Mit Trompete, Tuba und Posaune durch Masuren

„Ein feste Burg ist unser Gott“ in der katholischen Wallfahrtskirche Heiligenlinde zu Gehör gebracht durch den Posaunenchor Petri und Pauli, klar, transparent und doch mit sehr vollem Ton. Vorangegangen war die katholische Orgelpräsentation mit den sich bewegenden, musizierenden Holzengeln. Die Kirche voll, alle waren bewegt. Man verstand sich, alle Verkünder der gleichen Botschaft.

Allensteins evangelische Kirche: sieben Pastoren, die den Reformationstag feierten, empfingen uns und hörten Telemann, Händel, Corelli und, immer wieder anrührend, „Ännchen von Tharau“.

51 Bergedorfer, darunter 15 aktive Bläser, reisten durch eine bei dem milden Herbstwetter wahrlich paradiesische Landschaft. Viele der Mitreisenden hatten persönliche Bezüge zu diesem Land. Ob im Altersheim oder vor dem Museum berührte die Musik mit einem umfangreichen Programm. Am Ende dann noch Matthias Claudius: „Der Mond ist aufgegangen“. Harmonie und gute Laune, wahrlich kein Fehlklang. Es wurde eigentlich immer heiterer: Fuhren wir doch mit einer Schmalspurbahn durch unberührte Natur, es tauchten insgesamt drei Elche auf, und wir genossen polnische Kohlsuppe und Wurst am Stock überm Lagerfeuer.

Jeder Ort hat hier mindestens einen See. Mit dem Schiff von einer Seite zur anderen, über spiegelklares Wasser, herbstlich kühl und dazu: Jagdhornklänge. Und im Bus hatten wir als ganz wunderbare Begleitung Herrn Pastor Paul Hause aus Rastenburg an unserer Seite.

Wem wird nicht heiter bei „So zärtlich war Suleiken“ von Siegfried Lenz mit Witzen und Döntjes im ostpreußischen Dialekt? Wer wusste von einer deutschpolnischen Arno-Holz-Gesellschaft zur Förderung beiderseitiger Kultur? Die evangelischen Gemeinden ganz klein in winzigen Kirchen. Herzlicher Empfang und die Zuhörerinnen und Zuhörer sehr bewegt und dankbar. Wir hörten von katholischen Domen am Sonntag: Man komme kaum rein, die Kirchen seien übervoll, sechs Messen am Tag in sechs Schichten.

Der seinerzeit meistgelesene Dichter deutscher Sprache, Ernst Wiechert, dessen Geburtshaus wir besuchten, wird als gemeinsames deutsch-polnisches Kulturgut verstanden. Er war Systemgegner und hat ein Jahr im KZ gesessen. Danach Publikationsverbot. Auch an Marion Gräfin Dönhoff wurden wir auf einem Pferdegestüt erinnert.

Stocherkahn- und Kutschfahrten, Folkloretänze, Lebkuchen in Thorn, wirbelndes Nachtleben in Posen. In Gnesen sahen wir den Dom, in Neuruppin standen wir in der Kirche, in der sich die Bürgerrechtsbewegung 1989 versammelt und gefunden hatte.

Alle verstanden sich und waren dankbar, dass sie mitreisen durften in ein wunderschönes Land mit eindrucksvollen Begegnungen und spirituellen Erfahrungen.

Dr. Helmut Großgerge