„Habt ihr Geld für ein Frühstück?“, fragt der Mann mit zerrissener Hose und schmutzigem T-Shirt. „Habt ihr gefrühstückt?“, hakt er nach. Wir schütteln den Kopf. „Dann kommt! Ich weiß, wo wir gut frühstücken können.“, freut er sich. Wir gehen mit. Vorsichtig, verwirrt und neugierig zugleich. „Geht nachts nie zum Strand!“, wurden mein Mann und ich gewarnt. „Dort ist es gefährlich. Da sind Wanderarbeiter.“

Schon auf der Hauptstraße fühlten wir uns mulmig, an der wir von zwielichtigen Gestalten für wenig Geld süße rauchige Träume hätten kaufen können. Und einem eben solchen Wanderarbeiter folgen wir gerade. Mein Mann spricht Spanisch, ich kann nur ein wenig verstehen.

Der Akzent des Mannes ist kaum verständlich für uns. So sitzen wir draußen, auf Plastikstühlen und essen – irgendwo am Rande eines Dorfes in Costa Rica. „Woher kommt ihr?“ „Aus Deutschland.“ „Ah“, meint er. Und er erzählt: Von seiner Familie in Nicaragua, von seiner harten Arbeit auf den Feldern, nie wissend, wann er das Mal etwas verdienen kann, über sein (Über-)Leben auf der Straße, über wild wachsende Mangos und Bananen, über die „Gringos“ (abfällige Bezeichnung der US-AmerikanerInnen), die aus seiner Sicht Wirtschaft und Umwelt der lateinamerikanischen Länder zerstören.

Wir kommen aus unterschiedlichen Welten und Lebenswirklichkeiten. Ein jeder von uns ist jedoch Vorurteilen und Klischees ausgesetzt: Der reiche Weiße, der eine Asiatin gekauft hat; der arme Arbeiter, der Touris bestiehlt; der Deutsche, der Nazi ist; die Pastorin, die alle missioniert; der Lateinamerikaner, der Drogen vertickt. Wir wissen: Sie sind falsch. Es sitzen einfach drei Menschen zusammen, essen, verstehen die gesprochene Sprache des anderen nicht, und doch verstehen sie. Er verabschiedet sich fröhlich und geht. Und ich frage mich, wer von uns satter geworden ist…

„Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.“ (Mt 25,35)

Liebe Gemeinde, ich wünsche euch spannende Begegnungen, wenn ihr unterwegs seid – mit fremden Menschen in fernen Ländern und nahen Welten.

Eure/Ihre Pastorin Chang-Mi Dallat