Haben Sie sich schon einmal gefragt, wer die Lesungen für den Gottesdienst auswählt? Und wer bestimmt, welcher Text für die Predigt ausgewählt wird?

Der Brauch im Gottesdienst aus der heiligen Schrift (Bibel) zu lesen, wurde vom jüdischen Synagogengottesdienst übernommen. Anders als in der Synagoge üblich, lesen Christen nicht die gesamte Bibel. Listen mit ausgewählten Bibelstellen sind seit dem 8. Jahrhundert bekannt. Da es sich dabei um einen begrenzten Bereich der Bibel handelt, der für die öffentliche Lesung bestimmt wurde, nannten die ersten Christen diesen Bereich „Perikope“ – abgeleitet aus dem Griechischen für „abgegrenzter Bereich“. Seit 1958 verwenden die Landeskirchen der Evangelischen Kirchen einheitliche Lesungen im Gottesdienst. Die gültige Perikopenordnung wurde 1978 und zum 1. Advent 2018 ein weiteres Mal reformiert.

Es gibt Tage, an denen die Lesungen aus dem ersten Testament oder Epistel oder Evangelium identisch sind mit dem Predigttext. Außerdem gibt es Tage, an denen Alternativen zur Verfügung stehen. Solche Alternativen nennt man Marginaltexte.

Der Predigttext wurde bisher v. a. den Evangelien und den Apostelbriefen entnommen. Dies ändert sich zum 1. Advent 2018. Mit der Reform werden die biblischen Geschichten des ersten Testaments stärker gewürdigt. Wir sind aufgefordert, uns die Heilige Schrift, Erstes und Zweites Testament, in seiner Gesamtheit zu erschließen, den „Tisch des Wortes“ für alle reicher zu decken und die „Schatzkammer der Bibel“ weiter zu öffnen.

Gleich zu Beginn des Kirchenjahres in der Advents- und Weihnachtszeit werden wir Neuerungen kennenlernen. Alle Gottesdienstbesucher dürfen sich darauf freuen, dass die Weihnachtsgeschichte nach Lukas im Mittelpunkt der Christvesper als Predigttext steht.So steigert die neue Perikopenordnung vielleicht auch die Vorfreude auf das Weihnachtsfest.

In den nächsten Gemeindebriefen werde ich Ihnen weitere Veränderungen vorstellen. Der Gottesdienst bringt aber auf jeden Fall im gesamten nächsten Jahr viel spannende Neuerungen. Denn „nicht nur zur Weihnachtszeit“ sind Sie herzlich willkommen – jeden Sonntag 10 Uhr in St. Petri und Pauli.

Prädikantin Dr. Nicole Knaack

Was gehört zur Perikopen-Ordnung?

  1. Der Name des Sonntags (z. B. Rogate, Trinitatis usw.)
  2. Der Wochenspruch (häufig zur Begrüßung im Gottesdienst als „Eingangsvotum“)
  3. Der Wochenpsalm
  4. Der Predigttext Reihe I-VI

Für die Predigttexte gibt es einen Zyklus von sechs Jahren. Eine „Perikopenreihe“ dauert jeweils ein Kirchenjahr. Wenn die sechs Jahre rum sind, beginnt das Ganze wieder von vorn. Zur Zeit folgt unser Gottesdienst der Perikopenreihe IV. Am 1. Advent beginnen wir neu mit der Reihe I.

Zur Perikopenreihe gehören folgende Lesungen:
  • Lesung aus dem Ersten Testament (auch als Altes Testament bezeichnet)
  • Lesung aus den Evangelien
  • Lesung aus den Apostelbriefen (= Epistel)
  • Der Predigttext