... dass die Eichenplatte, die auf dem Altartisch liegt, aus einem alten Kirchenbalken gefertigt wurde?

Im Westen, in Höhe der dicken Stützbalken unter der Orgel, quert ein dicker Eichenbalken das Kirchenschiff. Hier musste früher eine Stufe überwunden werden. Der hintere Teil der Kirche lag deutlich höher. Die grundlegende Sanierung im Jahr 1956 bot die Gelegenheit, diese Stolperfalle auszumerzen.

Der Balken konnte aus statischen Gründen nicht völlig entfernt werden, aber man sägte zwei ca. 90 cm lange Stücke jeweils in den Durchgängen zwischen den Kirchenbänken heraus. Die beiden mas- siven Blöcke eigneten sich hervorragend dazu, in ca. 4 cm dicke Bretter aufgesägt zu werden. Diese Bretter wurden mit Nut und Feder zusammengefügt und mit etwa 2 cm dicken Brettern unterfüttert. Seit 1956 bilden sie die eindrucksvolle Altarplatte aus massivem Eichenholz, die auf dem 1956 aufgemauerten Altarblock liegt.

Altarplatte
Der Riss in der Altarplatte

Aufgrund von Feuchtigkeitsschwankungen entstand ein breiter Riss in dieser Platte, der mehrfach geflickt wurde, allerdings ohne dauerhaften Erfolg. Am Gründonnerstag, wenn der Altar „entkleidet“ wird, um ihn auf Karfreitag vorzubereiten, tritt die breite Spalte besonders in Erscheinung.

Es liegt nahe, eine Parallele zur Ostergeschichte zu sehen: Die drei Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas erzählen davon, dass in dem Moment, als Jesus am Kreuz starb, der Vorhang im Tempel von oben bis unten zerriss. Die Spalte in der Altarplatte ist normalerweise kaum zu sehen, da das weiße Altartuch, das mit dem Leichentuch Christi gleichgesetzt wird, sie verdeckt. Wie wäre es, auf die Altardecke zu verzichten? Allen, die Interesse daran haben, ein eindrucksvolles Beispiel eines zerrissenen Tempelvorhangs zu sehen, empfehle ich einen Besuch in St. Marien am Sichter, wo er den Hintergrund zum großen Kruzifix bildet.

Dr. Charlotte Klack-Eitzen