Alle sieben Jahre können PastorInnen der Nordkirche eine Sabbath-Zeit beantragen: ein Vierteljahr für geistliche Erneuerung, wissenschaftliche Vertiefung oder Gesundheitsvorsorge. Bedingung ist ein entsprechendes Konzept und die Begleitung durch die pröpstliche Personal-Entwicklungs- Abteilung. Ist alles genehmigt, wird in der betreffenden Gemeinde vertreten: eine Pastorin oder ein Pastor kommt „mit 100%“, damit Pfarr-KollegInnen und MitarbeiterInnen wie Gemeinden nicht über das Maß belastet werden.

Solche Sabbath-Zeiten gehörten „immer“ zum geistlichen Amt – bis man in der Moderne meinte, das sei unwirtschaftlicher Luxus. Mit der Wiedereinführung reagierte die Kirche auf dramatische Krankenstände und geistliches Ausbrennen vieler Pfarr-Personen.

2013 war ich schon „mal weg“: Pilgern auf der „Via de la Plata“ (von Sevilla aus) und eine sogenannte „Visions-Suche“. Diese beiden Erfahrungen gehören bleibend zu den kostbarsten „Perlen auf meiner Lebensschnur“. Oft und oft habe ich – auch durch therapeutische Arbeit – etwas verstanden, was es dann anzuwenden galt. Halbwertszeit leider nur vergleichbar mit guten Vorsätzen zu Neujahr. Oder ich hatte „einen Level erreicht“, den es zu halten galt – mit vergleichbarer Nachhaltigkeit. Jetzt aber hatte sich in der „hardware“ etwas verändert. Wie wenn etwas Ungutes gestorben wäre und Gott Neues geschaffen hätte. (Warum eigentlich Konjunktiv? Ich habe es so erlebt!)

Nun werde ich im zweiten Quartal des Jahres daran anknüpfen: wieder eine Visions- Suche, wieder vorbereitet auf einem Pilgerweg. An die Seite meiner Kollegin, Pastorin Chang-Mi Dallat, kommt als Vertretung Pastorin Martina Meyer-Köhn.

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Unter „pilgern“ können sich die meisten wohl etwas vorstellen. Mir geht es dabei vor allem darum, Achtsamkeit und Aufmerksamkeit für „Zeichen am Wegesrand“ zu üben, die auch im Alltag zu Boten Gottes werden können. Wenn Gott wirklich „die alles umfassende Wirklichkeit“ ist – ein Versuch aus der Tradition der Mystik, das Geheimnis zu benennen – dann gibt es nichts Bedeutungsloses um uns herum. Eine „Visionssuche“ ist ein wiederentdecktes „initiatorisches Natur-Ritual“, durch das lebensbegleitend der persönliche Weg, die Frage nach dem eigenen Ich in Beziehung zu den Mitgeschöpfen, nach den eigenen Zielen geklärt und Übergänge gestaltet werden können. „Es gibt Zeiten in deinem Leben, da ist es nötig, alles hinter dir zu lassen. Zeit, hinauszugehen und mit Gott alleine zu sein, mit der Natur, mit ihren Wesen. Und an diesem einsamen Ort geht der Mensch auf Innenschau, erhält wie ein Geschenk Antworten, Klarheit, eine Vision, die er mit zurücknimmt zu seiner Gemeinschaft, auf dass sie weiter bestehen kann und blüht, und damit das Leben weitergeht.“ (Steven Foster). Kern eines solchen Rituals sind vier Tage und Nächte alleine, fastend in der Wildnis, die in einer Gruppe vor- und nachbereitet werden. Ich erlebe dieses uralte Ritual als eine Form der Tauf-Vergegenwärtigung, in der erlebbar wird, was die Taufe verheißt: neu geschaffen zu werden durch den Heiligen Geist (vgl. in der Bibel, Brief des Paulus an die Gemeinde in Rom, Kapitel 6).

Pastor Andreas Baldenius