Seit 2000 gibt es die Notfallseelsorge (NFS) in Hamburg. Sie gewährleistet, neben dem Kriseninterventionsteam (KIT) des DRK, eine ständige Erreichbarkeit in äußersten Notfällen für alle Hamburger BürgerInnen. SeelsorgerInnen. PastorInnen oder DiakonInnen der evangelisch-lutherischen und der römisch-katholischen Kirche übernehmen freiwillig eine Woche im Jahr und sind 24 Stunden in Bereitschaft. In jedem Kirchenkreis ist ein/e NotfallseelsorgerIn im Vordergrunddienst unterwegs.

Alarmiert werden die SeelsorgerInnen ausschließlich von der Feuerwehr bzw. dem Rettungsdienst. Sie rufen die NotfallseelsorgerInnen hinzu, wenn in eine akuten Situation eine Begleitung von den Einzelpersonen oder einer Familie gewünscht wird. Dabei wird der Vordergrunddienst nur zu Einsätzen im häuslichen Bereich gerufen: wenn z. B. ein Angehöriger plötzlich verstorben ist oder gar ein Kind, bei versuchter oder erfolgter Selbsttötung, nach einer erfolglosen Reanimation oder bei einer Überbringung von Todesnachrichten durch die Polizei. Wenn es eilt, kann es sein, dass die NotfallseelsorgerInnen abgeholt werden von der Polizei oder von einem Rettungswagen. Der Hintergrunddienst, also die "VollzeitpastorInnen/-seelsorgerInnen", können bei Bedarf unterstützen, sind aber hauptsächlich für den öffentlichen Bereich zuständig.

Die Notfallseelsorge baut auf der seelsorgerlichen und pastoralpsychologischen Ausbildung der PastorInnen auf. Viele sind darüber hinaus nach einem bundesweit einheitlichen Standard eine Woche fort- bzw. weitergebildet worden.

Die Kooperation zwischen den Einsatzkräften der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und der Polizei läuft gut; zudem ist die Notfallseelsorge gut vernetzt, natürlich mit den Gemeinden, aber auch mit vielen Einrichtungen, Institutionen und (Selbsthilfe-) Gruppen. Auf diese wird verwiesen, da nach dem Einsatz die "Erste-Hilfe für die Seele" beendet ist.

Andreas Baldenius und ich haben Mitte Mai eine Woche übernommen. Ausgestattet mit einem Pieper (DME) und einer "Notfalltasche" waren wir 24 Stunden, neben dem Gemeindealltag, stets einsatzbereit. Natürlich hoffen wir dabei immer auf eine "ruhige Woche"…

Pastorin Chang-Mi Dallat