Keine der Künste berührt unsere Herzen so unmittelbar wie die Musik. Unaussprechliches lässt sich mit Hilfe von Musik deutlicher artikulieren. „Sie ist so etwas wie eine zweite Sprache, Kommunikation zwischen Mensch und Gott. “

Martin Luther, selbst in der polyphonen Kunst des Tonsatzes bewandert, mag sich dieser Kraft der Musik bewusst gewesen sein, als er vor 500 Jahren das neue Kirchenlied für die Gemeinde schuf. Luther pflegte Freundschaft mit mehreren Organisten, insbesondere mit Johann Walter, mit dem ihm bei der Schaffung des deutschsprachigen Kirchenlieds engste Zusammenarbeit verband und der gewissermaßen den evangelischen „Urkantor“ verkörpert.

Luther entstammt der Tradition der Augustiner, die sich, wie die Benediktiner, für instrumentales gottesdienstliches Musizieren aussprachen. Rechter Gottesdienst entfaltet sich für Luther dadurch, „dass unser lieber Herr selbst mit uns rede durch sein heiliges Wort und wir wiederum reden durch Gebet und Lobgesang.“

Zu solchen Gottesdiensten möge man „mit allen Glocken läuten und mit allen Orgeln pfeifen lassen.“ Denn: wenn Musik im Gottesdienst helfen kann, die Begegnung der versammelten Gemeinde mit Gott zu fördern, „dan…sollen die mundliche wort nit anders gehalten werden, dan als ein trometen, drummel adder sunst ein geschrey, da das hertz bewegt und erhaben wird tzu got.“

Einmal abgesehen davon, dass ich persönlich die bildhafte Sprache des Mitteldeutschen herzerfrischend finde, sind diese alten Worte Luthers für alle, die im kirchenmusikalischen Dienst tätig sind, bis heute hochaktuell und nicht hoch genug zu schätzen, denn sie machen deutlich, was für ein „himmlisch Gut“ die Musik für die Menschen ist und dass Kirchenmusik mehr ist als schmückendes Beiwerk, nämlich ebenso Verkündigung wie das gesprochene Wort (s. auch Präambel des neuen Kirchenmusikgesetzes der Nordkirche vom Mai 2017).

Dabei gilt es, offen zu sein für die Vielfalt der musikalischen Stile. Altes und Neues, Einfaches und Kompliziertes, Heiteres und Besinnliches, Meditatives und Ekstatisches 6 – all das möge unser Singen, Beten und Musizieren kreativ erfüllen. Kleiner Tipp: Am 31. Oktober 2017 feiern wir kirchspielweit einen zentralen Gottesdienst und gedenken der Reformation. Das wäre doch eine vortreffliche Gelegenheit „…ein trometen, drummel adder sunst ein geschrey“ kräftig erschallen zu lassen, finden Sie nicht auch?

Ihr Klaus Singer