So werden wir zu Weihnachten wieder in der Kirche hören: Die Verheißung des Friedenskönigs, die wir in der Geburt des Kindes erfüllt sehen. Die Frucht seines Handelns wird Friede sein: nicht nur unter den Menschen, sondern, idealisierend „gemalt“, umfassend in und für die ganze Schöpfung.

Seine Herrschaft wird im Hebräischen mit demselben Wort beschrieben wie die „Herrschaft“ des Menschen über die Mitgeschöpfe im Schöpfungs-Hymnus ganz am Anfang der Bibel. „Machet euch die Welt untertan“ (vgl. 1. Mose 1,28) heißt nämlich genau das: Als Anwalt der Gerechtigkeit und des Friedens der Diener nicht nur der Menschen, sondern der ganzen Schöpfung sein.

Jahrhundertelang haben wir die „Herrschaft des Menschen über die Schöpfung“ anders verstanden. Wir sind gewohnt, den Menschen als „die Krone der Schöpfung“ zu verstehen, der Tiere, Pflanzen und den Elementen gegenübersteht: hier der Mensch, dort die Natur. Die wird dann als gefährlich wahrgenommen. Gar als feindlich. Und gnadenlos „beherrscht“.

Die Wurzel einer solchen Betrachtung liegt in der Philosophie des Descartes (17. Jahrhundert). Ihm und seinen Weggefährten verdanken wir die Aufklärung.

Ein gefährlicher Webfehler dieses neuzeitlichen Denkens ist jedoch der Riss zwischen uns Menschen und der Natur, der mit ihm entstanden ist. Descartes unterschied nämlich zwischen den Menschen als „res cogitans“, denkende Materie, und allem Übrigen als „res extensa“, also schlicht „Ding“, das irgendwie Ausdehnung hat, Objekt halt – sonst aber nichts. Auch der andere Mensch.

Was dieser Webfehler aufklärerischen Denkens verursacht hat, ist heute am Tage: Wir haben so konsequent Mitmenschen und andere Mitgeschöpfe zu Objekten gemacht, die wir „uns untertan machen“, dass wir dabei sind, unsere Menschengemeinschaft widerstreitenden Interessen zu opfern und mit der „Umwelt“ die eigene Lebensgrundlage zu zerstören.

Die Botschaft des Friedenskönigs zu Weihnachten rückt die Dinge zurecht: Menschen und übrige Natur stehen als Schöpfung gemeinsam – ohne jeden Rangunterschied zwischen verschiedenen Arten! – dem Schöpfer gegenüber. Und finden ihre Selbstverwirklichung im „Mit- Sein“ mit allem, was da ist: ob Mensch, Tier, Pflanze, Stein, Wasser, Luft… „Ein jedes nach seiner Art“, wie der Schöpfungs- Hymnus (nicht: „Schöpfungs-Bericht“!) am Anfang der Bibel besingt.

Pastor Andreas Baldenius