Liebe Gemeinde,

das Jahr 2020 ist zu Ende. Was für ein außergewöhnliches Jahr. Alles ganz verrückt. Nichts war und lief „wie immer“. Vieles musste anders, neu gedacht werden – immer wieder. Es braucht noch eine lange Zeit, bis diese Krise durchstanden ist. Und noch länger, bis wir diese für uns reflektiert haben.

Dieses Jahr prägt uns sehr. Das Leben wird bedroht, manche Existenz steht auf dem Spiel. Jede Entscheidung für einen Weg, und gegen den anderen, hat seine Konsequenzen, ohne dass wir wirklich genau wissen können, welche.

Natürlich stellt die Pandemie auch das Gemeindeleben auf den Kopf: Es ist mühsam gewesen, zwischen all den unterschiedlichen Aussagen und Informationen eine Entscheidung zu treffen. Astrid Hildebrandt und ich, die wir als Geschäftsführung beauftragt waren, die Sicherheits- und Hygienekonzepte in Zusammenarbeit mit den Mitarbeiter*innen und Gruppen zu entwickeln, dem geltenden Recht immer wieder anzupassen und dem Kirchengemeinderat zum Beschluss vorzulegen, spürten die große Verantwortung. Besonders im Kinder- und Jugendbereich, in der Seniorenarbeit und bei den Musikgruppen gab es eigene, oft widersprüchliche Empfehlungen der jeweiligen Arbeitsbereiche auf Nordkirchenebene und auf Kirchenkreisebene, die der Hamburger Rechtverordnung angepasst werden mussten. Als Kirchengemeinderat mussten wir Entscheidungen treffen, die teilweise sehr schmerzhaft waren, wie die Absage des Konzertes bei den Bergedorfer Musiktagen, des Martinsmarktes, des Bergedorfer Advents und der (Oster-, Weihnachts-) Gottesdienste.

Viele Tauf- und Trauanmeldungen wurden verständlicherweise auf das nächste Jahr verschoben. Ebenfalls einige Konfirmationen – doch konnten manche Konfis, die wollten, draußen in den Gärten bereits in diesem Jahr eine andere, außergewöhnliche Konfirmation erleben. Sehr schmerzhaft waren die Bestimmungen für die Friedhofskapellen und für die Kirchen, die für die Trauerfeiern besonders in der Anfangszeit der Pandemie galten. Doch auch mit den neuen Begebenheiten waren würdevolle Abschiede von den Verstorbenen am Grab möglich. Intensiv war dabei die Begleitung der Angehörigen.

Die Hauptamtlichen, wie auch die ehrenamtlich geleiteten Gruppen, mussten immer wieder ihre Arbeit neu ausrichten und Wege finden, wie sie den Kontakt zu den Gruppen halten konnten, wie sie die Menschen in dieser Zeit begleiten konnten, was viel Kraft kostete. Dabei war der Eigenschutz genauso wichtig, wie der Schutz der Teilnehmer*innen. Immer wieder versuchten wir uns aber an den Leitspruch zu erinnern: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Tim 1,7)

Als sich die Lage etwas entspannt hatte, konnten sich einige Gemeindegruppen (wer zumindest wollte) unter strengen Sicherheits- und Hygienemaßnahmen wieder treffen - das tat gut. Der Kontakt zueinander, das gemeinsame Tun, all die Gespräche und der regelmäßige Rhythmus – das fehlt uns als Gemeinschaft sehr. Besonders bei den Gottesdiensten mussten wir uns daran gewöhnen, dass gemeinsamer Gesang nicht möglich war, dass wir nicht gemeinsam Abendmahl feiern konnten, wie wir uns mit Abstand und Mund-Nasen-Schutz „begegnen“ konnten. Wir freuten uns sehr, dass wir eine Zeit lang wieder Gottesdienste im Behrmann-Stift feiern konnten. Es ist ein großes Geschenk, dass der Posaunenchor draußen seine „Balkon-Konzerte“ geben kann, dass die Bewohner*innen wissen, dass wir für sie da sind. Wir erlebten ein Wechselbad der Gefühle: Angst, Wut, Trotz, Hilflosigkeit, Ohnmacht, Resignation, Überforderung, dann aber wiederum wundervolle Momente, ermutigende Gespräche, Zuspruch, besondere Begegnungen, Freude, Hoffnung – besonders aber Dankbarkeit.

