(Ein kleiner Ausschnitt)

„Was für ein außergewöhnliches Jahr. Alles ganz verrückt. Nichts war und lief „wie immer“. Vieles musste anders, neu gedacht werden – immer wieder. Es braucht noch eine lange Zeit, bis diese Krise durchstanden ist.“ – so begann ich im letzten Jahr, und das könnte ich auch für 2021 sagen – mit einem großen Unterschied: Inzwischen können wir uns wieder sehen und treffen, gemeinsam Gottesdienst in der Kirche feiern.

Eigentlich mag ich das Wort „Lockdown“ gar nicht mehr in den Mund nehmen: immer wieder neu überlegen: In welcher Form kann was stattfinden? Gemeindearbeit anders denken, die Bedarfe unterschiedlicher Menschen beachten, moderne Medien nutzen, alte konsequenter pflegen – in alle Richtung wurde gedacht.

Ende 2020 kam eine Gruppe von KirchengemeinderätInnen und Hauptamtlichen zusammen, um „Mutmachaktionen“ besonders während der dunklen Monate zu planen: von der Briefaktion über Hoffnungsblüten in der Kirche bis zum „anderen Suppentopf“ – viele Menschen konnten wir dadurch begleiten. Die „Gottesdienste für Zuhause“ (PDF) mit dem „Lied des Sonntags“ (Video) wurden gut angenommen, manche verschickten sie sogar. Die Passionsandachten als Film verbanden verschiedene Generationen – Konfis bis hin zu 90plus waren daran beteiligt. Tolle Podcasts kamen hinzu. An Ostern gab es Filme, Verteilaktionen vor Ort, OsterWUNDERtüten – besonders der Osterspaziergang wurde von den Familien gern angenommen.

Hoffnungsblüten
Viele Menschen hängten ihre bunten Hoffnungsblüten an den Baum vor unserem Altar.

Viele Gruppen trafen sich digital, hielten einfach so Kontakt, kümmerten sich umeinander. Einige lernten extra den Umgang mit Smartphone und Co.: So sah man den Senioren-Ausschuss, wie er sich einzeln in den Räumen des Alten Pastorat sitzend austauschte. Über das persönliche Verteilen von Tüten und Briefen sprachen wir mit den SeniorInnen und den Familien. Durch unseren „Hofboten“ Rainer Bordier, der viele Geburtstagsbriefe zustellt, und anderen Ehrenamtlichen hörten wir voneinander und konnten bei Bedarf reagieren. Der Besuchsdienst wurde während des Lockdowns zum Telefondienst. Die Seniorenheime hatten einige Zeit ihre Türen geschlossen – aber nicht ihre Fenster: Die „Balkonkonzerte“ unserer Posaunen, die vor unterschiedlichen Heimen spielten, waren für alle eine große Freude und Trost. Sobald es möglich war, konnten wir dort wieder Gottesdienste feiern und den Gesprächskreis anbieten; Seelsorgerliche Begleitung war immer möglich. Taufen und Trauungen wurden verschoben oder ganz abgesagt – die Koordination der vielen Anfragen im Büro war nicht einfach. Vor allem konnte keine langfristige Auskunft gegeben werden, wann wie gefeiert werden durfte. Konfirmationen mussten verschoben werden. Vor allem war der Unterricht per Videokonferenz keine gute Option für die Konfis, deren Konfizeit eigentlich durch das gemeinschaftliche Erleben geprägt sein sollte.

Unvergesslich jedoch die Gartenkonfirmationen, die durch das fantastische Konfiteam ermöglicht wurden, ebenfalls die Stationen-Konfirmationen um die Kirche herum. An Pfingsten konnten auch „die Großen“ Stationen-Gottesdienst in den Gärten feiern.

Endlich – Mitte 2021: Gottesdienste in Präsenzform! Zwar mit Abstand und Maske, aber wieder in der Kirche! Die Sommerkirche des Kirchspiels fand statt. Alles noch mit Vorsicht – doch es kehrte wieder Leben in unseren Räumen ein. Das Zeltlager- Team fuhr wieder los, Ferienprogramm bei uns mit Kindern. Wir feierten die Einschulung der Erstklässler, auch in Bugenhagen, weil dort noch die Pastorenstelle vakant war. Im zweiten Halbjahr endlich wieder Chorproben: Wenige haben aufgehört, andere trauten sich noch nicht, manche sind dazugekommen – aber wieder gemeinsam singen, anfangs in Kleingruppen: herrlich! Außergewöhnlich waren die Kunstinstallation „ÜberLeben“ und die Lesung dazu, die EscapeChurch (die letzte Mutmachaktion) oder der Antirassismus-Workshop.

Gottesdienste und die Freitagsandachten feiern wir unter „0G“-Bedingungen, Veranstaltungen finden unter „2G“- und „3G“Option statt – doch die nötigen Sicherheitsbedingungen müssen durch HelferInnen abgedeckt werden… – da sind wir noch auf der Suche nach weiteren Ehrenamtlichen.

Es war ein turbulentes Jahr, das manche Haupt- und Ehrenamtliche sehr an Grenzen gebracht hat: Mit jeder Rechtsverordnung, die teilweise alle 14 Tage neu herauskam, mussten wir Geplantes umschmeißen, Sicherheitskonzepte besprechen, dabei den Kontakt halten und Menschen begleiten – das war eine große Herausforderung. Viel Frust, Wut, Enttäuschung, Unmut, dass vieles Gewohntes nicht möglich ist – verständlicherweise. Astrid Hildebrandt und ich als Geschäftsführung versuchten, alle zu beraten und vom KGR Beschlossenes umzusetzen. Da Frau Graetzer für eine längere Zeit ausfällt, müssen wir uns intern anders organisieren. Dankbar sind wir für die Vertretungen, besonders für die nachbarschaftliche Unterstützung von St. Michael im Büro.

Dieses Jahr zeigt uns aber auch viele Schätze, die wir entdecken: tolle, hilfsbereite Menschen, kreative Ideen, neue Möglichkeiten und Themen, spannende Blicke über den Tellerrand, weitere KooperationspartnerInnen.

Dankbar sind wir allen, die unter diesen Bedingungen mitmachen, mitgestalten, helfen und damit vieles ermöglichen. Allen Haupt- und Ehrenamtlichen ein von Herzen kommendes Dankeschön! Danke euch, liebe Gemeinde, dass ihr euch im Blick habt und auf euch gegenseitig Rücksicht nehmt. Wir alle gehören dem einen Leib an, der viele Glieder hat, dessen Haupt Christus ist.

„Gott hat uns gegeben den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2.Tim 1,7b) Dieser Geist soll uns auch begleiten durch das Jahr 2022.

Ihre und eure Pastorin Chang-Mi Dallat