... dass manche der Grabplatten an der Außenwand früher im Innenraum unserer Kirche lagen und Grüfte verschlossen?

Ein Platz in der Kirche stand wohl nur wichtigen und wohlhabenden Gemeindegliedern zu. Alle anderen wurden auf dem Friedhof rund um die Kirche begraben. Am Doppelgrabstein links vom Turmeingang sind noch die kräftigen Metallringe zu sehen, mit denen das Familiengrab der Wiebekings bei Bedarf geöffnet werden konnte.

In der Kirche lagen die Platten vor allem in der Nähe des Altars. Man musste über sie hinweg gehen, und die Reliefs müssen ziemliche Stolperfallen gewesen sein. Waren die Schriftzüge aufgrund der Abnutzung nicht mehr zu erkennen, konnten die schönen schweren Steine auch in anderem Zusammenhang verwendet werden, z. B. als Stufe. Das kann man am Aufgang zum Hassehaus sehen.

Die älteste Grabplatte steht am Chor der Kirche. Sie erinnert an Hermann Schuldorff, der 1657 starb. Er war der erste Bergedorfer Amtsverwalter auf Lebenszeit.

Merkwürdigerweise wurde dieser Stein für seinen Amtsnachfolger wiederverwendet. Die Inschrift für Johannes Reimboldt, geb am 3.7.1645 in Hamburg, gestorben am 8.11.1713 in Bergedorf findet sich auf der Rückseite. Gab es nach 56 Jahren niemanden mehr aus der Familie, der sich gegen das Vergessen seines Vorfahren hätte wehren können? Es ist nicht bekannt, wann die beiden Platten der Familien Wiebeking und Schuldorff an der Kirchenwand aufgestellt wurden. Der Grabstein der Familie Petersen lag jedoch noch 1910 im Chor der St. Petri und Pauli- Kirche. Drei Familienmitglieder werden in der Inschrift genannt: Michael Petersen, seine Frau Magdalena und ihr Sohn Joachim Petersen. Er stiftete nicht nur den Altar in der Kirche, sondern hinterließ darüber hinaus 10.000 Mark Lübsch, deren Zinsen für die Armen bestimmt waren und den Grundstein der Alt-Bergedorfer Stiftungen bildeten. Erstaunlicherweise ist die Inschrift hinsichtlich der Geburts- und Sterbedaten Joachim Petersens fehlerhaft. Alle anderen Zeugnisse über Joachim Petersen gehen von anderen Daten, nämlich dem Geburtsdatum 10.3.1611 und dem Todestag 23.6.1658 aus. Können diese Unstimmigkeiten damit erklärt werden, dass Joachim Petersen in London starb und nicht in Bergedorf und dass er nicht hier sondern in der Hamburger Hauptkirche St. Katharinen bestattet wurde?

1957, als die Kirche umfassend saniert und renoviert wurde, stießen die Handwerker auf eine letzte schmale Gruft im Altarraum. Staub und ein paar Seidenreste war alles, was von dem Unbekannten zu finden war. Die kleine Skulptur des Gekreuzigten aus Zinn schmückte vermutlich seinen Sarg. Sie hat ihren Platz im Küsterraum hinter dem Altar gefunden.

Dr. Charlotte Klack-Eitzen