...für den nächsten Evangelischen Kirchentag in Dortmund in diesem Juni. Wie höre ich diesen Satz? Die Melodie bestimmt, wie er gemeint ist. Ehrliches Staunen kann darin liegen: unglaublich, dass jemand heute noch Vertrauen haben kann, wo doch kaum eine Institution mehr vertrauenswürdig ist. Überall gibt es Betrug, Unwahrheit und Missbrauch. Vertrauen zu haben, das können wir uns doch heute nicht mehr leisten. Haben wir deshalb nicht gelernt, alles zu hinterfragen?

Was für ein Vertrauen. Anerkennung kann daraus sprechen und Bewunderung für einen Menschen, der sich etwas zutraut. Da steht eine junge Frau vor 10.000 Demonstranten, die sich für den Klimawandel stark machen, und sagt denen, die wir gewählt haben, was sie von ihnen erwartet ohne Wenn und Aber.

Was für ein Vertrauen. Das kann auch ein Staunen sein. Wenn ich einer alten Dame zuhöre, wie sie die schwierige Zeit mit ihrer Familie durchgestanden hat, dann bin ich voller Respekt für ihr Vertrauen, das ihr Kraft gegeben hat, nicht aufzugeben. Was für ein Vertrauen. Ich lebe vom Vertrauen, denke ich, auch vom Gottvertrauen, aber ohne Zweifel und Fragen ist es nicht und auch nicht ohne die Erfahrung von Enttäuschung und Abbruch.

Was für ein Vertrauen. Dieser Satz stammt aus dem Buch 2.Könige 18. Das kleine Juda ist von dem mächtigen Assur bedroht und soll geschluckt werden. Sie stehen vor den Toren Jerusalems. König Hiskia aber erklärt sich nicht zur Übergabe bereit. Hämisch klingt in der Geschichte dieses Wort vom Vertrauen aus dem Mund des Bedrohers. Aber Hiskia bleibt bei seinem Vertrauen auf Gott und hält sich an sein Wort. Wirklich geht die Sache für die Menschen in Juda am Ende gut aus und sie können bleiben.

Was für ein Vertrauen? Die Kirchentagslosung fragt uns, wie wir es mit dem Vertrauen heute halten und welche Melodie wir diesem Satz geben. Die Bibelstelle erzählt von der Kraft, die uns Vertrauen gibt, unsere Angst zu überwinden und Widerstand zu leisten, obwohl das, was uns bedroht, so übermächtig erscheint. Dann hat es Sinn, sich einzumischen und das, was ich tun kann, beizutragen, wenn es um die Bewahrung der Erde geht, die uns und allen Generationen, die kommen, von Gott gegeben ist. Vertrauen auf Gott macht nicht weltfremd oder naiv, sondern es gibt Schwung, sich auf das einzustellen, wie sich unser Stadtteil verändert und die, die neu kommen, kennenlernen zu wollen. Vertrauen ist nichts, was wir voneinander fordern können, aber es kann wachsen, auch das Vertrauen zu Gott trotz der Fragen und Widersprüche, die bleiben. Und es macht uns stark.

Pastorin Angelika Schmidt