In der letzten Ausgabe des Gemeindebriefes hat Jan Frehse über seinen Entschluss berichtet, sich in unserer Gemeinde für den Klimaschutz zu engagieren und die Notwendigkeit ausführlich begründet, dieses Thema konkret und nicht nur theoretisch anzugehen.

Der Kirchengemeinderat (KGR) hat sich dieser Auffassung angeschlossen und seither in jeder Sitzung den Tagesordnungspunkt „Klimaschutz“ behandelt. Im Juni hat Herr Frehse einen ausführlichen Vortrag gehalten und damit den Impuls weitergegeben. Bereits in der Julisitzung hat der KGR dann einen wesentlichen Grundsatzbeschluss gefasst, aus dem ich zitieren möchte:

„Angesichts der konkreten Bedrohung der Schöpfung unseres Gottes erkennen wir den Klimanotstand an. Wir erklären uns mitverantwortlich für die Erhaltung der Schöpfung sowie der klimatischen und ökologischen Lebensgrundlagen für uns selbst und nachfolgende Generationen. Deshalb wollen wir schnellstmöglich und entschlossen die im Rahmen unserer Gemeindeaktivitäten verursachten Treibhausgasemissionen reduzieren. Wir sind uns der Werte- und Zielkonflikte, der personellen, finanziellen, materiellen und ideellen Anstrengungen bewusst, die dieser Beschluss nach sich zieht. Wir erkennen aber auch die Chancen.

Der KGR beschließt, das Thema Klimaschutz in den Mittelpunkt zu rücken. Das bedeutet:

  1. Zukünftig werden alle Abläufe und Entscheidungen auf Klimaneutralität geprüft Das betrifft insbesondere Heizung, Wärmedämmung, Stromverbrauch und den Bezug von wirklich grünem Strom und Wasserverbrauch.
  2. Bestehende Arbeitsprozesse und Vorhaben werden auf die Erreichung von Klimaneutralität hin überprüft.

Die Gemeinde verpflichtet sich, bis zum Jahr 2030 energisch zu versuchen, CO2-neutral zu werden.

In der Beschlussbegründung heißt es, „Wir sind uns dabei bewusst, dass das kein Fernziel ist. Wir beginnen jetzt mit dem Prozess. Wir sind davon überzeugt, dass viele Menschen auf konkretes Handeln im Bereich des Klimaschutzes warten und meinen, dass uns als Kirche ein Vorangehen gut ansteht. Und wir erhoffen, zu einer Haltungsänderung und einem Wertewandel hin zu nachhaltigem Gemeinwohl vor kurzfristiger Nutzen- Maximierung beizutragen, sowohl im individuellen als auch im gesellschaftlichpolitischen Bereich.“

Bereits im August ist dann der erste Umsetzungsvorschlag aus dem Bauausschuss beschlossen worden. Und er ist ebenso gravierend und einschneidend wie der Grundsatzbeschluss selbst: Wir haben uns mit den Möglichkeiten der konkreten Energieeinsparung bereits für diesen Winter beschäftigt. Wir haben beschlossen, diese Frage zu priorisieren. Aufgrund der Erkenntnis, dass allein die Absenkung der Heiztemperatur um zwei Grad nicht ausreichend sein werde, haben wir den Beschluss gefasst, in diesem Winter unsere Kirche überhaupt nicht mehr zu beheizen. Die Mitarbeitenden sind gebeten worden, die Konsequenzen aus diesem Beschluss zu bedenken und dem KGR vorzutragen. Dies bedeutet für uns als Gemeinde und Gottesdienstbesucher eine große Herausforderung. Wir werden im Winter unsere Mäntel im Gottesdienst anbehalten und vielleicht zusätzliche Decken benötigen etc..

Welche Veranstaltungen können noch durchgeführt werden? Müssen wir vielleicht bei strengem Frost auch für Gottesdienste ins Gemeindehaus umziehen? Und wäre das so schlimm? Lediglich der Küsterplatz soll noch gewärmt werden. Die Orgel und Bilder werden nicht leiden, da Innen- gleich Außentemperatur ist. Aber DIE Details sind noch nicht ausgearbeitet. Klar ist für den KGR und auch für mich selbst, dass die Erreichung der Klimaschutzziele ohne Einschränkungen und Umstellungen liebgewonnener Gewohnheiten und ein Verlassen unserer Komfortzone nicht gelingen kann. Wenn wir das nicht wollten, würden wir nur reden, aber nicht handeln. Wenn wir keine besonderen Anstrengungen unternehmen, kann Gottes Schöpfung für unsere Kinder und Enkel nicht bewahrt werden. Und wenn wir als Kirchengemeinde solche Schritte nicht umsetzen, von wem sollen wir es dann verlangen?

Deshalb bitte ich Sie als Gemeinde, die uns und dem Gottesdienst treu verbunden ist, um Verständnis für diese Beschlüsse des KGR und darum, sie mitzutragen und uns nicht deshalb den Rücken zuzuwenden (und einen Gottesdienst in einer geheizten Kirche zu besuchen). Am besten, Sie gestalten diesen eingeschlagenen Weg mit und engagieren sich persönlich im Klimabeirat des Kirchengemeinderates!

Ich grüße Sie alle herzlich
Wolfgang Müller, Vorsitzender des Kirchengemeinderates