Am 13. Juni 1525 heiratet Martin Luther die entflohene Nonne Katharina von Bora. Seine Gegner überziehen ihn mit Spott, seine Freunde reagieren verschnupft. Das Paar begründet die Tradition des evangelischen Pfarrhauses.

Katharina von Bora wird am 29. Januar 1499 als Tochter eines verarmten sächsischen Adligen in der Nähe von Leipzig geboren. Nach dem Besuch der Klosterschule in Brehna lebt sie seit 1509 im Zisterzienserinnenkloster Marienthron in Nimbschen. Ermutigt durch Schriften Martin Luthers, der sich kritisch mit dem Klosterleben auseinandersetzt, flieht sie mit elf weiteren Nonnen in der Nacht zum Ostersonntag 1523.

In Wittenberg werden sie bei angesehenen Bürgerfamilien untergebracht und sollen verheiratet werden. Bei Katharina von Bora allerdings gestaltet sich die Suche nach einem passenden Ehemann schwierig. Da entscheidet sich der eiserne Junggeselle Luther, dem die couragierte Katharina Avancen gemacht hat, zur Eheschließung. Das Paar richtet sich im Schwarzen Klos- ter ein. Der neue Kurfürst Johann der Beständige (1468-1532) hat Luther das ehemalige Augustinerkloster geschenkt.

Die „Lutherin“ bringt das Wohnhaus und den Garten auf Vordermann und entfaltet alle Eigenschaften einer Gutsherrin, die ein mittelständisches Unternehmen managt. Luther nennt sie nicht nur „mein Liebchen“ oder „mein Morgenstern“, sondern auch respektvoll „mein Herr Käthe“. Sein Haushalt wird zu einer christlichen Herberge ungezählter Freunde und Studenten, aber auch von Armen und Hilfsbedürftigen – und sechs Kinder werden dem Ehepaar geboren.

Nach Luthers Tod 1546 erleidet Katharina nach 20-jähriger Ehe manche Zurücksetzung und manchen Undank. 1552 flieht sie aus Wittenberg vor der Pest und hat dabei einen Unfall mit einer Kutsche. An dessen Folgen stirbt sie am 20. Dezember. Ihr Grabstein steht in der Stadtkirche zu Torgau.

Reinhard Ellsel
Gemeindepastor im Evangelischen Kirchenkreis Lübbecke