... dass unser Taufbecken mindestens zwei Vorgänger hatte?

1502, als die Kirche St. Petri und Pauli gebaut wurde, befand sich der Eingang im Westen. Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Kirchenschiff mit dem Turm verbunden. Der Balken vor den westlichen Fenstern weist mit einer Inschrift daraufhin, dass sich daran auch 100 Jahre später nichts geändert hatte.

Damals wird die Taufe im Eingangsbereich gestanden haben. Damit wird deutlich, dass der Mensch mit seiner Taufe in die christliche Gemeinschaft eintritt. Wie dieser Taufstein ausgesehen haben mag, ist leider nicht bekannt, auch nicht, ob er bei den großen späteren Veränderungen des Innenraumes ersetzt wurde. Im Jahre 1825 bekam der Altar eine neue Umfriedung mit einem Tauftisch. Georg Behrmann schreibt: „Vorne ist er mit einem ein Kranzgewinde haltenden Engel und mit einer Rosengirlande geschmückt.“ In einer Vertiefung ruhte das schlichte oval geformte Taufbecken aus Zink. Im Dezember 1909 stiftete Frau von Ohlendorff eine silberne Taufschale, die am oberen Rand die Inschrift trägt: „Zum Andenken an die Trauung von Albertus Freiherrn von Ohlendorff und Charlotte, Freifrau von Ohlendorff, geb. Meyer, in der Kirche zu Bergedorf am 22. Oktober 1856“; am unteren Rande steht das Wort Jesu: „Lasset die Kindlein zu mir kommen, denn ihrer ist das Reich Gottes. Mark.10,14.“1 Die gestiftete Schale ist noch immer vorhanden. Der Tauftisch konnte wohl außerhalb von Taufgottesdiensten mit einer Platte abgedeckt werden. Das ist auf dem Foto von 1908 gut zu erkennen.

Die Taufschale der Familie Ohlendorff

In den 30er Jahren erbte die Gemeinde zwei Schranktüren mit geschnitzten Holzreliefs, die ursprünglich aus der Kirche stammten. Daraus wurde der heutige Tauftisch gefertigt.2 Das eine Relief zeigt die Anbetung der Hirten, das andere die Anbetung der Könige. Die beiden Szenen werden von lateinischen Inschriften begleitet, die folgendermaßen übersetzt werden können: „Die Jungfrau bringt Christus hervor. Die Hirten nehmen die fröhliche Botschaft entgegen. Es tönt mit heiligen Stimmen.“ Und: „Die Könige von Saba kommen. Sie bringen Gold Weihrauch und Myrrhe.“3 Woher diese beiden Reliefs stammen, die etwa gleichzeitig mit den Kanzelreliefs entstanden sind, also am Ende des 16. Jahrhunderts, ist leider unbekannt.

Dr. Charlotte Klack-Eitzen

1 Georg Behrmann, Die St. Petri- und Pauli-Kirche in Bergedorf. Bergedorf 1921. S. 52
2Jürgen Rabe, Erinnerungen an St. Petri und Pauli im 20. Jahrhundert. In: Kirche zwischen Dorf und Stadt. Museum für Bergedorf und die Vierlande 2002. S. 110-115. S. 112-113.
3 Die Übersetzungen besorgte Christiane Bertram.