Zum Lachen in den Keller gehen – Vor einiger Zeit, es muss so zum Jahresbeginn gewesen sein, sprach ich mit einer katholischen Kollegin. Natürlich in einem Videochat. Wir hatten uns daran gewöhnt und in den ersten Minuten sprachen wir über Privates. So, wie man es auch machen würde, wenn man sich im Büro trifft. Im Laufe des Gesprächs stellte sie mir die Frage, was ich im letzten Jahr Besonderes getan habe, von dem ich glaube, dass es Gott gefallen hat.

Was für eine Frage am frühen Morgen! Ich verstummte auf der Stelle. In meinem Kopf sah ich alle möglichen Geschichten und Situationen des letzten Jahres, bei denen sich mein schlechtes Gewissen meldete. Das eine oder das andere davon hätte Gott wahrscheinlich nicht ganz so gut gefallen. Ich war mir nicht sicher und immer noch stumm. In meinem Kopf geisterte die Frage, was wäre es wert gewesen, jetzt erwähnt zu werden. Und immer noch hatte ich Bilder im Kopf. Situationen in denen ich nicht ganz so freundlich war, wie sonst.

Es waren bis hierher nur ein paar wenige Sekunden vergangen, die mir viel länger vorkamen. Meine Kollegin wartete nicht länger und begann, ihre Frage zu beantworten: „Ich habe im letzte Sommer die Sonne genossen, Blumen im Garten betrachtet und die Vögel beobachtet.“ Es war nur ein Satz. Ich war geplättet und bekam eine Gänsehaut. Was für eine Antwort. Was für ein Statement. Es ging um nichts weniger als um die Wahrnehmung von Gottes Schöpfung.

Ich war überrascht, dass ihre Antwort so „einfach“ war und fragte mich, wieso ich nicht darauf gekommen bin. Sonst sage ich doch auch immer, dass Gott uns überall begegnet. In den großen Dingen genauso wie in Kleinigkeiten. Wir müssen uns nur darauf einlassen. Es muss nicht immer die ganz große, weltrettende Geschichte sein.

Vielleicht stimmt das alte Sprichwort doch? „Wir Protestanten gehen zum Lachen in den Keller.“ Haben wir Schwierigkeiten, uns angesichts der großen Probleme zu freuen? Ich nehme mir seit dem Gespräch mit meiner Kollegin vor, mich einfach mehr an den „Kleinigkeiten“ in Gottes Schöpfung zu erfreuen. Und Sie sind natürlich auch eingeladen, das zu tun. Bei allem, was uns beschäftigt, belastet und was wir zu tragen haben. Als ChristInnen wissen wir, dass wir nicht unfehlbar sind und natürlich verlieren wir die Weltrettung nicht aus den Augen. In unseren Gedanken, Gebeten und Fürbitten wird das deutlich.

Und trotzdem wird uns das erste Grün des Frühlings ein Zeichen für Gottes unglaubliche Kraft und Liebe sein, die immer bei uns ist.

Thomas Hoffmann