Pause am Straßenrand. Die „rough roads“ – unbefestigte Straßen – sorgen für enormen Verschleiß.

Fünf Jahre lang ist er gelaufen: der Bus, den die Verantwortlichen in unserer Partnergemeinde Mbigili mit unserer finanziellen Unterstützung gekauft haben. Zur Erinnerung: Mit seiner Hilfe konnte eine tägliche Verbindung von Mbigili in die nächste größere Markt- Stadt Tukuyu eingerichtet werden, wo es auch Behörden und Einkaufsmöglichkeiten für Produkte gibt, die nicht selbst produziert werden können. Von dort fuhr er noch weiter nach Mbeya, einem Oberzentrum in Süd-Tanzania – und abends zurück. Das war ein enormer Fortschritt für die ganze Region, gab die Möglichkeit, eigene Erzeugnisse zu verkaufen und Anschluss an wichtige Infrastrukturen zu haben. Außerdem wurde eine bezahlte Festanstellung für einen Fahrer geschaffen.

Was nicht gelungen ist: das Projekt betriebswirtschaftlich so zu gestalten, dass der Bus sich selbst trägt mit allen Betriebs-, Personal- und Wiederbeschaffungskosten. Erst recht wurde er nicht zur Einnahme-Quelle der Gemeinde. Zuletzt mussten sogar Mittel zu seiner Instandhaltung eingesetzt werden, die eigentlich für die Beschaffung eines Lastwagens gedacht waren.

Dadurch entstehen eine Reihe von Fragen: Kann so ein Projekt wirklich nicht selbsttragend bewirtschaftet werden? Gehen wir bei dieser für uns so selbstverständlichen Vorstellung von falschen Voraussetzungen, die Strukturen betreffend, aus? Gibt es einen kulturellen Unterschied, der eine solche Denke unseren PartnerInnen fremd macht?

Wenn das so ist: Was bedeutet es für unsere Zusammenarbeit? Wollen wir unter anderen Voraussetzungen das Projekt weiterhin mit-finanzieren? Wie wirkt sich der einseitige Geld-Fluss von Bergedorf nach Mbigili auf unsere Partnerschaft aus? Was für ein „Gegengewicht“ könnte es geben?

Gibt es etwas zu lernen für uns dabei?

Welchen Aspekt einer anderen als betriebswirtschaftlichen Organisation könnte es geben, der unsere Praxis bereichern könnte? Wo ist vielleicht unser Blick eingeschränkt? Welche anderen Kriterien als wirtschaftliche könnte es für die Erfolgsanalyse eines solchen Projektes geben? Klar ist: Der erste Bus ist abgängig und ein neuer muss beschafft werden. Was nicht infrage kommt, aus unserer Sicht, vor allem aber auch für unsere PartnerInnen: das Projekt ohne sorgfältige Erwägung einzustellen.

Weil unsere PartnerInnen uns konkret um Hilfe gebeten haben in dieser Situation, hat der Kirchengemeinderat also auf Vorschlag seines „Partnerschafts- Ausschusses“ einen Zuschuss von 7.500 € beschlossen.

Voll besetzt auf dem Weg nach Matema.

Die Mittel waren im Fonds für die Partnerschaft zweckgebunden und ausreichend vorhanden. Sie stammen aus Erlösen des Martinsmarktes, der Bücherverkäufe des Partnerschaftsausschusses und Privatspenden. Kirchensteuer-Gelder sind darin nicht enthalten. Da die Kirchengemeinde in Mbigili mehr als das Doppelte bereits gesammelt hatte, sind Beauftragte der Gemeinde gegenwärtig in Dar-es-Salam, um einen neuen Bus auszuwählen.

Vor allem aber haben wir uns vorgenommen, diesen Anlass interkulturellen Lernens und die Möglichkeit zur Reflexion der Ziele und Mittel unserer Partnerschaft eingehend zu nutzen. Also stellen wir den PartnerInnen Fragen rund um das Projekt, wie es bisher gelaufen ist und zu der Vorstellung, die wir von seiner Umsetzung haben. Ganz sicher werden diese Themen auch Bestandteil unserer Begegnung sein, auf die wir uns in 2022 freuen: Da ist eine Delegation aus Mbigili nach Bergedorf eingeladen! In diesen Wochen beginnen wir hüben und drüben mit der Planung!

Pastor Andreas Baldenius
für den Partnerschaftsausschuss