Es begab sich aber zu der Zeit, dass ich im Rahmen der Skireise nach Meransen im März 2018 mit meinen Langlauf-Ski an der Bushaltestelle stand. Da stellte sich ein Einheimischer mit einem ortsüblichen grauen Filzhut auf dem Kopf neben mich. Nach einem Moment des Schweigens fragte er: „Sind das Schuppen-Ski?“. Erstens habe ich nie darüber nachgedacht, ob ich Schuppen- oder andere Ski habe… ich nehme sie im gegebenen Moment aus dem Keller und fahre los. Und im Übrigen bin ich gar nicht so ein small-talk-Typ mit Herren 70plus. Also: „Ja, Schuppen.“.

Der Bus kommt, Alois, so erfahre ich durch die Begrüßung des Busfahrers, spricht erst mit dem Fahrer auf südtirolerisch, dann aber scheine ich doch die attraktivere Gesprächspartnerin zu sein, schließlich bin ich auch die einzige Mitreisende. Also: „Schauns mal links, a Gams da auf der Wiesen; die kommen jetzt nunter, da obi hams koi Fressen mehr.“ Oh toll, die Gams hätte ich echt für Geröll gehalten. „Danke, Alois!“ „Und jetzt schauns mal nach hinten, da leuchten, sehns, die Gebäude in der Sonne. Das ist der Hof vom Huber, mit dem bin ich zur Schul‘ gegangen.“ Da wird mir schon etwas mulmig. Im Huberhof wohnen wir, und wir sind schon weit gefahren mit dem Bus…warum macht Alois mich gerade auf den Huberhof aufmerksam? Dann eröffnet sich nach rechts ein weiter, sonniger Blick auf die verschneiten Berge im Nachbartal. Alois: „Schau, die Welt is schee! (nicht: Südtirol oder die Alpen, sondern die Welt). Wenn ich im Himmel bin, dann wois i, siehst’s da oabn gnauso aus.“

Ein ehrfürchtiger Schauer läuft mir über den Rücken, ich schaue und staune, wende den Kopf zum Alois, sein Platz ist leer – der Bus hat doch gar nicht gehalten? Ich blicke zurück: am Straßenrand – niemand. Ich glaube, ich beginne zu begreifen: das Geheimnis des Glaubens ist mir begegnet – im Bus ... in Südtirol.

Mein Fazit: Danke an Ski-Reisen-Organisator Georg für dieses Glaubens-Erlebnis.

Dr. Annette Klöpper