominieren. Neben der geistigen Kost gab es natürlich auch ein leckeres Mittagessen und eine schöne Grachtenfahrt.

Zurück in Bergedorf hat uns Nicole mit einem Marzipanherz und dem Bibeltext 1. Johannes 4, 16 b verabschiedet. Dieser Ausflug klingt noch lange nach. Nächstes Jahr bin ich bestimmt wieder mit dabei. Danke an Nicole und Georg.

Agnete Mauruschat