Pilgerweg

… hat mich meine Wanderfreundin Janka im Sommer lerzten Jahres auf dem Lohbrügger Markt gefragt. „Na klar!“, habe ich spontan vor Karins Obststand geantwortet.

Eigentlich kümmere ich mich seit elf Jahren um die Grafik des Gemeindebriefes und trage (bis auf die Kinderseite) nichts zum Inhalt bei. Dieses Mal ist es anders ¹, denn ich habe mich tatsächlich am 24. Juli mit meiner Freundin zu Fuß auf den Weg von Stade nach Rom gemacht. Wir gehen den Weg des Abtes Albert von Stade, der diese Strecke im Jahr 1236 zurück-gelegt hat: ca 2.000 km / 90 Tage / 20 – 30 km pro Tag / 14 kg auf dem Rücken (letzte Angabe ist nicht überliefert). Das sind die Eckdaten.

Drei Monate vom Job frei zu bekommen, war nicht so einfach, aber es hat dann doch geklappt. All die Lieben zu Hause zu lassen, ist auch nicht leicht, aber dank WhatsApp und Co. bleibt man in Verbindung. Schon oft bin ich mit Janka in den Alpen unterwegs gewesen, aber Pilgern ist nicht Wandern. Ich merke, es ist mehr als eine sportliche Herausforderung; als alte Agnostikerin suche ich eigentlich nicht nach einer spirituellen Erfahrung. Vielmehr wollte ich raus aus dem Alltag, rein in meine Mitte und aber ich stellte mir auch die Frage: Kann ich das?

Unsere Unterkünfte sind einfach, wir schlafen in Pfarrämtern, zelten in Pastorengärten, auf Zeltplätzen oder in Freibädern. Wenn wir viel Glück haben, rollen wir unsere Schlafsäcke in Klöstern und Pilgerherbergen aus. Manchmal wissen wir nicht, wo wir abends landen. Gut fühlt sich das an. Ganz frei. Wir nehmen das, was wir bekommen – auch das „Annehmen“ will gelernt sein.

Nun sind wir schon 32 Tage unterwegs, ich sitze im Kloster Maria de Victoria in Fremdingen (Bayern) und ich habe die Worte von Schwester Liselotte im Ohr: „Möge der Herrgott euch auf eurem Weg behüten. Und nehmt mich a bissl mit nach Rom!“ Ob der Herrgott uns behütet? Ich kann es nicht sagen.

Was ich aber weiß: Türen und Herzen gehen auf. Menschen laden uns ein, mit ihnen zu reden und zu essen, sie teilen ihre Wünsche und Sorgen mit uns. Sie sind interessiert an uns und unserem Weg. Und dann gehen wir weiter. Wir werden tatsächlich behütet von all den lieben Menschen, denen wir auf unserem Weg begegnen. Sie tragen uns nach Rom. Das kann ich sagen.

Julia Weißenhorner

Wir pilgern für uns… aber auch für einen guten Zweck!
Begleiten Sie uns gerne auf unserer Reise unter www.jaundju.de oder auf Instagram: @janka.und.julia