Gestern war Europawahl, da ich diese Meditation schreibe.Ein Ruck geht durch Europa! Noch ist die Lage unübersichtlich, aber eines ist klar: Klimaschutz und Kampf gegen das Artensterben wurden endlich Top-Themen.

Es ist keine Revolution. Aber ein Ruck ist es, und den haben wir vor allem den jungen Menschen zu danken. Sie haben im Gefolge der „fridays-for-future“-Demonstrationen auf den sozialen Netzwerken einen richtigen Sturm losgetreten, und das hat zumindest eine hohe Wahlbeteiligung bewirkt. Respekt!

Aber jetzt sind wir dran: Ähnlich engagiert und informiert wie die jungen Leute sollten wir alle mitdemonstrieren und vor allem: persönliche Konsequenzen ziehen. Bis zur nächsten Wahl dürfen wir nicht zur Tagesordnung zurückkehren. Denn die ist bestimmt von einem Denken, das die Gegenwart in die Zukunft fortschreibt. Aber die Politik der Gegenwart ist bereits gescheitert.

„Das ängstliche Warten der Schöpfung hofft auf die Offenbarung der Kinder Gottes“, so schreibt der Apostel Paulus. „Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstet.“ (Römer 8, 19+22). Ihm ist zweierlei klar: Der Mensch ist Teil der Schöpfung. Wie es der übrigen Schöpfung ergeht, betrifft auch uns selbst in allen Dimensionen. Es gibt keine Erlösung des Menschen ohne die seiner Mitkreatur.

Und: es hängt an uns. Ja, auch die Natur selbst hat schon Massensterben ausgelöst und mehrfach die Evolution durch Fast- Vernichtung resettet. Was im Augenblick vorgeht, ist aber kein Naturschauspiel, sondern die Selbst- und Naturzerstörung einer außer Rand und Band geratenen Gattung Mensch.

Wer genau hinsieht, was geschieht, steht in der Gefahr, vor Entsetzen gelähmt zu werden wie die Frau von Lot, die beim Blick auf die Vernichtung von Sodom und Gomorrha zur sprichwörtlichen Salzsäule erstarrte. Aber das muss nicht das letzte Wort sein. Wie Gott den Stein von Jesu Grab wegwälzte und den im Tod Erstarrten auferweckte, so kann er auch unsere Gefangenschaft in Gleichgültigkeit oder Entsetzensstarre erlösen.

Dann fangen wir wieder an, Gott zu danken für das, was er uns schenkt, statt in irrwitziger Gier alles immer noch steigern zu wollen: den Reichtum, den Genuss, den Sinn, die Lebensspanne, die Mobilität, die Effizienz. Als „Zu-viel-isation“ besingt die a-capella-Gruppe „Maybebop“ unsere Kultur. Was wir brauchen, ist eine Kultur des Genug, der Bescheidenheit und der liebevollen Achtsamkeit. Vor allem wirtschaftspolitisch, aber auch gesellschafts-, außen-, umweltpolitisch und so weiter.

Im Dank finden wir zu unserer eigentlichen Bestimmung als Geschöpfe – und das Glück. Wir sind dran!

Pastor Andreas Baldenius