Unter dem Tannenbaum herrscht Gedrängel. Oder soll man sogar von einer heillosen Unordnung sprechen? Die große Frage ist, wer all die Süßigkeiten und Geschenke gebracht habe. Der Weihnachtsmann? Das Christkind? Knecht Ruprecht? Oder St. Nikolaus? Da finde sich noch einer zurecht!

Den Anfang hat tatsächlich der wohltätige Bischof Nikolaus von Myra gemacht, der zu seinen Lebzeiten Groß und Klein mit Geschenken erfreute, eine Tradition, die von der Kirche beibehalten wurde. Aber die Geschenke wurden nun mit dem Ziel verteilt, Kindern auch die übrigen Heiligen schmackhaft zu machen. Allzu viel Milde sollte dabei aber nicht walten, und so stellte man dem großzügigen Nikolaus den grimmigen Knecht Ruprecht zur Seite, der die bösen Kinder mit seiner Rute bestrafe. Die braven Mädchen und Jungen fanden dagegen schon zu Luthers Zeiten am Morgen des 6. Dezember Äpfel, Nüsse, Mandelkerne und das eine oder andere Zuckerstück auf der Fensterbank.

Auch Luthers Kinder, jawohl; aber lange konnte das natürlich nicht gut gehen. Den Kleinen die Heiligenverehrung im wahrsten Sinne zu versüßen, das konnte der streitbare Reformator auf Dauer nicht dulden. Und so verlegte er das Schenken auf den zweiten Weihnachtstag und ersetzte kurzerhand St. Nikolaus und Knecht Ruprecht durch das Christkind. „Du lieber, frommer, heil’ger Christ, weil heute dein Geburtstag ist, drum ist auf Erden weit und breit bei allen Kindern frohe Zeit“, durften evangelische Kinder von da an singen.

Zugegeben, kein wirklich befriedigender Ersatz. Und so drängten sich St. Nikolaus und Knecht Ruprecht mit der Zeit doch wieder in den Vordergrund und verschmolzen zu einer einzigen Figur - dem strengen, aber gerechten Weihnachtsmann, der zwar eine Rute trägt, vor allem aber einen großen Sack mit Geschenken. Wie sehr das Martin Luther auch missfiele, das Christkind kehrte in seine Krippe zurück und ließ sich von den Heiligen drei Königen beschenken.

So haben sie in der Weihnachtszeit also alle ihren Platz gefunden und bringen nacheinander Freude in katholische und evangelische Häuser: St. Nikolaus, der Weihnachtsmann und das Christkind. Nur Knecht Ruprecht wird spätestens seit 1968 nicht mehr eingelassen.

Boike Jacobs