Es ist erst 50 Jahre her. Heute gehören Pfarrerinnen und Pastorinnen zum Profil der evangelischen Kirche. Doch bis es soweit war, mussten Frauen viele „Verletzungen sowie frauenfeindliche und diskriminierende Äußerungen erdulden“, sagt der Braunschweiger Landesbischof Christoph Meyns. Heute erscheint es uns als selbstverständlich, dass Frauen auch Pröpstin und Bischöfin sind. Aber das, was so normal erscheint, war in Wirklichkeit eine schwere Geburt.

Viele Jahre haben die Kirchenparlamente darum gerungen. Die Synodalen in jener Zeit fanden, dass es „eine Zumutung“ sei, dass Frauen auf der Kanzel stünden. „Unglaubwürdig“ und sogar „unwürdig“ erschien es einigen Synodalen; so ist es in den Redeprotokollen von damals zu lesen. „Heiratet das Zeug doch weg“ – war ein Ruf, der die Veränderung zum Stillstand bringen sollte.

Doch die fortschrittlich Denkenden bewiesen einen langen Atem. In einem Bericht der Hannoverschen Landeskirche über den Umbruch und die Wendezeit wird ein Synodaler zitiert: „Die Pastorinnen werden ihr Amt im kirchlichen Leben finden.“ Und mehr noch, sie sind heute eine wichtige Säule des kirchlichen Lebens. Frauen und Männer, gemeinsam und gleichberechtigt – nur so kann ein Gemeindeleben entstehen, von dem sich viele unterschiedliche Menschen angesprochen fühlen.

Wir freuen uns, dass in St. Petri und Pauli Gottes Wort von einer Pastorin und einem Pastor verkündet wird. Unser Gemeindeleben wird darüber hinaus von zwei Diakoninnen gestaltet und bereichert.

Umbruch heißt in diesem Zusammenhang: von 1960 bis 1991 haben die Landeskirchen gebraucht, bis auch der letzte Widerstand gegen die Ordination von Frauen aufgegeben wurde. Vorbei die Zeiten, in denen Pastorinnen bei Schwangerschaft nicht mehr predigen durften. Über 30 Jahre Wendezeit – und ich finde, dass sich der lange Atem wirklich gelohnt hat. Allen, die diese besondere Umbruchzeit mit getragen haben, sei Dank.

Dr. Nicole Knaack