Es war einmal ein Bauer, der steckte sich jeden Morgen eine Handvoll Bohnen in die linke Hosentasche. Immer, wenn er während des Tages etwas Schönes erlebt hatte, nahm er eine Bohne aus der linken Hosentasche und packte sie in die rechte… und jeden Abend, bevor er ins Bett ging, schaute er die Bohnen in seiner rechten Hosentasche an, zählte sie, erinnerte sich an die schönen Momente des Tages und schlief glücklich und zufrieden ein. (Verfasser unbekannt).

Der Bauer erinnert sich jeden Abend an seinen „Bohnen-Moment“ und macht sich so sein Glück bewusst. Doch um sich abends an diese Momente erinnern zu können, muss man sie überhaupt erstmal erkennen können. Oft fällt uns das schwer. Wir sehen die vielen schlimmen Nachrichten in der Welt, sind gestresst vom Alltag und betrübt von den immer kürzeren und dunkler werdenden Tagen. Wo ist denn nun das Glück? Heißt es nicht, es liegt auf der Straße? Wo sind die Momente, für die wir eine Bohne in die rechte Hosentasche legen können? Wo ist das Schöne, das Fröhliche, das pure Glück? Es ist DA. Es liegt direkt vor unseren Augen und wir können selbst entscheiden, ob wir hinsehen oder wegsehen, ob wir zugreifen oder es vorbeiziehen lassen. Es sind meist die kleinen Dinge, die uns ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Das Lachen eines Kindes, ein versteckter Sonnenstrahl am Himmel, das Guten-Morgen eines Nachbarn, die selbstlose Hilfe eines Freundes. Es ist so viel Glück in unserer Welt. Wenn wir unsere Augen und unser Herz öffnen, können wir es sehen.

Wir leben in einem sicheren Land, haben Essen und Trinken, ein gutes Gesundheitssystem. Das ist pures Glück. Vielen Menschen auf der Welt geht es nicht so. An Erntedank danken wir traditionell für die Ernte. Der Klimawandel und die vielen Naturkatastrophen führen uns inzwischen immer mehr den Wert der Umwelt und Landwirtschaft vor Augen. Die Äpfel und Kürbisse, die Birnen und Körner, das frische Brot, der Mais… Das alles ist nicht selbstverständlich. In jeder einzelnen Frucht stecken so viel Mühe und Zeit, für jedes Gemüse bedarf es viel Regen, Sonne und Segen. Wir können dankbar sein für das, was Gott uns schenkt. Für jedes kleine Pflänzchen, das sich entwickelt und gedeiht. Für jede Saat, die aufgeht und uns eine Ernte bringt.

All diese „Glücksbohnen“ sind Grund zur Freude und zur Dankbarkeit. Dankbarsein macht glücklich. Und gleichzeitig können wir selbst etwas tun, jeden Tag, damit wir uns noch lange zu Erntedank freuen können und all das kleine und große Glück erkennen. So wie der Bauer, wenn er abends zufrieden einschläft.

Eure Diakonin Yvonne Brysinski
und Nadine Schleicher