Hamburgs neues Wahrzeichen, die Elbphilharmonie, ist eingeweiht. Die einen nennen die Kosten des Bauwerks eine Schande. Andere feiern den Bau als eine Art Weltwunder.

Der Konzertsaal mit Hotel, erinnert hat eine der an eine Meereswelle Bau und Planung haben fast fünfzehn Jahre gedauert und das 10 fache der veranschlagten Summe gekostet.

Dürfen wir uns so viel Luxus leisten? Brauchen wir die Elbphilharmonie? Diese Frage wurde auch dem Dirigenten Christoph von Dohnányi (geboren 1929) gestellt, einem Neffen von Dietrich Bonhoeffer. Dohnányi antwortete mit einer Gegenfrage: Brauchen wir Beethovens Neunte Sinfonie?

Brauchen wir Texte und Musik wie „Freude schöner Götterfunken“? Brauchen wir Gemälde, Orgeln und Kirchen und Ausstellungen von Kunst? Die Antwort ist nicht einfach. Ich kann Menschen verstehen, die Nein sagen und Etliches viel zu teuer finden. Ich selbst sage aber: Ja. Wir brauchen Kultur und auch oft teure Säle, um sie aufzuführen. Kultur ist der Zusammenhalt der Welt.

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sagt Jesus (Matthäus 4,4). Jesus will natürlich, dass Menschen satt werden. Er will aber auch, dass die Seele Nahrung bekommt. Kultur, also Musik, Bilder und Dichtung, ist Nahrung für die Seele. Die Seele erbaut sich nicht nur am Alltäglichen, sondern ebenso an dem, was den Alltag übersteigt: Klänge, Gedichte, Bilder. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, das heißt: Wir sorgen uns, dass Menschen Brot bekommen und satt werden; wir bemühen uns aber auch, dass die Seelen der Menschen Nahrung bekommen.

Ein Land ohne Kultur wäre ein trostloses Land. Auch darum, weil alles Kulturelle zum nötigen Streit anregt: Ist das Kunst oder kann das weg? Eigentlich keine gute Frage. Bach hatte es in Leipzig nicht immer leicht mit seiner Musik – zu laut, zu mächtig, zu schwülstig, zu kurz oder zu lang. Viele missachteten Bücher sind heute Weltliteratur. Vincent van Gogh war bettelarm, verkaufte zu Lebzeiten kein einziges Bild; seine Bilder kosten heute viele Millionen. Erst die Zeit danach macht manches groß bis unverzichtbar. Kultur ist der Zusammenhalt der Welt. Ist Nahrung für die Seele. Auch geistliche Mittel sind Lebensmittel.

Dr. Nicole Knaack