… dass die Bilder in unserer Kirche mehrfach ihren Platz gewechselt haben?

In Urkunden ist immer wieder von Kirchenrenovierungen die Rede, allerdings nicht von den Bildern. Erstmals 1897 wird die Abnahme der Emporenbilder erwähnt. Gemeint sind die Tafeln rechts und links vom Altar und die der Empore im Brauthaus. Sie werden der Museums- sammlung des Bürgervereins übergeben, die im Gasthof „Stadt Hamburg“, heute „Blockhaus“, aufbewahrt wurde. Wie die Bilder unter der Orgel werden sie durch ornamentale Malerei ersetzt. Nur die an der Nordempore bleiben an Ort und Stelle. Georg Behrmann erinnert sich daran, wie die Tafeln rechts und links vom Altar vorher angeordnet waren: „Auf der rechten Seite sah man Szenen aus dem Leben Salomos und die Wappenschilder des Amtsverwalters Reimbold und seiner Frau; auf den Bildern links waren vier neutestamentliche Darstellungen: die Kreuz- abnahme, Jesu Begräbnis, die Auferstehung und die Himmelfahrt Jesu. Darunter las man: „Gott zu Ehren, unser Kirche zur Zierde hat Frau Magdalene Bartels dieses vermahlen lassen. Anno 1669“ (Georg Behrmann, Die St. Petri- und Pauli-Kirche in Bergedorf. Bergedorf 1921. S. 46-48.)

Erst 1926 werden die Bilder restauriert und in veränderter Anordnung wieder angebracht. ² Die Bilder, die vom Leben Jesu erzählen, schmückten dann die Empore rechts und links vom Altar. Die Passionsgeschichte war an der Empore im Brauthaus zu sehen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die große Altartafel aus Angst vor Bombenschäden zusammen mit der Kanzel ausgebaut. Ein altes Foto aus dieser Zeit lässt nur ornamentale Malerei an der Altarempore erkennen, die sich vielleicht noch heute hinter den Holztafeln befindet. Spätestens nach den großen Renovierungsmaßnahmen 1956 wurden beide Emporen so bestückt, wie man es vor dem Krieg gewohnt gewesen war. In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts konnte die Gemeinde mit Hilfe einer großzügigen Spende alle Emporenbilder nach und nach restaurieren lassen. Eine neue Anordnung setzte andere Schwerpunkte.

Leider konnten die alttestamentlichen Bilder an Nord- und Orgelempore in keine sinnvolle Reihenfolge gebracht werden, weil ihre Anbringung in der Brüstung wegen leichter Unterschiede nicht verändert werden konnte. Aber die Bilder an der Altarempore und im Brauthaus wurden getauscht. Inhaltlich passend zur großen Kreuzigung der Altartafel wurde die Passionsfolge rechts und links von ihr angebracht. Die Wappentafeln der Familie Reimbold wurden dem Museum übergeben und die beiden leeren Felder mit zwei Darstellungen aus dem Leben Jesu aufgefüllt. Sie stechen durch ihre volkstümliche Darstellungsweise aus der Reihe heraus. In der Geschichte des Lebens Jesu im Brauthaus fehlt deswegen die Kreuztragung und die Kreuzigung.

Alle 41 Bilder wurden während der Restaurierung von Gemeindemitgliedern in sehr interessanten Betrachtungen im Gemeindebrief behandelt. Die Texte zeigen die sehr unterschiedliche und dabei fruchtbare Auseinandersetzung mit dem Bilderschmuck in unserer Kirche. So war die ganze Gemeinde in den Entscheidungsprozess bei der Gestaltung unserer Kirche einbezogen.

Dr. Charlotte Klack-Eitzen