Was haben Abelke Bleken aus Ochsenwerder, Mette Harden und Cathrin Danckwers aus Kirchwerder, Cathrin Schmalfeldes aus Curslack und Margareth Uhler aus Bergedorf miteinander gemein? Zwischen 1583 und 1676 wurden sie der Hexerei bezichtigt, im Kerker an Ketten gelegt und gefoltert, und eine der fünf Frauen wurde schließlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Ängste und Aberglauben führten in dieser Zeit zu Anschuldigungen und Verurteilungen, deren Opfer fast ausschließlich Frauen waren. Typisch katholisch, oder?

Das trifft nicht zu. Erst als Hamburg protestantisch wurde, brach in der Hansestadt eine Welle von Hexenverfolgungen aus. Ausdrücklich hatte Martin Luther die Obrigkeit dazu aufgefordert, vermeintliche Hexen nicht nur wie bislang zu töten, sondern sie zu foltern und zu verbrennen. Es scheint uns evangelischen Christen heute unvorstellbar, aber Luther war überzeugt von der Möglichkeit eines „Teufelspaktes, der Teufelsbuhlschaft und des Schadenszaubers“, wie man es zu seiner Zeit nannte. Hexen, so schrieb er, könnten Kinder verzaubern, alle Krankheiten erzeugen, dazu Unwetter und schlimme Verwüstungen im Haus und auf dem Acker hervorrufen.

„Du sollst nicht fluchen, schwören, zaubern, lügen oder trügen!“, schrieb Luther in seinem Kleinen Katechismus zum 2. Gebot. Und in zahlreichen Predigten gegen Hexen schürte er immer von neuem die Angst vor den „Teufelshuren“. Die „Weibernatur“, so seine Überzeugung, sei besonders anfällig für Zauberei, Frauen würden vom Teufel bevorzugt, Zauberinnen und Wettermacherinnen vom Bösen Geist geschwängert, woraus „Teufelsbrut und Wechselbälger“ entstünden, und schließlich betete er auch noch dafür, dass Hexen „entdeckt und gefoltert werden“.

Abelke Bleken aus Ochsenwerder wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die beiden Kirchwerderinnen Mette Harden und Cathrin Danckwers sowie Cathrin Schmalfeldes aus Curslack wurden zwar freigesprochen, anschließend aber von den Dorfbewohnern gehetzt, die verlangten, dass sie bestraft oder ausgewiesen würden. Der letzte Hamburger Hexenprozess wurde 1676 gegen Margareth Uhler aus Bergedorf geführt, die erst nach 21 Monaten schwerer Haft den Kerker verlassen durfte.

Im Sinne Martin Luthers war das allerdings nicht. Wortgewaltig hatte er seinerzeit erklärt: „Mit Hexen soll man kein Mitleid haben, ich wollte sie selbst verbrennen.“

Boike Jacobs