Kirchspiel Bergedorf“ steht auf meiner Visitenkarte, die ich weitergebe, um meinem Gesprächspartner meine Kontaktdaten mitzugeben. Ganz unterschiedliche Nachfragen habe ich daraufhin schon bekommen. „Arbeiten Sie im Kindergarten“, wurde ich z. B. neulich gefragt.

Nein, sage ich, ich arbeite in der Evangelisch- Lutherischen Kirche in Bergedorf. Ich hole tief Luft und beginne zu erklären. Kirchspiel ist ein historisch belegter Begriff. Heute steht er für sechs Gemeinden in Bergedorf, die zusammenarbeiten, gemeinsam Gottesdienst feiern, Feste gestalten und beraten, wie es in Zukunft weitergeht mit der kirchlichen Arbeit, wenn wir weniger Mittel haben.

Das Wort „Kirchspiel“ steht für unser Zusammenspiel. Wie bei einem Orchester, in dem es Geigen, Posaunen, Pauken und viele andere Instrumente gibt, und dazu die unterschiedlichen Stimmen. Wenn alle zusammenspielen, gibt das einen vollen, satten Klang, der gut und weit trägt. Das brauchen wir in Zukunft. Es will geübt sein, das Zusammenspiel. Jeder wird dabei gebraucht.

Mir kommt Paulus in den Sinn, der die Gemeinde als einen großen Körper sieht. Alle hängen miteinander zusammen, auch wenn es verschiedene Körperteile sind. Sie sind ein Leib, der Auferstehungsleib Christi, seine Gegenwart in der Welt. Was für ein Zuspruch und eine Aufgabe! Auch damals gab es die Frage: Wie halten wir zusammen und wer droht herauszufallen? So entstanden die Gedanken im Korintherbrief.

Gemeinsam entsteht ein größerer Spielraum. Es sind mehr Menschen, die sich gegenseitig unterstützen können, um die Aufgaben in Zukunft anzupacken. In meinem Arbeitsbereich der Sorge um die Älteren erfahre ich, wie ich auf das Zusammenspiel angewiesen bin zwischen allen, die zur Gemeinde gehören und darüber hinaus.

Ich bin darauf angewiesen, dass mich jemand anruft und sagt, „Meine Nachbarin, die würde sich über einen Besuch von Ihnen freuen, sie kommt nicht mehr viel aus dem Haus. Ich habe ihr das vorgeschlagen. Melden Sie sich doch einmal bei ihr.“ So sorgt er dafür, dass ich Verbindung aufnehmen kann und die, die besucht wird, verbunden bleibt mit der Gemeinde. Sie kann mir erzählen aus ihrer Geschichte, hören, wie es heute läuft, und Anteil nehmen. Ich werde weiter die Frage danach, was das Kirchspiel sei, gestellt bekommen – da bin ich mir sicher.

Eigentlich ist das gut so, denn so kommen wir ins Gespräch, welches Bild von Gemeinde wir haben und wie wir heute zusammen Leib Christi sein können.

Angelika Schmidt,
Pastorin für Seelsorge im Alter
im Kirchspiel Bergedorf