... dass man bei genauer Betrachtung auch auf den einfacheren Emporenbildern Interessantes entdecken kann?

Passend zur Weihnachtszeit soll das Bild von der Anbetung der Hirten an der Brauthausempore im Mittelpunkt stehen. Erst bei seiner Beschreibung fallen besondere Details ins Auge.

Wir blicken in einen baufälligen Stall mit zwei großen Öffnungen, durch die man nach draußen schaut.

Links öffnet sich die Mauer in einem Rundbogen, und man kann in der Ferne ein kleines Häuschen unter dunklem Himmel und eine weiße Engelsgestalt erkennen, die aus einer hellen Himmelsöffnung zu kommen scheint. Die Szene soll sicher die Verkündigung von Christi Geburt an die Hirten andeuten. Die rechte Öffnung zeigt den Blick aus der Stalltür, deren untere Hälfte durch eine Holzklappe verschlossen ist. Vor blauem Himmel ist ein imposantes Gebäude mit mehreren Etagen, gegliedert durch Rundbögen und flache Säulen, zu sehen. Was für ein Bauwerk könnte damit gemeint sein? Ein Blick in die Zukunft? Jesus in Jerusalem?

Die Anbetung findet in einer Ecke statt. Im Hintergrund sind Ochs und Esel zu sehen, die sich der Krippe in der Mitte zuwenden. Maria sitzt im Zentrum des Bildes und enthüllt das kleine Wickelkind, das auf Tüchern auf dem Stroh liegt. Die beiden sind in hellen Farben gemalt. Das Licht soll vor allem vom Kind ausgehen, aber auch von einer Kerze, die Josef, der am linken Bildrand sitzt, in der Hand hält. Seine uns zugewandte Gesichtshälfte liegt im Dunkeln, und er wirkt dadurch dunkelhäutig, aber seine linke Hand, die die Kerze hält und seine Oberschenkel sind hell erleuchtet. Auf diesen Effekt, dass Licht von dem in weiße Windeln gewickelten Kind und von der Kerze ausgeht, hat der Maler großen Wert gelegt. Es beleuchtet auch die sich nähernden Hirten und verursacht Schatten in den ihm abgewandten Partien.

Ich finde es bemerkenswert, dass der Maler versucht, einen Effekt zu verwenden, durch den der Maler Georges de la Tour berühmt geworden ist. Sein Bild von der Anbetung der Hirten wurde etwa 1644 gemalt, gar nicht so lange vor den Bildern an unserer Empore. Das Bild ist auf der Rückseite des Heftes abgedruckt. Schon vorher hatte sich der Maler Caravaggio mit dramatischer Lichtführung in seinen Bildern beschäftigt. Seine Art zu malen wurde in vielfältigen Varianten vor allem durch niederländische Maler aufgegriffen und bei neuen Kompositionen verwendet. Wer weiß, ob „unser“ Maler solche Bilder vor Augen hatte ...

Dr. Charlotte Klack-Eitzen