Liebe Gemeinde! Wisst ihr noch, wann ihr das letzte Mal ganz bewusst „Danke“ gesagt, wann ihr selbst ein „Danke“ bekommen habt? Könnt ihr euch an Momente erinnern, in denen ihr ein Gefühl von Dankbarkeit in euch verspürt habt?

In einem Bericht, den ich zufällig in den Social Media gesehen hatte, wurde das Dankbar-Sein als Methode gegen Depressionen empfohlen. Welchen psychologischen Effekt dies hat, ist eigentlich kein großes Geheimnis – eigentlich…

Die Bibel hat u. a. eine ähnlich kluge Strategie: Das Beten von Psalmen. Psalmen geben uns blumige Worte und eindrucksvolle Bilder, dass wir wunderbar klagen können. Natürlich können wir gleich einen Dankpsalm beten; aber eindrücklicher ist es, wenn wir erst einmal klagen, jammern, weinen, wüten können – all das darf seinen Raum haben, ausgelebt werden. Mittendrin jedoch wendet sich der Psalm, manchmal fast unmerklich, und betont das Dankbar-Sein gegenüber Gott, für seine Werke und Schöpfung, für seine Weisheit und sein Handeln.

Alles kommt in den Psalmgebeten zusammen: Das Dankbar-Sein als Methode, um mit Krisen und Krankheit umgehen zu können. Psalmen geben uns Worte, damit wir unser Innerstes be-greifen können. Und wir sprechen jemanden, Gott, an, dem wir alles sagen können.

Wir haben nicht alles im Leben in unserer Hand – das merken wir besonders in diesen Tagen. Das wissen wir, doch macht uns diese Unverfügbarkeit und das Ausgeliefertsein oft rat- und hilflos. Gut, wenn jemand da ist: einer, der mir zuhört, der mit mir lacht und weint. Gut, dass ich mich auf Gott verlassen kann, dass er mich hält, wenn ich schwach und mutlos bin.

Es ist nicht immer leicht, zu danken, dankbar zu sein. Es gibt dunkle Momente in unserem Leben, die uns bedrücken und die an uns zerren. Aber gerade in solchen Phasen tut es ab und zu gut, „Danke“ zu sagen. Es bedeutet nämlich, dass man auf die Dinge schaut, die man kann und hat, dass man an Menschen denkt, die mit einem gehen. Und das kann oft mehr sein, als man anfangs vermutet. Das ist kein „Schönreden“, aber manchmal brauchen wir diesen Perspektivwechsel. Dann erscheint uns dabei das Leben wieder bunter und vielfältiger – und es eröffnen sich auf einmal neue Wege. Es reicht ein erstes kleines „Danke“, um weitere kleine zu entdecken. Gottes Segen dabei!

Eure Pastorin Chang-Mi Dallat