Seit gut zwei Jahren geht Daniel sonntags in unseren Gottesdienst. Diese schlichte Tatsache würde ihn in seiner Heimat das Leben kosten.

Als ich ihn fragte, ob er schon in Afghanistan Christ war, fing er an zu lachen. Daniel Nejati ist am 10.6.1986 im Iran geboren, seine Eltern waren Afghanen. Die ersten sechs Lebensjahre verbrachte er im Iran, anschließend zog die Familie für drei Jahre nach Afghanistan. Er bezeichnet sich als Afghaner, seine Heimatstadt ist Herat. Als Mitglieder der Taliban anfingen, die Schulkinder mit Maschinengewehren abzufangen und zu befragen, verwehrten seine Eltern ihm den Schulbesuch.

Also arbeitete Daniel bis zu seinem 27. Lebensjahr als Schuhmacher. 2013 flüchtete er ganz alleine nach Deutschland – inzwischen lebt aber einer seiner zwei Brüder in Rostock. Der Zweite ist mit Frau und Kindern im Iran geblieben, weitere Familienmitglieder leben nicht mehr. Daniel wohnt mit dem Status der Duldung in der Curslacker Wohnunterkunft. Seit 2013 wartet Daniel auf eine Statusverbesserung, geht unermüdlich zu Behörden, zahlt Gebühren und übt sich in Geduld. Freunde waren es, die ihn mit in unsere Gemeinde nahmen und dort für ihn übersetzten.

Daniel hilft gerne im Gottesdienst, zum Beispiel beim Austeilen der Gesangbücher. Außerdem wartet er auf Anrufe von Astrid Hildebrandt, wenn zum Beispiel hunderte Kartons für den Martinsmarkt geschleppt werden müssen. Und er hilft Freunden gegen deren Langeweile, indem er solche Arbeiten auch an diese vermittelt und für sie übersetzt. Im Sommer 2017 wurde er in unserer Kirche getauft. Damit macht er sich nicht überall beliebt: Daniel erzählt, nicht mehr so oft im Heim zu sein, weil er dort Probleme mit muslimischen Afghanen hat, die seine Entscheidung nicht akzeptieren. Zum Glück kann er dann zu seiner Freundin gehen, die er heiraten möchte. Sie stammt ebenfalls aus Afghanistan und lebt mit ihren zwei Kindern in Pinneberg, wo Daniel seit einem Jahr in einem Supermarkt arbeitet.

Als ich ihn nach seinen Interessen fragte, sagte er sofort: „Ich liebe arbeiten“. Außerdem beschäftigt er sich gerne mit Pflanzen. Wer mehr darüber hören möchte, kann sich prima auf langsamem Deutsch mit ihm unterhalten – zum Beispiel im Kirchencafé, in das er gerne geht. Es ist eine Bereicherung, versprochen!

Johanna Kilzer