... die, was den Frieden auf der Welt betrifft, nur wenig Hoffnung haben?

Noch vor Jahren glaubte ich, dass die Menschheit genug hat von Aufrüstung und Abschreckung in die eine oder andere Richtung. Heute bin ich das, was man „von der Weltpolitik desillusioniert“ nennt. Die Großmächte können nicht an einem Strang ziehen. Wechselseitiges Morden ist in vielen Regionen der Welt an der Tagesordnung. Terror und Gewalt beherrschen die Nachrichten des Tages. Gibt es an irgendeinem Ort Entspannung und Einlenken, folgt an einem anderen ein neuer Konflikt, eine neue Auseinandersetzung, neue Drohgebärden mit oder ohne Waffen. Selbst längst überwunden geglaubte Auseinandersetzungen erweisen sich als „kleiner und brüchiger Friede“. Selbst in unserem Land scheint der Friede ein Pflänzchen zu sein, das aufmerksam gehegt und gepflegt werden muss.

„Suche Frieden und jage ihm nach!“, fordert David im 34. Psalm.

Er ist auf der Flucht vor dem übermächtigen König Saul, der ihm seine Erfolge neidet und ihm nach dem Leben trachtet. Unzufriedenheit und Neid führen schnell zu Hass und Kampf.

Im Hebräischen bedeutet „Frieden“ weit mehr als nur die Abwesenheit von Streit und Krieg. „Schalom“ meint eine tiefe Sehnsucht nach einer heilen, unversehrten Welt, in der keine Gefahr mehr droht.

Vielleicht ist es gut, sich gerade in der Weihnachtszeit zu besinnen, wie anspruchsvoll der Friede ist. Es fällt nicht leicht, zu erkennen, was wirklich dem Frieden dient. Oft erscheint der Aufwand hoch oder sogar unmöglich. Wer soll mit dem Frieden beginnen?

Wer soll verzeihen, versöhnen, abrüsten, reden, verhandeln, vertrauen? Das gilt doch nicht nur für mich, sondern ebenso für die „anderen“. Und ist nicht der „bewaffnete Friede“ ein Garant dafür, dass wir ruhig schlafen können?

Frieden halten, das heißt weder „ducken“ noch „zurückschlagen“. Im Extremfall ist Friede und Gerechtigkeit ständig auszuloten: „Dem Frieden nachjagen“ heißt neue Wege gehen, Phantasie einsetzen, um Verzeihung bitten und verzeihen, wenn es keiner mehr erwartet.

Im Licht der Krippe scheint dieser Frieden möglich zu sein und es gibt Hoffnung für unsere kleine und große Welt. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine friedliche und gesegnete Weihnachtszeit sowie einen gesunden Start in das neue Jahr 2019. Möge es ein friedliches Jahr sein. Schalom.

Prädikantin Dr. Nicole Knaack