Mitten im harten Lockdown angesichts der Coronaepidemie und der Gefahr, dass das Virus noch einmal Fahrt aufnimmt unter uns durch seine Mutation, denke ich über diesen Artikel nach und nehme Ostern in den Blick. Ich denke an das letzte Jahr, als genau in dieser Zeit der erste Lockdown begann, am 13. März 2020, der mich überrascht und hart getroffen hat. Meine Mutter wurde am 13. März operiert und ich durfte sie nicht mehr besuchen. Das konnte ich nur schlecht akzeptieren. Gerade dann, als sie mich brauchte, war ich nicht an ihrer Seite. Nur das Telefonieren war noch möglich. Das war sehr wenig. Ich denke an das erste Osterfest zuhause im Wohnzimmer mit dem Gottesdienst der Gemeinde. Zu dritt waren wir – und die Osterkerze in unserer Mitte aus der Ostertüte, die ich aus der Kirche mitgenommen hatte. Die Botschaft von Gott, der Sterben und Tod mit uns teilt und neu ins Leben ruft, war uns nahe.

Wie wird es dieses Jahr werden? Wenn es darum geht, sich die Begrenztheit unseres Lebens bewusst zu machen und das der Sinn der Passionszeit ist, dann sind wir zur Zeit alle gut dabei. Die Passionszeit endet Ostern, das steht fest. Wann die Pandemie enden wird und die Bedrohung nachlässt, weiß ich nicht. Eher auf der Wegstrecke liegt Ostern als Herberge, an der wir gemeinsam anhalten, Hoffnung tanken und Widerstandskräfte sammeln können.

Ich lese von den Frauen, die zum Grab gehen, um Jesus zu salben bei Markus 16. Unter dem Kreuz haben sie bei ihm ausgehalten. Jetzt wollen sie ihn ein letztes Mal sehen und ihm nahe sein. Aber da ist der Stein. Mannshoch ist er und verschließt das Grab. Das macht ihnen Sorge. Der Stein steht für alle Fragen und Klagen, die sie haben. Aber es kommt ganz anders. Der Stein ist weggewälzt. Engel sind da und empfangen sie. Jesus ist nicht hier, sagen sie. Er lebt. Er ist auferstanden. Er geht euch voraus. Anders als zuvor und doch lebendig. Die Frauen erschrecken. Von Trost und Freude ist nicht die Rede. Die Richtung ihres Denkens ändert sich und ihr Weg. Der Stein der Sorge und Trauer hat sich bewegt und ist weggewälzt für sie.

Sie werden jetzt bewegt durch die Worte der Engel. Jesus ist nicht hier, er ist auferstanden. Folgt ihm. Das ruft in ihnen ganz andere Gedanken und Gefühle wach, Furcht und Neugier, Skepsis und Hoffnung, Verwirrung und neue Tatkraft. Sie brauchen Zeit, um das zu verstehen, um ihre Zweifel mit den anderen Jüngern zu teilen und einen Weg zu finden, diesen Auftrag Gottes für sich umzusetzen. So werden sie Teil der Auferstehungsbotschaft.

Wie werden wir in diesem Jahr Ostern feiern? Das „wie“ bleibt offen. Aber ganz sicher ist: Es liegt als Station auf unserem Weg und wenn es gutgeht, gibt es auch Boten Gottes für uns, die uns an die Hand nehmen, dass wir nicht in Trauer um alles das, was nicht möglich ist, oder in Trauer um Sterben und Tod bleiben, sondern uns von Gott zu Hoffnung und Lebendigkeit rufen lassen, trotz alledem. Das Osterlicht wird für uns leuchten und wir können es weitergeben wie die Frauen.

Pastorin Angelika Schmidt