Wir sind euch dankbar, liebe Gemeinde, dass ihr euch gegenseitig unterstützt und euch im Blick habt: ob innerhalb der Gruppe, in der Familie oder in eurer Nachbarschaft.

Erdbeerfest
Unser diesjähriges „Erdbeerfest für zuhause“

Wir sind dankbar, dass so viele tolle Aktionen und Projekte entstanden sind: Karpakete, Passionsgeschichte mit Chorgesang als Video, Kigo@home, #ostersteine bzw. #hoffnunghamstern, Aktionsthementüten für Kinder, Gottesdienst für Zuhause, Solist*innen in den Gottesdiensten, Seniorenbriefe, Erdbeerfest für Zuhause, der Andere Martinsmarkt (zumindest Teil 1), Weihnachten im Schuhkarton für die Soziale Beratungsstelle, „Türchen, öffne dich“, Podcasts und Videos, Weihnachtsspaziergang für Familien, u.v.m. Manche Projekte waren bereits geplant, konnten aber wegen strengerer Auflagen nicht mehr durchgeführt werden.

Wir sind dankbar, dass unser Petri und Pauli-Laden weiterhin offen sein konnte, dass die Ehrenamtlichen, trotz schwieriger Begebenheiten, so engagiert geblieben sind. Ebenfalls danken wir allen Helfer*innen bei der Ausgabe der Bergedorfer Tafel in Kooperation mit unserem Suppentopf, dass sie jede Woche, neben Lebensmitteln, den Menschen vor allem Zuwendung geben.

Wir danken dem ehrenamtlichen Bauausschuss, der viele bauliche Maßnahmen, die in diesem Jahr trotzdem durchgeführt werden mussten, so fachkundig begleitet hat. Überhaupt allen Projektgruppen, Gremien und Ausschüssen, die sich regelmäßig, auch online, getroffen und besonnen alles erörtert haben, um dafür zu sorgen, dass wir weiterhin vor Ort die Menschen begleiten können.

Wir danken allen, die wichtige Sicherheitsinformationen und Ansagen unserer Gemeinde schnell verbreitet und liebevoll aufbereitet haben – sei es in Papierform oder auf digitalem Weg.

Wir sind dankbar für alle Hauptamtlichen, die ihren Dienst hier mit viel Herz versehen und die für die Menschen in ihren Gruppen und Arbeitsbereichen da sind.

Wir sind dankbar für all das ehrenamtlichen Engagement so vieler Menschen in dieser Gemeinde: Wir haben einen großen Schatz an Gaben und Talenten hier; und jeder noch so kleine Beitrag ist so wichtig und tut gut. Besonders in einer Zeit wie dieser.

„Meine Zeit steht in deinen Händen“ – steht in Psalm 31. Es ist der Wochenspruch für Silvester. Wir wissen nicht, was wir alles im nächsten Jahr erleben werden. Alles wird seine Zeit haben. So hoffen wir, dass diese Zeit der Pandemie mit all seinem Leid so schnell wie möglich ein Ende haben wird. Nicht alles ist in unseren Händen. Wir können Krisen weder ganz vermeiden noch ungeschehen machen.

Doch wir haben vorgelebt bekommen, wie wir mit ihnen umgehen können: mit viel Geduld, mit dem Blick der Barmherzigkeit und Gnade, vor allem mit Liebe – der Liebe zu Gott und zu den Menschen.

Darum: Lasst uns in Verbindung bleiben, Schweres miteinander teilen und die Hoffnung gemeinsam wachsen lassen. Greift zum Telefon oder kommuniziert untereinander von Fenster zu Fenster (oder über den Gartenzaun).

Wir PastorInnen und Diakoninnen, sowie unsere haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen, sind für euch da. Wendet euch gern an uns!

Allen ein gesegnetes neues Jahr.
Es grüßt euch für die Kirchengemeinde,
Pastorin Chang-Mi Dallat