... dass die Bergedorfer Prominenz besondere Plätze in der Kirche einnehmen durfte?

Ein Foto von vor 1910 zeigt an der Nordseite des Kirchenraums zwei sogenannte Lauben, deren Brüstung mit einem neugotischen Gitter geschmückt ist. Die eine, rechts neben der Hintertür, ist der heute noch erhaltene „Landherrenstuhl“.

Seit dem 15. Jahrhundert verwalteten Ratsherren bzw. Senatoren der Städte Hamburg und Lübeck bis 1867 gemeinsam das Amt Bergedorf. Diese „Landherren”, die im sechsjährigen Wechsel entweder für Lübeck oder Hamburg die Verwaltung im Schloss leiteten, konnten an den Gottesdiensten in St. Petri und Pauli im Landherrenstuhl teilnehmen.

In das bekrönende Brüstungsgitter ist ein geschnitztes, von Löwen gehaltenes Hamburger Wappen eingefügt. Da bis 1867 das „beiderstädtische Wappen“, eine Kombination aus Hamburger und Lübecker Wappen, in Bergedorf benutzt wurde, muss es danach angebracht worden sein. Vermutlich im Zusammenhang mit dem Heizungseinbau im Jahre 1880, als die Grabplatten aus der Kirche entfernt wurden, und der Altarraum umgestaltet wurde.

Der Kirchenraum vor 1910

Links neben der Tür ist auf dem alten Foto eine weitere Laube zu sehen. Hier saßen die Mitglieder des Kirchenvorstands. Dieser herausgehobene Sitz wurde im Rahmen der umfangreichen Renovierung im Jahre 1957 entfernt und durch zusätzliche Bänke ersetzt.

Dr. Charlotte Klack-Eitzen