Dem aufmerksamen Beobachter des Kirchenjahres wird nicht entgangen sein, dass in diesem Jahr 2019 der Ostersonntag erst sehr spät liegt, wo er doch eigentlich recht früh kommen sollte.

Die „Osterregel“ kennt vielleicht nicht jeder, aber sie lautet so: Ostern liegt am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang.

Und wie sieht das im Jahr 2019 aus? Wann der Frühlingsanfang stattfindet, können Astronomen aus dem Stand der Sonne bestimmen, und auch der Vollmondtermin lässt sich durch Beobachtungen sehr genau ermitteln: Der Frühling beginnt dieses Jahr am 20. März, am späten Abend kurz vor 23 Uhr. Und am 21. März, so etwa kurz vor 3 Uhr am frühen Morgen, haben wir Vollmond. Also liegt der Vollmond etwa vier Stunden nach dem Frühlingsanfang, und der folgende Sonntag, also der 24. März, müsste der Ostersonntag sein. Aber schauen Sie in den Kalender: Er ist es nicht.

Was ist passiert? Wir erleben hier eine recht seltene „Ausnahme von der Regel“, ein sogenanntes Osterparadoxon.

Die Vorschrift, die seit einigen 100 Jahren zur Berechnung des Ostertermins angewendet wird, geht davon aus, dass der Frühlingsanfang grundsätzlich und immer am 21. März stattfindet.

Das war auch für viele Jahre zutreffend, aber seit 2012 nicht mehr. Seitdem liegt er am 20. März, und das wird auch noch lange so bleiben. Sogar der 19. März wird gelegentlich Frühlingsanfang sein, erstmalig im Jahr 2048 (Info für die Jüngeren unter uns). Erst ab dem Jahr 2100 wird sich der Termin 21. März wieder einspielen (Info für die noch viel jüngeren LeserInnen).

Der Grund für diese Verschiebungen liegt hauptsächlich in den Regeln für die Schaltjahre. Und nun kommt´s: Der Vollmond am 21. März 2019 liegt demnach nicht nach dem (astronomischen) Frühlingsanfang, sondern am (zyklischen) Frühlingsanfang. Er gilt daher noch als Wintervollmond. Deshalb ist erst der nächste Vollmond (am 19. April 2019) der Frühlingsvollmond. Und am darauf folgende Sonntag, also am 21. April, feiern wir Ostern. Na endlich! Meine Mutter allerdings hat sich mit solchem „Rechenkram“ nicht aufgehalten. Ihre Osterregel lautete: „Wenn es glöckt von Kirch´ und Klöstern, dann ist Östern.“ Recht hat sie.

Wolf-Dietrich Kollmann