Die zuletzt vierköpfige AGCJD hat im Februar 2020 einstimmig ihre Auflösung zum Ende des Jahres 2020 beschlossen. Maßgeblich für diese Entscheidung waren ausschließlich alters-, gesundheits- und arbeitsbedingte Gründe. Damit endet eine mehr als 17-jährige Tätigkeit, die in dieser Form auf Gemeindeebene in Hamburg einzigartig war und weit über die Grenzen der Gemeinde hinaus auf Aufmerksamkeit und Anerkennung gestoßen ist. Für unser Abschiedsjahr hatten wir noch einmal ein überaus ambitioniertes Jahresprogramm aufgelegt und dieses im Februar mit einer erfolgreichen Auftaktveranstaltung mit Rabbiner Ahrens aus Frankfurt gestartet. Die vier Folgeveranstaltungen fielen dann den Folgen der Corona-Pandemie zum Opfer und mussten abgesagt werden, darunter auch das Klezmerkonzert im November, mit dem wir uns eigentlich von unserer treuen Zuhörerschaft verabschieden wollten.

Mit einer Synodenerklärung hatte alles angefangen. Am 22. September 2001 hatte die Synode der vormaligen NELK eine theologische Erklärung zum Thema „Christen und Juden” veröffentlicht. Darin wurden die örtlichen Kirchengemeinden aufgefordert, „Themen der Judentumskunde und des christlich-jüdischen Dialogs intensiv zu studieren und dies als eine ständige Aufgabe zu betrachten.” Um diese Aufforderung in unserer Gemeinde mit Leben zu erfüllen, hatten sich einige Gemeindeglieder um unsere damalige Pastorin Christiane Eilrich herum zusammengefunden und im April 2003 die AGCJD gegründet. Dabei aktivierten wir für uns eine Regelung, die ich in Artikel 18 der Nordelbischen Verfassung (jetzt inhaltsgleich Artikel 33 Abs.4 der Verfassung der Nordkirche) gefunden hatte. Danach konnten aus freier Initiative gebildete Arbeitskreise vom Kirchenvorstand (KV) als Arbeitsausschüsse anerkannt werden mit der Folge, dass der KV eines seiner Mitglieder in den anerkannten Arbeitsausschuss entsendet. Einen solchen Anerkennungsantrag hatten wir damals erfolgreich gestellt. Damit sicherten wir eine gewollte personelle Vernetzung mit dem jeweiligen KV bei gleichzeitiger Unabhängigkeit von deren Amtsperioden.

In dieser Konstellation haben wir in der Folgezeit mit der inhaltlichen Arbeit begonnen und Vortragsreihen, Einzelvorträge, Besichtigungen, Filmabende, Ausstellungen, Konzerte und musikalisch-literarische Veranstaltungen organisiert und in Jahresprogrammen dargeboten. Seit 2008 hat die AGCJD überdies die Gottesdienste zum Israelsonntag vorbereitet und gestaltet und dazu gelegentlich auch einmal einen Gastprediger eingeladen. Diese Gottesdienste bekamen dadurch einen neuen Stellenwert in der Gemeinde. In der Summe sind in all den Jahren ohne die Gottesdienste 95 Veranstaltungen zusammengekommen. Bei der Auswahl der Vortragenden und der Musikgruppen haben wir immer auf Qualität und Vielfalt zu achten versucht. So sind unseren Einladungen Rabbinerinnen, Rabbiner, Pastorinnen, Pastoren, Priester, Professorinnen und Professoren aus dem universitären Bereich, Gäste aus Israel, herausgehobene Vertreter von jüdischen Gemeinden, Historiker und Kunsthistoriker, Vertreter wissenschaftlicher Institute, Musikgruppen und Gastprediger gefolgt.

Bei einer solchen Vergangenheit darf das Ende der AGCJD nach unserer Auffassung nicht zugleich auch das Ende der Beschäftigung der Gemeinde mit den bisher von der AGCJD initiierten Themen sein, zumal die oben zitierte Synodenaufforderung vom September 2001 durch die Gründung der Nordkirche nicht obsolet geworden ist auch vor dem Hintergrund eines wachsenden Antisemitismus.

Die AGCJD wollte ihren Auflösungsbeschluss der Gemeinde schon sehr frühzeitig auf der Gemeindeversammlung im März bekanntgeben und näher erläutern. Die dafür eigentlich vorgesehene Erklärung hat die AGCJD nach der Corona bedingten Absage der GV dann dem Vorsitzenden des KGR zugeleitet mit der Bitte um Weiterleitung auch an die übrigen Mitglieder des KGR. Denn der KGR wird entscheiden müssen, ob er sich der zitierten Synodenaufforderung auch nach 2020 weiter stellen will, und wenn ja, mit welchen Personen, mit welcher inhaltlichen Konzeption und in welcher Organisationsform das geschehen kann. Das eröffnet auch die Chance, ggf. neue Wege zu gehen. Die Gemeinde wird über die weitere Entwicklung sicherlich in geeigneter Weise unterrichtet werden. Abschließend dankt die AGCJD dem vormaligen KV und dem heutigen KGR von Herzen für die sehr frühzeitige, langjährige finanzielle Absicherung ihrer Tätigkeit. Das der AGCJD zur Verfügung gestellte verlässliche Jahresbudget hat ihr Planungssicherheit gegeben und ihre ambitionierte inhaltliche Arbeit erst möglich gemacht.

Die AGCJD dankt auch ihrer treuen Zuhörerschaft, die die Arbeit der AGCJD über Jahre hinweg begleitet hat. Sie dankt schließlich auch allen ReferentInnen und allen Musikgruppen, die unseren Einladungen gefolgt sind. Bleiben Sie alle behütet!

Ihr Eberhard Witte
für die AGCJD