Advent und Weihnachten das ist für mich die Zeit, in der Gott ein Licht für alle Menschen im Dunkeln leuchten lässt. Eigentlich eine Fastenzeit, aber vor dem ersten Adventsonntag riecht es in meiner Küche nach Mandeln und Vanille. Kekse backen und verschicken – das gehört einfach dazu. Am dritten Adventssonntag ist meine Tradition, so lange ich denken kann und es gab nur wenige Unterbrechungen: Stollen anschneiden, der Bratapfel schmurkelt im Ofen und die Thomaner singen „Jauchzet frohlocket“. Diese Rituale machen mich sanft. Ich werde so klein, wie ich damals war, als Lametta noch unbedingt zum Christbaum gehörte und „Warten auf’s Christkind" im Fernsehen lief. Heute liebe ich all die Geheimnisse und Geschichten rund um das Weihnachtsfest noch mehr. Ein Kind hat es geschafft, dass in der ganzen Welt gefeiert wird. Und es sind nicht nur Christen, die sich inmitten des Weihnachtszaubers und Weihnachtskitsches wohlfühlen. Sie öffnen ihr Herz für andere, singen, wünschen sich Feliz Navidad, god jul oder merry Christmas.
Die Weihnachtsbräuche überwinden bis heute Grenzen und Mauern. In Skandinavien und England wird Weihnachten ausgelassen gefeiert. König Artus soll alljährlich zu Weihnachten zu einem Festgelage geladen haben. Spielleute und Artisten sorgten bei den Rittern für ausgelassene Stimmung. Die Ritter sind Geschichte, aber getanzt wird immer noch am Weihnachtsabend. Auch wenn es bei uns feierlicher und stiller zugeht, haben wir doch etwas von den Engländern übernommen. Queen Elisabeth die erste verspeiste am Heiligabend des Jahres 1588 eine Weihnachtsgans, als sie vom Sieg ihrer Armee über die Spanier hörte. Daraufhin wurde die Gans zum offiziellen Weihnachtsessen ernannt. Und wieso landete über Jahre hinweg am Weihnachtsabend ein Karpfen auf dem Teller der Deutschen? Der Karpfen stammt aus Asien und wurde von den Römern nach Europa gebracht. Seitdem wurde der Karpfen in den mittelalterlichen Klöstern gezüchtet. Der Fisch war ein beliebtes Festmahl für die Fastenzeit und die endet erst am ersten Weihnachtsfeiertag. In meiner Familie gab es deshalb am Heiligen Abend traditionell Heringssalat, denn Karpfen musste frisch geschlachtet werden. Als Kind glaubten wir deshalb, die Farbe Rot, die in der Weihnachtszeit so beliebt ist, käme vom Blut des Karpfens. Und tatsächlich symbolisiert die Farbe Rot das Blut und das Leiden und den Tod von Jesus. Grün hingegen steht für die Geburt, die Erneuerung und das Leben. In Kombination bedeutet das, dass Geburt und Tod des Erlösers als Einheit zu sehen sind so wie laut Legende das Holz der Geburtskrippe und das Kreuz vom gleichen Baum stammen sollen. Und auch wenn es viele Legenden und Rituale gibt und Jesus gar nicht am 24.12. geboren wurde, und auch wenn wir diesen Tag den Römern zu verdanken haben, uns wird es an diesem Abend besonders warm und hell im Herzen.
Und 1986 kam eine Zuschauerin auf die Idee, dass der österreichische Rundfunkt sein „Licht für die Dunkelheit“ als Friedenslicht an alle Menschen verteilen möge. Seitdem reist alljährlich ein österreichisches Kind nach Bethlehem und entzündet dort das Licht, das durch Pfadfinder in ganz Europa weitergereicht wird. Und so erreicht auch unsere Kirche die Botschaft „Friede auf Erden“. Diesen Frieden wünsche ich mir und Ihnen. Gesegnete Weihnachten.
Ihre Prädikantin Dr. Nicole Knaack