... dass Epitaphe Gedenkbilder sind? In unserer Kirche hängen sieben Epitaphe. Sechs von ihnen erinnern an Pastoren, die hier gewirkt haben. Nur eines Nicht- Geistlichen wird in der Kirche gedacht. Die lateinische Beschriftung fasst sein Leben zusammen und nennt auch die Stifter des Epitaphs:

Dem Erlöser Christus
von den Toten ruhmvoll auferstanden
Im Gedenken an den sehr vornehmen
und hochgelehrten
Herren Johannes Reimbold Lizentiat
beider Rechte (Inh. der Lehrbefugnis
für Kirchenrecht und weltliches Recht)
Des Verwalters des
Verwaltungsbezirks Bergedorf
der 36 Jahre höchst zuverlässig
(gedient hat) geboren 1645 13. Juli
gestorben 1713 8. November
trauernd und betrübt haben dieses
Monument/Denkmal gesetzt
die sehr traurige Witwe Gertrut Reimbold
geborene Moller und die übrigen
(übriggebliebenen) Kinder
1

Johannes Reimbold wurde auch in der Kirche bestattet. Der Stein, der das Grab bedeckte, steht heute außen am Chor der Kirche. Seine Inschrift ist jedoch nicht zu sehen, weil seine Familie die Grabplatte von Hermann Schuldorff, seinem Amtsvorgänger, wiederverwendete. Dessen Inschrift ist heute sichtbar, die Inschrift für Johannes Reimbold findet sich auf der Rückseite.

Die untere Hälfte des hölzernen Epitaphs bildet einen architektonischen Sockel mit reicher barocker Schnitzerei. Ganz unten ist das Wappen der Familie zu sehen. Die Schrifttafel darüber wird seitlich von Voluten mit Vasen eingefasst. Darauf steht das ovale Brustbild in geschnitztem Rahmen flankiert von Figuren der Gerechtigkeit rechts und des Friedens links. Der auferstandene Christus, der sich über ein Gerippe auf einem Sockel erhebt, krönt das Epitaph. Die Schnitzerei ist schwarz grau golden gefasst, nur die glatten Flächen erscheinen in dem rötlichen gemalten Marmor, der auch die Farbigkeit des Altars bestimmt.

Reimbolds Porträt wurde von Hans Hinrich Rundt gemalt und zeigt einen recht jungen Mann. Man ging davon aus, dass es um 1710 entstanden sei. Damit passte es nicht in die stilistische Entwicklung seiner Malweise. Die Forschungen zu Maler Rundt von Dirk Krützfeldt ergaben, dass Reimbold zu den ersten Kunden von Hans Hinrich Rundt in Hamburg gehört haben kann. Er ließ sich mit etwa 45 Jahren von ihm malen, also um 1690.

Das Bild, das wohl in seinem Haushalt aufbewahrt worden war, fand bei seinem Tod in seinem Epitaph seinen endgültigen Platz. Das Porträt von Pastor Caspar Wringer, das im Brauthaus hängt, wurde ebenfalls von Rundt gemalt. Es zeigt einen alten Mann, dessen Aussehen zu seinem Sterbedatum passt. Er starb 1710 im Alter von 78 Jahren.

Dr. Charlotte Klack-Eitzen
  1. Die Übersetzung aus dem Lateinischen besorgte Christiane Bertram.
  2. Dirk Krützfeldt stellte uns seinen Eintrag zur Verfügung, der im AKL (Allgemeinen Künstlerlexikon, De Gruyter, Band 100) über Rundt, Hans Hinrich (Johann), dt. Maler, *um 1660 Hamburg, †um 1750 (?) ebd. veröffentlicht ist. Freundlicherweise fügte er weitere biographische Angaben zu Reimbold hinzu, die seine These wahrscheinlich werden lassen. Die ausführliche Korrespondenz stelle ich gern zur Verfügung.